Slumber Party Massacre

Was denkt man bei einem Titel wie Slumber Party Massacre? Brüste, Sex, (Kunst-)Blut, einen oder mehrere Killer, ein paar Tode nach Schema F und das berühmte Final Girl. Warum? Warum ist das so? Im Jahre 1982 fragte sich dasselbe wohl auch Amy Holden Jones und schuf mit The Slumber Party Massacre eine etwas andere Partyreihe im Slasher-Genre, die es außerhalb der USA vor allem in Deutschland sehr schwer hatte. Zwei Fortsetzungen später erschien 2021 das zeitgemäße Remake von Danishka Esterhazy (The Banana Splits Movie), was man im Rahmen des HARD:LINE International Film Festival 2022 bewundern durfte – sogar als prestigeträchtigen Abschlussfilm des Festivals.

   

Freundinnen, Pizza, Alkohol zärtliche Blicke, ein blinder Passagier, die Neugierige, die Coole, die Liebevolle – die Clique ist klar und in Partystimmung! Lokation? Weit draußen am See, wo man niemanden schreien hört. Ausgelassene Stimmung. Der Killer mit dem meterlangen, harten Teil zum Aufspießen ist kein Problem. Dann schon eher die Jungs am anderen Ufer. Diese stören ungemein und das blutige Treiben nimmt Fahrt auf.

Eine lesbische Feministin, die Katzenkrimis veröffentlicht

Originaltitel Slumber Party Massacre
Jahr 2021
Land USA, Südafrika
Genre Horror
Regie Danishka Esterhazy
Cast Dana Devereaux: Hannah Gonera
Maeve: Frances Sholto-Douglas
Breanie: Alex McGregor
Alix: Mila Rayne
Ashley: Reze-Tiana Wessels
John: Michael Lawrence Potter
Laufzeit 86 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Hardline Film Festivals 2022

1982 wurde der Ur-Bohrmaschinenkiller von Roger Corman (der Trash-Pabst schlechthin und verantwortliche für Filme wie Weißer Terror oder Die Reise zum prähistorischen Planeten) auf die Menschheit losgelassen und dem Publikum vorgesetzt. Obwohl der Film seiner Zeit, weit, weit voraus war, kam er nicht über den Status einer Genre-Perle hinaus. Es mag auch an den kruden Begleiterscheinungen liegen. Rita Mae Brown, in den 1970er als lesbische Hardcore-Feministin bekannt, kostete ihren Titel aus. So ist Brown mitverantwortlich und Mitbegründerin der Radicalesbians und schireb das Manifest The Woman-Identified Woman. Und genau diese Person ist für das Drehbuch des 1982er The Slumber Party Massacre Films verantwortlich. Selbstverständlich durfte kein Mann den Stoff verfilmen. Es musste eine Frau sein. Als Geldgeber war Roger Corman gut genug. Ja, die Begleiterscheinungen waren wesentlich komplexer als diese fünf Zeilen es vermitteln mögen.

Was wurde aus dem Geist von Frau Brown?

Dass das Original keinem Schema F folgen würde, erklärt sich von selbst. Doch wie steht es um das Remake, was nun mittlerweile nach zwei weiteren Fortsetzungen das Licht der Schauspielhäuser erblicken sollte? Mit der Kanadierin Dansihka Esterhazy fand sich ebenfalls eine Regisseurin, die für ihre feministisch gelagerten Produktionen bekannt ist (The Banana Splits Movie und mehrere Folgen von Ash vs. Evil Dead). So oblag es ihr, eine moderne Version der Geschichte zu inszenieren. Wenn der geneigte Horrorfan leichte Panikattacken durchlebt und an über das Knie gebrochene Werke  wie etwa den letzten Black Christmas denkt, liegt nicht per se falsch.

Zeitgeist der 80er und 2020

In den 80ern huldigten Freunde und Fans des Genres Freddy Krüger und fürchteten sich vor ihm. Michael Meyers lehrte als emotionsloser und nicht zu tötende Ikone immer an Halloween den Menschen das Fürchten. Doch kaum ein Franchise wie Freitag, der 13. erschuf Filmtropes. Die Filmgesetze rund um Final Girl, Sex und Drogen als Todesurteil und ausgefallene Mordmethoden als eine Art Strafe zelebrierte Jason Vorhees wie kein anderer. Natürlich gehen diese Filme immer einher mit dem Zeitgeist und den Sehgewohnheiten der damaligen Zuschauer. Nicht jeder Film aus den Franchises hat die letzten 40 bis 50 Jahre (ja, die 80er sind über 40 Jahre her) gut überstanden. Daher ist es umso beeindruckender, wie wenig sich Filmgesetze ändern.

Was macht Slumber Party Massacre anders?

Um Slumber Party Massacre im Jahr 2022 zu verwirklichen, bricht die Filmreihe mit einer der Regeln: Kein Slasher sollte länger als 75 Minuten dauern. Nun, ausgerechnet die Trash-Schmiede SyFy (Sharknado) inszenierten Film und konnte zumindest eine Regel aufrecht halten: Alle Beiträge der Reihe wurden ausschließlich von Regisseurinnen (Amy Holden Jones, Deborah Brock, Sally Mattison und nun Danishka Esterhazy) inszeniert. Es mag für die heutige Zuschauerschaft nichts besonderes sein, doch das war in den Achtzigern in diesem Genre durchaus rar. Das Original war ursprünglich als Parodie auf die (sexistischen) und bereits damals vorherrschenden Klischees gedacht – ehe man diese dann bediente. Danishka Esterhazy findet einen eigenen Weg, die Gruppe junger Mädchen ihren eigenen Ideen folgen zu lassen und dabei „Spaß“ zu haben. Als Zuschauer sieht man alle Stereotypen in der Gruppe von Mädchen. Im Grunde die nervigen sauf-kreischenden Girlies, die dem Killer zum Morgen serviert werden. Doch genau hier verwirft Esterhazy alle Befürchtungen und serviert eine rabiate und vor allem extrem lustige Gender-Swap-Parodie auf restlos allen Klischees, die man sich denken kann. Es ist eine Slumber Party und da darf eine obligatorische Kissenschlacht nicht fehlen. Diese ist dieses Mal aber zur Abwechslung mit metrosexuellen Männern gefüllt und wirkt köstlich überdreht. Was die Regisseurin mit Slumber Party Massacre hinbekommt, ist der Spagat zwischen Klamauk, Persiflage ohne dabei gehässig und mit dem moralischen Zeigefinger an die Pupillen der Zuschauer zu kommen. Schnell wird man Zeuge dessen, wie verdrehte und überspitzte Geschlechterbilder und -rollen anmuten, insbesondere wenn dann noch eine ziemlich beschränkte Jungstruppe mit Rollennamen wie „Guy 1“ und „Guy 2“ ins Spiel kommt.

Fazit

Slumber Party Massacre ist ein solider, gut inszenierter Slasher, in dem Dinge völlig anders laufen, als man es im Genre gemeinhin gewohnt ist … und dennoch genau das bekommt, was man(n) erwartet. Genau das ist er. Der Film macht von der ersten Minute an Spaß und bietet Freunden des Originals, sofern das deutschsprachige Publikum diese kleine Genre-Perle überhaupt gesehen hat, viele, viele kleine „Easter-Eggs“ und Hinweise. Esterhazy nutze viele damalige Requisiten und achtete darauf, dass das Story-Konstrukt des Originals weitestgehend unangetastet blieb. Es ist erfreulich, sich selbst dabei zu ertappen, wenn einige Szenen völlig skurril anmuten, nur weil diese geschlechtervertauscht sind. Daher macht der Film auf vielen Ebenen viel Spaß und dennoch wird nicht vergessen, dass es sich um einen Slasher handelt. Dies hat der Zuschauer in letzter Zeit sehr häufig schon anders erlebt. Daher muss dieser Spagat, den Cast und Regisseurin schaffen, explizit erwähnt werden.

© Raven Banner Entertainment

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