Slayed – Wer stirbt als nächstes?

Zwischen den 70ern und den 90ern durfte der Slasher als Genre gleich auf zwei erfolgreichen Wellen surfen. Der große Hype darum ist zwar nicht verstummt, aber namhafte Killer wie Michael Myers, Jason Vorhees oder Ghostface hat das neue Jahrtausend noch nicht hervorgebracht. Zeitgemäß versucht sich Regisseur John Berardo an einem Slasher, in dem Social Media eine große Rolle einnimmt. Eigentlich keine herausragende Kombination, hat doch schon Scream 4 im Jahr 2011 erste Social Media-Einflüsse mitgebracht. Für Slayed – Wer stirbt als nächstes? geht er einen Schritt weiter und lässt sozialen Medien rund um seinen Campuskiller einen hohen Stellwert zukommen. Seit dem 27. August 2021 ist der Film via VoD, Blu-ray und DVD erhältlich.

Wes Scott (Froy Gutierrez, Teen Wolf) ist der Star des Schwimmteams an der Whiton Universität. Nach einer Verbindungsparty wird er beschuldigt, sich sexuell an Kylie (Isabella Gomez, One Day at a Time) vergangen zu haben. Doch bevor es zu Ermittlungen kommt, wird Wes tot in seinem Verbindungshaus aufgefunden.  Seine Schwester Ellery (Lindsay LaVanchy, Dembanger) steht nun massiv unter Druck, da sie herausfinden will, wer ihrem Bruder das angetan hat. Aber während der laufenden Ermittlungen kommt es zu weiteren Morden, denn ein Killer geht reihum auf Beutejagd und hat Ellery längst ins Visier genommen.

Chatten, Liken, Instagrammen

Originaltitel Invitiation
Jahr 2020
Land USA
Genre Horror, Slasher
Regie John Berardo
Cast Wes Scott: Froy Gutierrez
Kylie Martinez: Isabella Gomez
Ellery Scott: Kylie Martinez
Dylan Davenport: James Berardo
Shayleen Zhou: Shireen Lai
Beau Vaughn: Gattlin Griffith
Laufzeit 97 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 27. August 2021

Auf der Suche nach Inspiration für einen studentischen Film wurde Regisseur John Berardo auf den fahrlässigen Umgang seiner Mitstudent:innen in Bezug auf Social Media aufmerksam. Nachdem er den Film Unknown User sah, drehte er einen Horror-Kurzfilm (Dembanger), dessen Grundzüge auch die Vorlage für Slayed darstellen. Soviel zur Entstehung des Slashers, der im Original “Initiation” heißt und nur hierzulande einen typischen Zusatztitel der Marke reißerisch erhielt. Inhaltlich kann man Slayed jedenfalls grob zwischen Scream und Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast einordnen, nur dass der Social Media-Kern das herausragendste Merkmal darstellt. Im Jahr 2021 ist das natürlich ebenso topaktuell als auch mittlerweile nichts Besonderes mehr. Das permanente Chatten, Texten und Liken wird zudem prominent im Bild eingeblendet, wobei man sich schon fragen kann, was für einen Sinn dieses Stilmittel hier eigentlich macht, da es in den wenigsten Fällen die Geschichte ankurbelt, sondern meist einfach nur den Eindruck einer lebendigen Kommunikation vermitteln soll. Die plakative Inszenierung entpuppt sich also als überflüssiges Stilmittel, auch wenn sie den Anschein erwecken möchte, Teil der Handlung zu sein.

Unkreative Kills

Es dauert eine halbe Stunde, bis dann auch mal der erste Mord geschieht. Das geschieht in anderen Slashern weitaus schneller, zumal diese halbe Stunde auch nur dafür genutzt wird, die Studentenverbindung auf- und auszubauen und möglichst viel Social Media-Einsatz zu bringen. Cybermobbing, Slutshaming und Prahlerei in Gruppen. Es ist das volle Programm dabei, aber was John Berardo als gutgemeinte Kritik einbringen möchte, verpufft ebenso schnell wieder angesichts der fehlenden Bedeutung innerhalb seiner Geschichte. Man kann es sich bereits ausmalen: Natürlich kommen die vielen Fehltritte über Social Media ans Licht. Die dumpfe und feierwütige Teenie-Horde ist sich dabei für nichts zu schade und Sympathieträger sucht man vergeblich. Aber es gibt ja noch einen Killer, der dieses Übel zumindest teilweise beseitigt. Mit einem Akkubohrer als Mordwaffe ist zumindest Potenzial für ein paar kreative Kills vorhanden, doch dieses Potenzial wird verschenkt. Ebenso wenig kreativ wie der Killer, dessen Aussehen und stets überlegenes Verhalten sind auch die Morde, die im Grunde immer das Kernstück eines jeden Slashers bilden.

Fazit

Ein Low-Budget-Slasher ohne gute Ideen, der sich voll und ganz darauf verlässt, dass man sein Social Media-Feature in irgendeiner Weise zu würdigen weiß. Nur merken gewiefte Zuschauer:innen aber schnell, dass dieses Stilmittel keinen sonderlichen Mehrwert besitzt. Bei der Geschichte um die Morde kommt keine Fahrt auf und der Killer sorgt eher für unfreiwillig komische Momente. Als Slasher ist Slayed allerhöchstens Genre-Einsteigern zu empfehlen, die über besagte Punkte hinwegsehen können. Als Scream-Ersatz ist der Film aufgrund seiner fehlenden Meta-Eben und der inhaltlichen Belanglosigkeit überhaupt nicht in Frage kommend.

© Square One Entertainment


Veröffentlichung: 27. August 2021

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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