Sky Sharks

Was passiert, wenn Hitlers fiebriger Größenwahn des Übersoldaten Menschen verfilmt wird? Ein Drama wie Schindlers Liste? Eine liebevolle Komödie wie JoJo Rabbit? Eine an das Herz gehende Geschichte à la Das Leben ist schön? Diese Frage haben sich die Gebrüder Fehse gestellt und mit Sky Sharks eine Trash-Horror-Satire des Nazi-Gedankenguts verfasst. Regisseur Marc Fehse hat sechs Jahre darauf hingearbeitet, um endlich seine fliegenden Haie auf die Menschheit loszulassen. Fliegende Haie? Ja, Sky Sharks sollte man wortwörtlich nehmen. Was erwartet die Zuschauer*innen? Nazi-Zombies! Auf. Fliegenden. Riesenhaien. Mit. Lasern! Sowie Oliver Kalkofe und Michaela Schaffrath als Nazis. Seit dem 26. August 2021 im Kino.

   

Tief in der Arktis, fernab der Augen der Welt und den Achsenmächten, schlummert ein Labor. Nicht nur irgendein Labor. Ein vergessenes, aber intaktes Nazilabor, welches an der genetischen Formel des Supersoldaten gewerkelt hat. Damals, 1942, als ultimative siegbringende Waffe installiert. Das Projekt ruhte nicht und so melden sich die Nazis in der Gegenwart mit der ultimativen Waffe zurück, um die Welt endgültig zu unterjochen. Mit genmutierten unsterblichen Nazi- und Haizombies, die fliegen und sich dank Technologie unsichtbar machen können. Dr. Klaus Richter (Thomas Morris, Karl der Große), der das Projekt einst selbst in die Wege leitete, sieht sich gezwungen, seinen Töchtern Diabla (Eva Habermann, Lexx – The Dark Zone) und Angelique (Barbara Nedeljakova, Hostel) die Wahrheit über den Erfolg seiner globalen Firma und Jugend zu offenbaren. Ein erbitterter Kampf gegen die Nazis eint erneut die Welt.

Was lange gärt, wird endlich gut?

Originaltitel Sky Sharks
Jahr 2020
Land Deutschland
Genre Science-Fiction, Actionkomödie
Regie Marc Fehse
Cast Dr. Klaus Richter: Thomas Morris
Angelique Richter: Barbara Nedeljakova
Diabla Richter: Eva Habermann
Mayor Frost:​ Tony Todd
Michael Morel: Cary-Hiroyuki
Natalie Rochefort: Naomi Grossman
Sidney Scott: Lar Park-Lincoln
Kifo Mleta: Dave Sheridan
Marjorie Phelps: Amanda Bearse
Padre Rodriguez: Robert LaSardo
Laufzeit 102 Minuten
FSK
Kinostart: 26. August 2021

Sky Sharks erblickte mit einem ersten Teaser bereits 2016 das Licht der Welt. Im Fahrwasser der beliebten Low-Budget Perlen Sharknado und dem Crowdpleaser Iron Sky, der auf eine Fortsetzung kam, verwundert es nicht, dass die Zielgruppe einen Mix aus vielen Genres enthalten sollte. Der damalige Trailer versprach Zombies, Nazis, Blut, trashige, sich nicht ernstnehmende Situationen – und eben fliegende Haie. Die Internetgemeinde sprang schnell darauf an und freute sich diebisch. Leider sollten noch vier Jahre vergehen, ehe Marc Fehse Budget und Studio finden sollte. Insgesamt hat er mit dieser „kleinen“ Lebensaufgabe mehr als sechs Jahre verbracht. Die Welt dreht sich bekannt weiter und Trends kommen und gehen. Daher ist die Frage, ob der Film sein Publikum erreicht, nicht nur berechtigt, sondern ebenso spannend zugleich.

Die Idee und Cast sind ein Genre-Genuss

Vorweg sei verraten, Zuschauer*innen, die Klassiker wie Schindlers Liste oder Das Leben ist schön als favorisierte Kost betrachten, sind nicht die Fokusgruppe und werden nichts mit der Produktion anfangen können. Eventuell schrammt Sky Sharks sogar an einigen Fans splattriger Komödien vorbei. Ob man es glauben mag oder nicht: Unter all dem Nonsense und Trash hinter dem Film verbirgt sich eine grandios-bissige Satire. Es fängt alleine bei der Auswahl des Casts an. Es darf die Frage gestellt werden, wie oder was den Darstellern versprochen wurde, um hierbei mitzumachen. Vielleicht reagierten aber auch alle wie Samuel L. Jackson in der Legende rund um Snakes On A Plane: Drehbuch lesen? Habt ihr die Executive Summary gelesen? Nazi-Zombies! Auf. Fliegenden. Riesenhaien. Mit. Lasern! Das reicht um zu unterschreiben. So könnte es gelaufen sein.

Ex-Erotiklichtgestalt, Theaterveteranin, Geschäftsfrau, Kinderbotschafterin und nun der wohl heißeste und brutalste Nazi-Zombie

Jeder, der seine Pubertät in den 90ern erlebte, bekommt glänzende Augen und vermutlich mehr als nur schwitzige Handflächen bei dem Namen Michaela Schaffrath. Kaum eine Erotikdarstellerin prägte so kurz und so stark die Branche wie sie – für Fans wohl auf ewig als Gina Wild in Erinnerung. Ihr Rückzug aus der Branche brachte die Taschentuchindustrie kurz in die Bredouille, doch die wohl bekannteste ausgebildete Kinderkrankenschwester zeigt schauspielerisches Talent. Insbesondere am Theater beweist sie regelmäßig ihr Können. Ihre Rolle als Oberzombie, ein, ja man kann es nicht anders formulieren, scharfer weiblicher Zombie-Nazi-Endgegner in verführerischem Lederkostüm, entspringt direkt dem Fetischladen des Vertrauens. Zuschauer*innen grinsen sich einen ab. So gekonnt kann man nicht mit Erwartungen und Image spielen. Als ob das nicht schon ein Highlight genug wäre, präsentiert Sky Sharks beliebte Schauspieler*innen, die vielen schlicht in ihren ikonischen Rollen im Gedächtnis präsent sind, als absurd überzeichneten Figuren.

Ein Komiker im Kampf gegen Volksverblödung und die Bedrohung von Rechts

Oliver Kalkofe, bissiger Satiriker und seit gefühlt 1933 dabei, die braune Brut ad absurdum zu führen, spielt Hermann Göring. Einen Vollblut-Nazi, der 1941 die „Endlösung der Judenfrage“ in Auftrag gab. Herrlich schleimig, großkotzig und überzogen gespielt wie die dekadente Lebenseinstellung des Subjekts. Lebewesen kann man es ja kaum nennen. Kalkofes Rolle ist on point, dabei herrlich ironisch und führt in nur kurzer Screentime die komplette „Nazifrage“ ins berechtigte Lächerliche. Und es geht so weiter. Amanda „Du bist ein Huhn!“ Bearse spielt die deutsche Kanzlerin, Tony „Candyman“ Todd ist der toughe Generalmajor der US-Streitkräfte, Barbara Nedeljáková kennen die meisten aus Hostel und Doom. Ralf Richter ist… Ralf Richter. Essener Proll-Erklär-Bär. Einfach nur herrlich.

Der Star des Films und WTF-Momente nutzen sich ab

Es stellt sich schnell beim Überfliegen des Filmposters und der Zusammenfassung heraus, dass der Cast in Sky Sharks und dessen ausführenden Rollen alleine ein perfekter Gag sind und für groteske Momente in dem 104-minütigen Streifen stehen. Die Hauptfigur, Diabla, gespielt von Eva Haberman, geht leider etwas im Zuge des irrwitzigen Ablaufs der Skurrilitäten unter. Gegebenenfalls auch, weil die Figur zu ernst, zu steril in der Videoclipästhetik dargestellt wird. Marc Fehse bürdet der Figur auf, die Story von Einfall zu Einfall zu tragen und das gelingt in permanenter Videoclipästhetik und donnerndem Techno-Einsatz nur bedingt. Der Einstieg in den Film, mit einer wohl Instant-Kultszene in Splatter-Kreisen, hat es in sich. Hierin beweist der Regisseur, dass er sich 2012 bei der Zusammenarbeit mit Olaf Ittenbach an Legion of Dead in der VFX-Abteilung das Beste abgeguckt hat. Jeder Fan der Zunft hat hieran seine helle Freude und hofft (vergeblich) auf durchgetretenes Gaspedal. Fehse verliert sich mit zunehmender Spieldauer in einer eh schon minimalistischen Story und schafft nur dank grandiosem Cast und einzelner Szenen, Zuschauer*innen bei Laune zu halten. Hierbei sei das Stichwort „Frog Slayer“ zu erwähnen. Einen größeren „Was zum…“-Moment wird es wohl nach fliegenden Haien nicht geben. Es sollte hierzu eine Petition geben, dies umzusetzen. Ein Erfolg ist garantiert!

Dead Flesh Four – Dead For Pacing

Insbesondere die erste Hälfte des Filmes, mit den meisten herrlichen Einfällen, weiß dem Publikum zu gefallen. Mit Einsatz und Start der ultimativen Task Force „Dead Flesh Four“ gegen die ultimativen Nazis hoffen Zuschauer*innen vielleicht zu sehr, dass der Film die anfängliche Geschwindigkeit erneut aufnimmt. Fehse bleibt bei Sky Sharks durchwegs seiner Linie treu und das schlägt immer wieder mit durch. Die durchgehende Ästhetik eines Rave-Videoclips im Stile von Marusha der frühen 90er verstört eher. Die blutigen Überfälle der Zombies und fliegenden Haie sind und bleiben das „Hailight“ und erfreuen das Herz der (Trash-)Fans. Dennoch kann man nicht verschweigen, dass speziell Eva Habermann und Barbara Nedeljakova zu einem, zugegeben super anzusehenden, austauschbaren Eye-Candy verkommen und dem Film im Mittelteil die erzählerische Puste und Geschwindigkeit ausgeht.

Fazit

Sky Sharks ist keine Mogelpackung. Ehrlicher Schwachsinn gepaart mit blutig-komischen Szenen, in denen die Schauspieler*innen und ihre Wahrnehmung der Außenwelt für die besten Lacher und Satire sorgen. Marc Fehse hat seinem Film mit dem Cast einen Stempel aufgedrückt, der als eine Persiflage des Rechtsrucks in Europa und auf der Welt verstanden werden kann – aber bei Weitem nicht muss. Haie gehen immer noch und die eingehende Frage „Was lange gärt, wird endlich gut“ muss jeder für sich und seine Vorlieben beantworten. Trash- und B-Movies haben eine loyale und treue Fanbase, die laut urbaner Legendenbildung offen für trashigen Humor ist und kein hohes Budget benötigt, und mit wenig zufrieden ist. Als Fehse sich anno 2017, während des Crowdfundings zum Film, Oliver Kalkofe mit ins Boot holte, war die grandiose Sendereihe SchleFaZ auf Tele5 bereits ein Publikumserfolg. Zuschauer*innen merken, dass hierbei punktuell, überlegt und zielgerichtet der Cast reingeholt wurde. Das funktioniert in vielen Augen vielleicht sogar brillant. Denn große Fans von SchleFaZ, Tierhorrortrash und Sharktopus vs Whalewolf lieben sie. Eine rein objektive Meinung ist schwierig bis schier unmöglich. Splatter-Freunde werden bedingt zufriedengestellt, für Trash stecken zu viel Ambition und gewollte Parodie dahinter, für eine Komödie sind einige Darsteller*innen und Untertöne zu ernst. Als Experiment darf das Publikum den Film als gelungen ansehen und das Werk wird in vielen Wohnzimmern Einkehr halten um sein Publikum unterhalten. Himmel, es ist Trash! Welchen Anspruch haben wir, die Fans? Genau! Nazi-Zombies! Auf. Fliegenden. Riesenhaien. Mit. Lasern! Und. Prähistorische. Riesenfrösche.

© MFA

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