Rogue One: A Star Wars Story

Es gab eine Zeit, da wucherte Star Wars in Trilogien weiter. Seitdem Disney das Ruder übernommen hat, gibt es auch Konzept der Star Wars Story. Ein für sich stehender Film, der im Star Wars-Universum angesiedelt ist, aber mit dem Handlungsfaden der Trilogien nur am Rande zu tun hat. Rogue One ist der erste Versuch in diese Richtung, Solo: A Star Wars Story der zweite. Vermutlich werden noch einige folgen. Thema von Rogue One: Ein winziges Detail im großen Star Wars-Erzählbogen. Wie kamen die Rebellen an die Pläne für den Todesstern, die Prinzessin Leia in Episode IV mit sich führt? “Viele Menschen sind dafür gestorben.” Aus Leias kurzem Satz macht Regisseur Gareth Edwards (Godzilla) einen ganzen Film, der Star Wars-Folklore mit harter, düsterer Spionage-Action verbindet.

   

Seit fünf Jahren herrscht das Imperium brutal über die Galaxis. Der Wissenschaftler Galen Erso (Mads Mikkelsen, Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit) hat sich mit Frau und Kind auf einen einsamen Planeten zurückgezogen, um nicht der Diktatur dienen zu müssen. Aber sie holt ihn ein, in Gestalt des imperialen Offiziers Orson Krennic und seiner Schergen. Sie erschießen Ersos Frau und verschleppen ihn in die Forschungslabors des Imperiums. Entkommen kann nur seine kleine Tochter Jyn, denn in weiser Voraussicht hatte Erso seinen alten Bekannten, den Rebellenführer Saw Gerrera (Forrest Whitaker, Black Panther) gebeten, sich im Notfall um das Kind zu kümmern. Fünfzehn Jahre später gelingt es dem immer noch gefangenen Galen Erso, einem Deserteur eine Nachricht an Saw Gerrera mitzugeben. Darin schildert er, dass er gezwungen wurde, an der Entwicklung des Todessterns mitzuarbeiten, aber bewusst eine Schwachstelle eingebaut hat, mithilfe derer die planetenzerstörende Raumstation ausgeschaltet werden kann. Saw Gerrera ist jedoch mittlerweile zum paranoiden Radikalen geworden, der sich vom Rest der Rebellen abgespalten hat und auch den Überbringer der Botschaft für einen imperialen Agenten hält. Die Rebellen treten an Gerreras Ziehtochter, die mittlerweile erwachsene Jyn Erso (Felicity Jones, Inferno) heran, um einen Kontakt zu dem ehemaligen Kampfgefährten herzustellen und etwas über Galen Ersos Nachricht zu erfahren. Obwohl Jyn von der Rebellion zutiefst desillusioniert ist, beschliesst sie, sich mit dem Spion Cassian Andor (Diego Luna, Elysium) und dem umprogrammierten imperialen Droiden K-2SO auf den Weg zu Saw Gerrera zu machen, um mehr über die Nachricht ihres Vaters zu erfahren. Unter Beschuss durch das Imperium, das das Informationsleck bemerkt hat, aber auch durch die Rebellen, die Galen Ersos Tod planen, gelingt es ihr, erst Gerrera, dann ihren Vater zu treffen und die Stücke des Informationspuzzles zusammenzusetzen: Der Todesstern hat eine Schwachstelle. Die ist in den Bauplänen eingezeichnet. Die Baupläne befinden sich in einem imperialen Stützpunkt auf dem Planeten Scarif. Von jetzt an ist der Plan ganz einfach. Eine imperiale Raumfähre kapern, nach Scarif fliegen und die Pläne stehlen. Ein Himmelfahrtskommando, aber auch ein Funken Hoffnung …

Star Wars in Grautönen

Originaltitel Rogue One: A Star Wars Story
Jahr 2016
Land USA
Genre Science-Fiction
Regie Gareth Edwards
Cast Jyn Erso: Felicity Jones
Captain Cassian Andor: Diego Luna
K-2SO: Alan Tudyk
Direktor Orson Krennic: Ben Mendelsohn
Chirrut Îmwe: Donnie Yen
Baze Malbus: Jiang Wen
Bodhi Rook: Riz Ahmed
Saw Gerrera: Forest Whitaker
Galen Erso: Mads Mikkelsen
Bail Organa: Jimmy Smits
Laufzeit 133 Minuten
FSK

Seit vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis ein Bauernbursch auszog, um eine Prinzessin aus den Klauen eines schwarzen Ritters zu befreien, hatte Star Wars stets einen naiven, märchenhaften Einschlag. Und so wunderte es 1977 nur die Zyniker, dass der Todesstern, die ultimative Waffe des bösen Imperiums eine so praktische Schwachstelle hatte, dass ein Held ihn mit einem gezielten Schuss in die Luft jagen konnten. Drachen haben ja traditionellerweise auch eine weiche Stelle am Bauch, sonst kämen Drachentöter nie zum Zuge. Knapp 40 Jahre später will Rogue One: A Star Wars Story es genau wissen. Wer hat das konstruiert und warum? Woher wussten die Rebellen, welches das wichtige Detail im Bauplan war und wie kamen sie an die Pläne, die in Eine neue Hoffnung als Handlungsmotor dienen? Und waren die Rebellen wirklich so edelmütig und idealistisch, wie sie bisher immer aussahen? Nein, waren sie nicht. Was bei Star Wars bisher immer hübsch und fantasylastig schwarz und weiß war, die Kräfte des Lichts und die dunkle Seite, das ist in Rogue One in vielen Grautönen schattiert. Die Rebellen sind zerstritten und vom langen Kampf gegen eine übermächtige Diktatur gezeichnet. Jahrzehntelange Gefahr hat sie skrupellos und manipulativ gemacht, sodass sie ausgerechnet den Mann umbringen wollen, der ihnen die rettende Information zukommen lässt, um für seine Schuld zu büßen. Die nachwachsende Generation, also Jyn und Cassian, ist im Bürgerkrieg aufgewachsen und zutiefst desillusioniert. Saw Gerrera, der in Star Wars: The Clone Wars noch einer von den Guten war, ist mittlerweile so isoliert, gewaltbereit und paranoid, dass er den Deserteur, der ihm im Glauben, endlich das Gute und Richtige zu tun, Galen Ersos Botschaft überbringt, erst einmal einer Prozedur zwischen Folter und Gehirnwäsche unterzieht. Seine Atembeschwerden, die ihm eine Atemmaske und röchelndes Luftschnappen bescheren, rücken ihn auch filmsprachlich in die Nähe des Erz-Schurken Darth Vader.

Mission: Findet das Dingsda

Der Streifzug durch die trüben Gewässer der Rebellion dauert etwa bis zur Hälfte des Films. Dann schlägt die Stimmung um. Als klar wird, was getan werden muss, findet Jyn ihren Idealismus wieder und die Hoffnung auf einen Silberstreif am Horizont lässt die zerstrittenen Rebellen eine gemeinsame Aktion planen. Von jetzt an wird gerannt, geschossen, geflogen, geklettert ohne sich über moralische Grauzonen, seelische Verletzungen oder Entscheidungsqual groß einen Kopf zu machen. Von jetzt an bietet der Film auf, was ein Star Wars-Film an Eye Candy einfach haben muss. Raumschiff flitzen durchs All, AT-ATs stapfen durch Palmenhaine, Sturmtruppler machen ihren Job als Kanonenfutter. Dazwischen hat das Grüppchen der Bauplandiebe mit ganz kleinen Problemen zu kämpfen, die unter Beschuss riesengroß werden. Ein Kabel einstöpseln. Eine Schachtel finden und von hier nach da bringen. Einen Schalter umlegen. Eine Datei hochladen. Und natürlich schaffen sie es. Und dann sind sie alle tot. Der sarkastische Android. Der Deserteur, der das Richtige tun wollte. Der blinde Kämpfer mit dem mystischen Draht zur Macht. Das Pärchen, das den ganzen Film hindurch für eine Liebesgeschichte überhaupt keine Zeit hatte und jetzt für einen kurzen Moment an einem tropischen Strand ein Happy End erleben darf. Bis Sekunden später das tragische Ende hinterherkommt.

Die Milch ist immer noch blau, aber die Sturmtruppen sind schwarz

Optisch und vom Figurenarsenal her wandert der Film auf dem schmalen Grat, den allen späteren Ergänzungen eines traditionsreichen Franchise beschreiten müssen. Zeigt man nur das Gleiche wie bisher, ist es langweilig. Führt man zu viel Neues ein, fremdelt das Publikum. Dafür hat man jede Menge Material für Insiderscherze. Fans freuen sich sicher darüber, dass Galen Ersos Versteck aussieht, als seien Luke Skywalkers Adoptiveltern von Tatooine nach Island umgezogen. Selbst blaue Milch steht dort auf dem Küchentisch. Dass es jetzt eine Eliteeinheit der Sturmtruppen gibt, deren Rüstungen von weiß auf schwarz umgespritzt wurden, macht sich sehr schön, besonders wenn einer von ihnen ein weißes Sturmtrupplerpüppchen aufhebt, dass wohl der kleinen Jyn Erso gehört. Die Rolle des lustigen Roboters geht diesmal nicht an C-3PO, sondern an ein schwarzes Imperiumsmodell namens K2-SO, das seit seiner Umprogrammierung einen eigenen Willen und jede Menge Sarkasmus entwickelt hat. Und im Gegensatz zu dem tüddelig-unpraktischen C-3PO sehr gezielt und effektiv ins Geschehen eingreifen kann. Der unverzichtbare Part des weisen Jedimeisters müsste zu diesem Zeitpunkt des Geschehens eigentlich unbesetzt bleiben, denn alle Jedi sind tot oder verschollen. Dafür gibt es den blinden Kriegermönch Chirrut Îmwe (Donnie Yen, Ip Man), der zwar kein Jedi ist, aber sich der Macht durch Glauben, Meditation oder was auch immer so weit genähert hat, dass er auch ohne Augenlicht mit seiner Kampfkunst jegliche Gegner wegfegen kann. Was, ehrlich gesagt, um Lichtjahre cooler aussieht als irgendeiner der Skywalkers mit einem Laserschwert.

Die dunkle Seite bleibt dunkel

Ganz traditionell gibt sich die dunkle Seite. Da bekommt keiner einen aufhellenden Grauschimmer, auf der dunklen Seite ist und bleibt man böse. Das ist okay so, denn das Imperium ist der schwarze Hintergrund, vor dem sich alle wichtigen Konflikte der Gegenseite abspielen. Da noch zu differenzieren und zu schattieren würde die Handlung in eine ganze andere Richtung lenken. Orson Krennic (Ben Mendelsohn, Ready Player One) macht einen ordentlichen, wenn auch wenig bemerkenswerten Job als Schurke der Woche. Wilhuff Tarkin, der Mann mit dem stechenden Blick und den spitzen Wangenknochen, der einst von Peter Cushing (Dracula) verkörpert wude, ist dank CGI und Motion Capture fast genauso ausgezehrt und unerbittlich wie Cushing im Jahre 1977, aber eben auch nichts anderes. Und Darth Vader ist einfach Darth Vader. Zu Recht, denn Darth Vaders menschliche Seite hervorzukitzeln hat bisher immer die schwächsten Momente von Star Wars generiert. In Rogue One ist Darth Vader ein ganz eindimensionaler Buhmann, aber ein verdammt eindrucksvoller. Selbst 40 Jahre Darth Vader-Witze können seiner düsteren Leinwandpräsenz nichts anhaben.

Fazit

Star Wars bedient sonst immer die innere 12-Jährige in mir. Laserschwertkampf und lustige Droiden, ferne Welten, Aliens, Weltraumschlachten. Rogue One ist der erste Film des Franchise, bei dem ich mich als erwachsene Zuschauerin ernst genommen fühle. Schade eigentlich, dass die Handlung einen so definitiven Endpunkt hat, das hinterher nichts weiter kommen kann, außer Star Wars Episode IV. Aber das hat die die Storyentwickler bei Disney nicht weiter gestört, sondern dazu animiert, eine Prequel-Serie zu konzipieren. Thema: Die Abenteuer des Rebellenspions Cassian Andor. Also ein Wiedersehen mit Diego Luna, dem das Label “so ein netter Kerl” quasi auf der Stirn klebt. Jede Menge Gelegenheit, seine Figur auf Missionen zu schicken, wo der so nett wirkende Kerl Befehle befolgen und sich die Hände schmutzig machen muss, bis er zu dem abgebrühten Agenten mit dem gerade noch flackernden Funken Idealismus wird, der er in Rogue One ist. Ich bin gespannt.

© Walt Disney Studios Motion Pictures

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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