Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot

Lesezeit: 5 Minuten

Wie heißt es so schön: Wer heiratet, heiratet immer eine Familie mit. Blöd nur, wenn diese sich als gar nicht so sympathisch wie der/die Angetraute erweist. So ist das im Falle von Grace (Samara Weaving, The Babysitter) in Ready Or Not. Denn wie sich herausstellt, muss jedes neue Familienmitglied erst einmal mit der neuen Sippschaft ein Spiel spielen. Klingt harmlos, hat es aber in sich. Das Regieduo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett (V/H/S) zaubert aus einem einfachen Spielprinzip eine schwarzuhumorige Horrorkomödie. Sobald die Hetzjagd eröffnet ist, fließt das Blut auch schon in Strömen. Eine mordsmäßige Gaudi, elegant eingefangen, und eine Handlung, die einen Haken nach dem nächsten schlägt. Samara Weaving ist die coolste Braut, die das Kino seit langem gesehen hat!

   

Es ist der schönste Tag im Leben! Grace gibt ihrem Bräutigam Alex (Mark O‘Brien, The Darkest Minds) das Ja-Wort. Doch schon während der Zeremonie auf dem Anwesen der steinreichen Familie Le Domas bemerkt Grace einige seltsame Familienmitglieder, die ihr äußerst unfreundlich erscheinen. Als die Uhr Mitternacht schlägt, wird Grace Teil eines alten Familienrituals. Denn die durch Spiele reich gewordene Familie hat es sich zu Tradition gemacht, jedes neue Familienmitglied erst einmal zu einem Spiel antreten zu lassen. Niemand darf diesen seit Generationen gepflegten Brauch hinterfragen. Die Zufallswahl fällt schließlich auf Verstecken. Die irritierte Braut erhält einen kleinen Zeitvorsprung, um sich irgendwo in dem riesigen Haus zu verstecken und bis zum Morgengrauen nicht gefunden zu werden. Die Regeln: Wer die Braut findet, darf sie töten! Was Grace für einen schlechten Scherz hält, wird zu einer nervenzehrenden Tortur …

Prunk und Pracht, Armbrust und Gewehr

Originaltitel Ready or Not
Jahr 2019
Land USA
Genre Horror, Thriller, Komödie
Regisseur Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Cast Grace: Samara Weaving
Daniel: Adam Brody
Alex: Mark O’Brien
Tony: Henry Czerny
Becky: Andie MacDowell
Helene: Nicky Guadagni
Charity: Elyse Levesque
Laufzeit 95 Minuten
FSK

Ready Or Not startet mit einem 30 Jahre zuvor angelegten Prolog, welcher dem Zuschauer schon einmal ein Bild dessen vermittelt, was er zu erwarten hat: Eine blutige Hatz auf Leben und Tod. Zu diesem Zeitpunkt besitzt das Publikum bereits einen Wissensvorsprung, denn Grace muss erst noch Spaß und Ernst trennen lernen, ehe das Blutbad eröffnet wird. Für das passende Ambiente sorgt eine prunkvolle Kulisse mit vielen Zimmern, Speiseaufzug und versteckten Geheimgängen – ein Traum für alle Versteckspieler dieser Welt, Chance und zugleich Risiko für Grace. Denn ihre Widersacher kennen die Villa verdammt gut, während sie als Familienneuling relativ unbedarft durch das Szenario stolpert. Der blutgeile Mob besteht darüber hinaus ausschließlich aus affektierten und schrulligen Figuren, die einem gewollt derart unsympathisch sind, dass der Zuschauer sie einfach nur noch leiden sehen möchte. Allen voran die giftige Tante Helene (Nicky Guadagni, Silent Hill), die ach so freundliche Mutter Becky (Andie MacDowell, Und täglich grüßt das Murmeltier) sowie Familienoberhaupt Henry Czerny (Revenge). Das Waffenarsenal der Familie ist mannigfaltig und vermittelt einen nachhaltigen Eindruck von der geschichtslastigen Jagdlust des Clans.

Es wird diabolisch

Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett würden sich nicht einfach damit zufrieden geben, dass in Ready Or Not einfach nur ein Spiel auf Leben und Tod gespielt wird. Stattdessen wird eine teuflische Gesellschaftssatire aufgefahren, welche in überspitzte Form Unsympathen noch unfreundlicher erscheinen lässt. Menschen, denen Konsum, Macht und Gier zu Kopf gestiegen sind, sodass sie gar nicht mehr klar denken können. Vielleicht auch mit einem Schuss Realität, denn die nervige Tante hat sicher jeder Zuschauer schon einmal irgendwo erlebt. Das macht es umso einfacher, die Feindbilder leiden sehen zu wollen. Dafür ist dem Drehbuchteam auch kein Scherz zu schlecht, denn für ein möglichst blutiges Spektakel wurden allerhand fiese Ideen entwickelt. Selten nimmt sich dabei irgendwer wirklich ernst, denn der schwarze Humor schwebt immer über den Dingen und lässt alles auf eine angenehme Weise albern erscheinen. So verwundert es nicht, dass die ersten Morde sogar ganz ungewollt geschehen und mit der Zeit immer grotesker werden.

Von der Braut zur Assi-Braut

Ähnlichkeiten zu Adam Wingards You’re Next sind nicht von der Hand zu weisen. Auch dort wächst eine harmlose Frau über sich hinaus und krempelt den Spieß gehörig um. In Ready Or Not funktioniert das Sympathisieren mit der Hauptfigur sogar noch ein wenig besser, da Grace eine derart augenzwinkernde Figur ist, dass man Samara Weaving in dieser Rolle einfach nur lieben kann. Ihre Rolle bringt etwas Unbedarftes mit sich und entwickelt mit der Zeit – und angesichts der Tatsache, dass es ans Eingemachte geht – einen bitterbösen Sarkasmus, der sie zu Höchstleistungen antreibt. Auf Seiten der Familie Le Domas bleibt zumindest die Frage spannend, ob wirklich alle nach Graces Leben trachten oder sich jemand auf ihre Seite schlägt. Noch viel mehr: Was geschieht eigentlich, wenn die Braut bis zum Morgengrauen nicht aufgefunden wird? Nimmt das Schicksal der Familie dann seinen Lauf?

Fazit

Ready Or Not ist ein solider Horror-Thriller, der vor allem Spaß macht. Trotz des Blutbads ist die Satire immer herrlich-leicht anzusehen, da die Hauptfigur Grace über sich hinaus wächst und die Satire immer dominiert. Nicht verzeihlich sind einige Entscheidungen des Drehbuchs, welche das Finale unerwartet langweilig ausfallen lassen. Denn ausgerechnet die Oberbösewichte will man doch lieber durch Grace sterben sehen als durch die Konsequenzen eines Fluchs. Das mildert dann leider auch das Gesamtbild ab. Wofür gibt es so viele Waffen, wenn sie beinahe nur bei Zufallsopfern zum Einsatz kommen? Das Drehbuch hätte sich einen großen Gefallen getan, auf diesen Twist zu verzichten oder ihn zu vereinfachen. Sieht man davon einmal ab, warten 95 tierisch kurzweilige Minuten voller blutrünstiger Skrurrilitäten und dank des verwinkelten Hauses auch so einige Cluedo-Momente.

© 20th Century Fox of Germany

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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