Play or Die

Kann man mal machen: Wenn die Ex-Freundin vor der Türe steht, direkt mal einen Escape Room besuchen. Der Ausgangspunkt des belgischen Horrorfilms Play or Die von Jacques Kluger gibt Fragen auf, aber irgendeinen Vorwand braucht es ja, um ein vorbelastetes Charaktergespann in einen brandneuen und gefährlichen Abenteuerraum zu schicken. Was dabei herauskommt, ist weder sonderlich ambitioniert, noch herausragend: Am liebsten wäre der Titel eine Mischung aus Saw und Escape Room, bringt aber nicht genügend Qualitäten mit, um sich auch nur annähernd in deren Nähe zu begeben.

Ein seltsamer Moment, wenn die Ex einfach wieder da ist und etwas möchte. Auch für Lucas (Charley Palmer Rothwell, Dunkirk), der gar nicht mit Chloe (Roxane Mesquida, Now Apocalypse) gerechnet hat. Die Zusammenkunft soll in einem neuartigen Escape Room namens “Paranoia” gefeiert werden. Schließlich sind beide Puzzle-Freaks und in ihrer einstigen Beziehung wäre die Rätselei ein großes Thema. Beide fallen früh wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurück. Gemeinsam besuchen sie eine Rave-Party, anschließend geht es in eine alte Psychiatrie, wo das gefährliche Spiel mitsamt drei ebenfalls interessierten Mitspielern bereits auf sie wartet. Eine Million Euro winkt als Ziel …

Nur eine schnelle Kopie von Escape Room?

Originaltitel Play or Die
Jahr 2019
Land USA
Genre Horror
Regie Jacques Kluger
Cast
Lucas: Charley Palmer Rothwell
Chloé: Roxane Mesquida
Naomi: Marie Zabukovec
Jablowski: Thomas Mustin
Maxine: Daphné Huynh
Laufzeit 89 Minuten
FSK unbekannt
Veröffentlichung: unbekannt

Als Sony Pictures Anfang 2019 mit Escape Room einen flotten Rätsel-Thriller veröffentlichte, glaubten die Verantwortlichen wohl selbst nicht daran, dass der Film ein solch einschlagender Erfolg werden würde. Schließlich ist das Prinzip nicht neu und wurde bereits Ende der 90er von Vincenzo Natali mit Cube aufs Zelluloid gebracht. Vielleicht scheint die Zeit also einfach gekommen zu sein, haben sich Escape Rooms doch längst als Freizeitspaß für kleinere und größere Runden etabliert. Wenig verwunderlich also, dass dann auch ähnlich gelagerte Titel nicht lange auf sich warten lassen. Ein solcher ist Play or Die, dessen Titel zumindest für sich spricht und auch schonmal eine Ansage darstellt. Ganz so plump wurde aber nicht einfach kopiert, sondern eine Romanvorlage verfilmt. Das zu Grunde liegende Werk heißt Puzzle und stammt von dem französischen Autoren Franck Thilliez. Womit auch schon einmal der Kreis zum frankophonen Belgien geschlossen ist.

Zumindest die Kulisse hat Stil

“Paranoia” ist einer jener Escape Rooms, die eine Kulisse bieten, die jedem Spieler das Blut in den Adern gefrieren ließe: Wo man sonst in liebevoll gestalteten Räumen spielt, ist dies eine Kulisse mit besonders viel Flair. Die Räume besitzen gefährliche Fallen, aber bei dem Siegerpreis von einer Million Euro wollen schließlich auch Opfer gebracht werden, oder? Angesichts der Tatsache, dass drei weitere Teilnehmer auf dem Spielfeld stehen, lässt sich erahnen, dass diese genau für das existieren, was Zuschauer von einem solchen Titel erwarten: Opferblut, erwartungsgemäß plakativ und reißerisch in Szene gesetzt. Viel unterscheidet das Kanonenfutter allerdings nicht von den beiden Protagonisten. Lucas und Chloe bleiben als Gespann bis zum Ende unterentwickelt. Umso fraglicher, weshalb nun eine Reunion des Paares stattfinden musste. Als Zuschauer wird man ständig an den seltsamen Beigeschmack erinnert, den die Chemie dieses Duos ausmacht.

Schwanensee, Dreck und abstruse Rätsel

Die Rätselaufgaben könnten der Handlung immerhin eine spielerische Note verleihen und die Zuschauer zum Mitdenken auffordern. Lucas ist allerdings viel zu smart für dieses Spiel und so sind im Handumdrehen auch schon die meisten Aufgaben gelöst. Da ist selbst der Score mitreißender, der gar nicht einmal den schlechtesten Eindruck hinterlässt und mit Tchaikovskys “Schwanensee” ein populäres Motiv beinhaltet, welches den Weg zum Ziel begleitet. Visuell ist Play or Die meilenweit von einem Hochglanz-Thriller wie Escape Room entfernt. Die Ausstattung beider Filme lässt sich kaum vergleichen und alleine schon aus budgetären Gründen schlagen beide Titel unterschiedliche Richtungen ein. Jacques Kluger ist rauher und dreckiger; in Bildern wie Gewaltdarstellung. Viele andere Optionen bleiben ihm auch nicht: Wenn es hier etwas herauszuholen gibt, dann Gewalt-Eskapaden, denn in allen anderen Belangen versagt die Produktion.

Fazit

Fade Charaktere, haarsträubende Drehbuchentscheidungen und vorhersehbare Entwicklungen machen Play or Die zu einem Film, den man auslassen sollte. Egal, welcher Aspekt auf den ersten Blick als interessant empfunden wird: Es gibt immer eine bessere Alternative. Ob die besagten Titel Saw und Escape Room oder aber auch Nerve für den Spielfaktor bzw. Would You Rather für den verspielten Party-Fußabdruck. Anstatt die Zeit mit diesem Film zu verschwenden, könnte man lieber selbst eine Runde Mensch ärger dich nicht spielen und hätte selbst ohne Mitspieler immernoch mehr Vergnügen als mit diesen 89 Minuten.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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