Odd Thomas

Meistens ist es in Filmen nicht von Vorteil, Geister sehen zu können. In Odd Thomas sieht die Lage schon wieder ganz anders aus: Der Protagonist Odd Thomas (so sein tatsächlicher Name, der einem Schreibfehler auf der Geburtsurkunde entspringt) kann mit den Geistern Toter kommunizieren und ahnt bevorstehendes Verderben voraus. Klingt dramatisch, doch Stephen Sommers (Die Mumie) Film ist als geisterhafte Detektiv-Geschichte ausgelegt und entspringt dem Roman des amerikanischen Autors Dean Koontz.

   

Odd Thomas (Anton Yelchin, Green Room) ist Koch eines Schnell-Imbiss und verfügt über übersinnliche Fähigkeiten. Nicht nur kann er mit den Seelen Verstorbener sprechen, sondern sieht auch die unheilbringen “Bodachs”, Kreaturen, die für den Normalsterblichen unsichtbar sind und sich vom Leid der Menschen nähern. Wo immer sie auftauchen, ist eine Katastrophe nicht weit. Eines Tages tauchen in seiner Heimatstadt gleich mehrere Bodachs auf und Odd Thomas spürt, dass ein Unglück unmittelbar bevorsteht. Zusammen mit seiner Freundin Stormy (Addison Timlin, Für immer Single?) versucht er herauszufinden, was in den nächsten Tagen geschehen wird …

Jugendbuch-Vorlage trifft auf Fantasy-Regisseur

Originaltitel Odd Thomas
Jahr 2013
Land USA
Genre Fantasy, Horror
Regie Stephen Sommers
Cast Odd Thomas: Anton Yelchin
Chief Wyatt Porter: Willem Dafoe
Stormy Llewellyn: Addison Timlin
Officer Bern Eckles: Kyle McKeever
Officer Simon Varner: Nico Tortorella
Laufzeit 100 Minuten
FSK
Seit dem 10. Dezember 2013 im Handel erhältlich

Regisseur Stephen Sommers steht für fantasievolle Filme. Mit seiner Meeresmonster-Geschichte Octalus konnte er 1998 trotz geringen Budgets einen spannenden Film in Szene setzen. Im Jahr darauf gelang ihm mit Die Mumie ein internationaler Erfolg, den er mit dem Nachfolger zu wiederholen versuchten. Doch weder Die Mumie kehrt zurück noch sein Vampir-Spektakel Van Helsing waren von großem Erfolg gekrönt. Auch G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra entpuppte sich nicht als der erhoffte Erfolg.  Mit Odd Thomas konnte er 2013 zumindest kreativ wieder dort anknüpfen, wo er mit Die Mumie aufgehört hatte.  Zu verdanken ist das vor allem der spritzigen Vorlage des Schriftstellers Dean Koontz, der sich gerne zwischen den Genres bewegt. So auch in Odd Thomas: Irgendwo zwischen rasantem Thriller, leichtfüßigem Horror und Teenager Fantasy angesiedelt, will sich die Handlung gar nicht auf eine Sache festnageln lassen. Als klassischer Horrorfilm besitzt die Herangehensweise allerdings viel zu viel Augenzwinkern, weshalb der Film nur bedingt Zuschauern zu empfehlen ist, die auf der Suche nach einem Horrorstreifen sind. Auch als reiner Crime-Titel wäre Odd Thomas ziemlich durchschnittlich. Denn die gestreuten Fährten lassen sich nur zu leicht identifizieren, Hinweise sind offensichtlich und die Auflösung weit davon entfernt, originell zu sein. Und eines wird klar: Das Gesamtpaket funktioniert nur im Genre-Mix.

Eine Welt nimmt sich selbstverständlich

Anthony Yelchin, der sich vor allem als Pavel Chekov in Star Trek – Into Darkness einen Namen gemacht hat, erweist sich als die richtige Besetzung für den allerseits als Freak betrachteten Odd Thomas. Als übersinnlicher Detektiv gibt er eine prima Figur ab, was auch für Willem Dafoe (Der Grüne Kobold in Spider-Man) als Polizist Chief Wyatt Porter gilt, der mal wieder eine wohl gesinnte Rolle spielen darf. Mit dem grenzenlosen Charme, den Odd Thomas an den Tag legt, fällt es nicht schwer, mit den Charakteren zu sympathisieren. Schade nur, dass das Pulver schnell verschossen ist. Denn durchgehende Highlights gibt es nicht. Trotzdem: So seltsam die ganze Erzählwelt auch sein mag, stellt Sommers sie mit soviel Selbstverständlichkeit dar, als müsse sich der Zuschauer eher über sich selbst wundern, wenn er Dinge hinterfragt.

Tempo auf dem CGI-Zug

Visuelle Schauwerte treten eher in Maßen auf: Odd Thomas ist kein Film, der für die große Leinwand gemacht wurde. Zwar sehen die CGI-Monster Bodachs gut animiert aus, doch darüber hinaus hält sich der Film mit aufregenden Special Effects zurück. Vorwerfen kann man Regisseur Sommers nur, dass er Spielereien mit der Zeitlupe überstrapaziert. Was in Matrix noch cool war, kommt hier viel zu häufig zum Einsatz und schrammt manchmal knapp an der Lächerlichkeit vorbei. Doch was soll’s: Bei soviel gut gelauntem Entertainment kann man über solche Kleinigkeiten auch hinwegsehen und viel Zeit zum Wundern bleibt sowieso nicht. Die Story prescht nach vorne, um sich anschließend selbst wieder auszubremsen und dann wieder loszujagen. Im letzten Drittel wurde auch noch der eine oder andere Twist eingebaut, um auch wirklich sicherzustellen, dass dieser Film im Gedächtnis bleibt.

Fazit

Geister, Visionen, Monster, Herzschmerz. Hier ist eine Menge drin. Odd Thomas ist ein kurzweiliger und sympathischer Geister-Film der anderen Art. Wer auf Young Adult Fantasy steht, macht mit diesem Titel rein gar nichts falsch. Schade nur, dass sich der Reiz der Bodachs schnell wieder verliert und die Luft auch relativ wieder raus ist. Trotzdem ein Film, der aus dem Einheitsbrei hervorsticht und einen starken Cast aufweist. Eine schräge Popcorn-Story – nicht mehr und nicht weniger.

© Ascot Elite/Universum Film

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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