Ninja Assassin

Wenn sich die Matrix-Erfinder (Brüder, jetzt Schwestern) Wachowski mit dem Produzenten für Action auf dem (Achtung Wortspiel) Silver Screen – Joel Silver (Stirb Langsam) – und dem Regisseur von V wie Vendetta, James McTeigue, des klassischen Martial Arts-Plots und -Genres annehmen, welch eine stylische Orgie kommt auf den Zuschauer zu, die alles beinhaltet? Berlin, Ninjas, Geheimbunde, Sondereinsatzkommandos, eine Festung und literweise Blut der Feinde eines amoklaufenden Ninjas auf Rachefeldzug, dessen Darsteller Rain in Korea ein beliebter K-Pop Sänger und Model ist?  Die Antwort heißt Ninja Assassin.

   

Raizo, ein Kind, das von seinen Eltern verlassen wurde, wächst beim Ozunu-Clan auf. Dort, fernab aller Augen, bildet der Clan Ninjas aus, oder besser: Attentäter für alle Welt. Die Regeln sind denkbar einfach, wie auch barbarisch. Keine Schwäche, sei der Beste und bestrafe die Schwachen. Kinder werden zu gnadenlosen Killermaschinen herangezüchtet und in den verbotenen Methodiken der Kampfkunst sowie den besonders grausamen und schwierig zu meisternden Seilklingen unterwiesen. Raizō fällt aus der Rolle, denn er hat nicht nur Nachsicht, sondern auch Mitgefühl für eine weibliche Assassine im Clan. So ist seine Flucht in die pulsierende Hauptstadt der Assassinen, Berlin, kein Zufall. Denn der Clan vergisst nicht und sinnt nach Strafe, doch Raizō hat mit Europool Agentin Mika Coretti (Naomi Harris, Fluch der Karibik) und Ryan Maslow (Ben Miles, The Crown) Verbündete während seiner Rache.  

Neues Drehbuch muss her 

Originaltitel Ninja Assassin
Jahr 2009
Land USA
Genre Action, Martial Arts
Regie James McTeigue
Cast
Rizo: Rain
Raizo (Teenager): Joon Lee
Maslow: Ben Miles
Mika: Naomie Harris
Hollywood: Sung Kang
Laufzeit 99 Minuten
FSK

Ninja Assassin kam als Idee der damals Wachowski-Brüder zu Papier. Man sicherte 5,8 Mio. Euro an Förderungen der Deutschen Filmförderfonds und die Dreharbeiten sollten entsprechend in Deutschland, bzw. Berlin und den Filmstudios Babelsberg stattfinden. Matthew Sand schrieb hierzu das Drehbuch zur gesicherten Idee – was jedoch in seiner Urform vernichtend sein musste. Die Wachowskis leiteten es umgehend an J. Michael Straczynski zur Überarbeitung. Zeitlich hatte er nicht viel Zeit, denn man sollte bereits in Kürze anfangen. Innerhalb von 53 Stunden hatte er das Drehbuch umgeschrieben, welches alle zufriedenstellen konnte. Es verwundert im fertigen Film nicht, dass viele Einstellungen einem bekannt vorkommen. Die Wachowskis arbeiteten bereits mit Regisseur James McTeigue zusammen und ihrem Ruf für Ästhetik und wundervolle Slow Motion-Einstellungen wurden sie hier ebenfalls gerecht. Straczynski hingegen ist ein großartiger Schreiber. Er zeigt sich für die hochgelobte Serie Babylon 5 verantwortlich, schrieb für Marvel sechs Jahre die Serie Amazing Spider-Man sowie mehrere Horrorromane. Daher überrascht es nicht, dass man comichafte Elemente und übertriebene Gewalteinstellung in Ninja Assassin wiederfindet. Der gesamte Film wirkt eher wie ein Martial Arts-Comic, das zum Leben erwacht, als ein Film der Shaw Brothers.  

Gewalt, Aggro und alle schieben Optik 

Die Schauspieler, allen voran Rain als Raizō, haben bis auf athletische Einlagen nicht viel zu tun. Zum einen liegt das auch daran, dass Rains Englisch eher schlecht als recht ist und mit Naomi Harris und Ben Miles eher, naja, Charakterdarsteller eingestellt wurden, die auch Action können. Doch alle machen ihre Arbeit solide. Wenn Raizō die Seilklingen und oder Shuriken nutzt, erlebt man den Film 300 immer und immer wieder in einer härteren, dreckigeren Einstellung. Angespannte Muskeln, grimmige Gesichtsausdrücke. Markige One-Liner, ein K-Pop-Sänger, der in dieser Rolle zu überzeugen weiß und die Wachowski-Handschrift sind allgegenwärtig. Man spürt und sieht sie. Literweise fließt das Blut, wenn Raizō sich gegen Horden von Ninjas behaupten muss. Teilweise atemberaubend leise ohne auch nur eine Sekunde zum Luftholen oder polarisierend mit Explosionen im Rücken. 98 Minuten drückt man auf das Gaspedal, teilweise durchgedrückt. Die Körperteile fliegen einem um die Ohren und es ist kein Geheimnis, wie der Klimax eines Martial Arts-Films zu Ende geht. Ein ultimativer Showdown, Gut gegen Böse, wird auch hier nicht fehlen.  Der Kampf gegen Lord erinnert an Jet Lis Romeo Must Die und einer Hommage an Henker des Shogun.  

Gewalt und Optik ist nicht alles   

Ninja Assassin kommt schnell in Fahrt. Kaum zehn Minuten vergehen und die Marschrichtung ist vorgegeben. Hier wird mit harter Action geklotzt, nicht gekleckert. Leider krankt es dem Film an dem, wofür andere ihn ansehen wollen. Die Handschriften mehrerer Größen Hollywoods vereint, ergeben nicht immer ein Epos. Wenn dann auch noch nationale Gegebenheiten (Deutschland als zentraler Handlungsort ist eher undankbar) wie zum Beispiel unsere „Sondereinsatzeinheiten“ nicht genutzt werden dürfen, muss man kreativ werden. Doch genau an diesem Aspekt mangelt es. Was man sieht ist erprobt, solide bis sehr gut – aber auch in gefühlt allen Wachowski- und Silver-Produktionen. Nicht unbedingt besser, das ist unfair gegenüber dem Film. Nur man wird bei jeder Einstellung das schleichende Gefühl eines Déjà-vu s nicht los. Wo habe ich das schon einmal gesehen? So kann man den Film ebenfalls aufnehmen und sich einen angenehmen Abend mit Freunden gestalten. Woher hat man „kopiert“, wo ist die Hommage her? 

Fazit

Ninja Assassin bleiben 98 Minuten Action, die man genießen kann. Wer sich auf eine dünne Geschichte einlässt, sich an asiatischer Kampfkunstästhetik und physikalischen Gesetzen erfreut, wird hier fündig – es ist eine erfreulich harte, übertriebene und überzeichnete Fantasie. Freunde solcher Filme sollten einen Blick riskieren und sich selber eine Meinung bilden.  

© Warner Home Video

 

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