Mortal Kombat

Ein Hinterhof bei Warner Bros. Schummriges Licht. Der Star-Regisseur James Wan, der für SAW, The Conjuring und Aquaman verantwortlich ist, lässt verlauten, dass er die filmische Adaption der Videospiel-Reihe Mortal Kombat als Produzent zurück auf die große Leinwand holen will. Stille. Wurden doch die Filme aus den Jahren 1995 und 1997 von Fans, Zuschauern und Kritikern zum damaligen Zeitpunkt gleichermaßen zerrissen. Mit den darauf folgenden Tweets, dass Wan auch noch der Spielereihe mitsamt Gewalt-Level treu bleiben will, wurde das Reboot offiziell. Der Hype wurde groß und doch hat die weltweite Pandemie Simon McQuoids Mortal Kombat-Reboot als Regiearbeit erschwert. Was bietet Mortal Kombat? „90er Retro-Flair“? Eine beispiellose Gewaltorgie? Eine gelungene Adaption einer ultra-brutalen Spielereihe? Ein Drama mit Tiefgang?

 

Cole Young (Lewis Tan, Wu Assassins) ist ein guter, aber nicht der erfolgreichste MMA-Kämpfer. Was er nicht weiß: Er entstammt der Blutlinie Hasashi. Einem stolzen Dorf und Clan, das durch die Lin-Kuei-Attentäter, angeführt von Bi-Han (Joe Taslim, Warrior), fast ausnahmslos und erbarmungslos ermordet wurde. Der letzte Sprößling wird in letzter Minute von Donnergott Raiden (Tadanobu Asano, Ichi the Killer) gerettet. Hanzo (Hiroyuki Sanada, Wolverine – Weg des Kriegers) schwört ewige Rache an Bi-Han, besser bekannt als Sub-Zero. Jahrtausende später kann Sub-Zero seine Mission vermeintlich beenden und gleichzeitig der Erde den letzten Todesstoß versetzen. Denn in der Gegenwart hat das Reich der Außenwelt neun von zehn Turnieren besiegt, die als „Mortal Kombat“ bekannt sind. Wenn die Erde das zehnte Turnier verliert, wird es nach den Regeln von Outworld erobert. Eine Handvoll Erdlinge stellen sich dem Gegner und bekämpfen sich bis auf den Tod mit allen Mitteln.

Suck my Soul

Originaltitel Mortal Kombat
Jahr 2021
Land USA
Genre Action
Regie Simon McQuoid
Cast Lord Raiden: Tadanobu Asano
Liu Kang: Ludi Lin
Sonya Blade: Jessica McNamee
Cole Young: Lewis Tan
Shang Tsung: Chin Han
Kano: Josh Lawson
Hanzo Hasashi/Scorpion: Hiroyuki Sanada
Bi-Han/Sub-Zero: Joe Taslim
Mileena: Sisi Stringer
Kung Lao: Max Huang
Laufzeit 110 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 22. Juli 2021

Was haben die Fans von Mortal Kombat in den späten 90ern gelitten. Genauer gesagt: Was haben die Freunde von Spieleadaptionen gelitten. Die vorangegangenen zwei Filme des Franchises wurden extrem gemischt aufgenommen und genießen heute, viele Jahre später nicht unbedingt den besten Ruf, Retro-Charme zum Trotz. Als Zuschauer, Fan und Sympathisant verbindet man eher einen kalten Schauer, wenn über die kurze Filmreihe von Mortal Kombat gesprochen wird. Schwankende Qualität darf man durchaus allerdings auch der Spielereihe attestieren. Wo sich jedoch jeder einig ist – Mortal Kombat ist Gewalt. Mortal Kombat zelebriert Gewalt. Das ist der USP – der Unique Selling Point der Reihe. Wenn man diesen außen vor lässt, beraubt man die Reihe ihrer Seele, so wie Shang Tsung seine Opfer. Es bleibt eine leere, skurrile Hülle.

Das Spiel mit dem Feuer: Altersfreigabe bei Warner

Mit Blick auf den schwierigen Kinosommer 2020 und 2021 sowie der grundsätzlichen Altersfreigabe bei ausufernder Gewalt (FSK 18 / SPio JK hierzulande und der R-Rated bzw. NC-17 im US Markt) wurden viele Stirne gerunzelt, ob Mortal Kombat von Newcomer Simon McQuoid den Erwartungen überhaupt gerecht wird oder gar Stand halten kann. Simon McQuoid, bis dato nur ein Werbefilmer, wurde also die Aufgabe anvertraut, ein Filmfranchise im Hause Warner rund um das Mortal Kombat-Franchise aufzubauen. Es darf niemanden verwundern, dass er dies selbst arg schwer fand – und im ersten Schritt den Platz auf dem Regiestuhl ausschlug. Nachdem er jedoch das Drehbuch las, Budget und Aussicht auf insgesamt sechs Filme und eine gewisse Freiheit bei der Darstellung der Gewalt zugesichert bekam, übernahm er schließlich doch dieses Projekt.

Gewalt, oh du herrliche Gewalt

McQuoid lässt den Zuschauer der Vorgeschichte zur Rivalität und dem glühenden Hass zwischen Sub-Zero und Scorpion beiwohnen und lässt sich in den ersten Minuten des Filmes nicht lumpen. Blut, Gliedmaßen, noch mehr Blut und durchchoreografierte Kämpfe, Martial Arts. Die Kämpfe sind kurz, knackig und brutal eingefangen, sodass dieser Einstieg Lust auf mehr macht. Der Schnitt in die Gegenwart hin zur Einführung von Cole Young erweist sich als perfekte Zusammenfassung, warum Spieleadaptionen es schwer haben. Diese Figur ist frei erfunden und existiert im Universum der Spielereihe nicht. Warum man sich einen Charakter hat reinschreiben lassen? Dies vermögen nur das Studio und McQuoid zu beantworten.

Warum eine erfolgreiche Geschichte umändern?

Die Geschichte dient als Bindeglied zu den bekannten Charakteren des etablierten Mortal Kombat-Universums – leider auch fehlplatziert und lieblos erzählt. Wenn es Klischees gibt, an die man in Sachen Martial Arts denkt, findet man diese hier wieder. Auch in der hölzernen Darstellung von Cole. Lewis Tan ist ein gutaussehendes Model, aber schauspielern kann er nur bedingt. Als ausgebildeter Kickboxer und Muay Thai Kämpfer ist er jedoch zumindest in den Kämpfen eine super Wahl. Grundsätzlich kann Mortal Kombat mit den Kämpfen und seinem Look punkten. Dass ein Großteil der Besetzung echte Kampfsportler bzw. Kämpfer sind, merkt man sehr schnell und dadurch wirken die Duelle realistisch und angenehm hart. Es bleibt kein Herz unberührt, wenn endlich der ein oder andere bekannte „Fatality“ ausgepackt wird. Studio und Regisseur haben Wort gehalten. An Gewalt soll es nicht mangeln. Mit Kano, gespielt von Josh Lawson (House of Lies) hat Mortal Kombat einen Bösewicht, der das Herz nie auf dem rechten Fleck trägt und mit losem Mundwerk auftrumpft.

Blutige Kämpfe sind nicht alles

Als Kritikpunkt kann der Zuschauer aufzählen, dass es innerhalb der Handlung kein Turnier gibt und die Protagonisten relativ wild und mit willkürlichen Kräften aufeinander losgehen. Somit gibt es kein klassisches „Mortal Kombat“-Turnier, sondern einen Prolog des eigentlichen Turniers, das erst noch ansteht. Dies kann enttäuschen oder aber den Fan auf die avisierten weiteren Teile hungrig machen. Denn als Auftakt der Reihe dient dieser Mortal Kombat prächtig und hat die Marschrute gradlinig aufgezeigt – Gewalt, Augenzwinkern, cooler Look, stählerne Körper und ein lakonischer sprücheklopfender Kano, der sich als einziger fragt: Warum zur Hölle schreibt ihr eigentlich Mortal Kombat mit K?

Fazit

Mortal Kombat begleitete sicherlich nicht nur einzelne Zuschauer in ihrer Jugend. Diese Spielreihe hat Tabus gebrochen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen vor den Konsolen und Arcade-Hallen gefesselt. Die Messlatte in Anbetracht der vorangegangenen Streifen ist nicht sonderlich hoch. Nur unterschätzen darf man die eingefleischte Gemeinde rund um Games nie! Entweder wird gelobt oder toxisch in den Medien kommentiert und torpediert. Mortal Kombat schafft einen Spagat und schlägt eine Brücke zwischen Fandom und gelegentlichen Kinogängern. Das Fan-Herz schlägt bei zahlreichen Zitaten wie “Finish them!”, “Flawless Victory!” oder “Fatality!” höher und es kommt alles vor, was zu Mortal Kombat gehört. Weitere zahllose Verweise auf bekannte Ereignisse und Charaktere sind en masse vorhanden und bieten sich an, bei weiterem Anschauen entdeckt zu werden. Ein weiterer Service ist die Neuauflage des ikonischen Themes “Techno Syndrome”. Erinnerungen an Filme und Raves der „Bad Taste 90er“ rufen ein Grinsen hervor. Als Zuschauer und Fan muss man akzeptieren, dass man einem Auftakt beiwohnt. Es wird im nächsten Teil nahtlos weitergehen. Daher ist ein Lamentieren, dass das Turnier fehlt, die Hintergrundgeschichte zu kurz kommt oder gar die Fatalities fehlen, schlicht unfair. Ob es dem Film gut getan hat? Als eigenständiges Produkt wirkt Mortal Kombat nicht komplett gar. Aber hey – Steaks werden gefälligst rare oder medium rare konsumiert. Und das ist Mortal Kombat auf jeden Fall und lässt die Freude auf die kommenden Teile steigen.

© Warner Bros.


Veröffentlichung: 22. Juli 2021

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