Mission: Impossible III

Lesezeit: 5 Minuten

Aller guten Dinge sind drei, unter diesem Stern schien das Jahr 2006 für Mission: Impossible zu stehen. Mit J. J. Abrams wurde der dritte Regisseur gefunden, der sich Mitte der 2000er mit der Survivalserie LOST und Alias einen großen Namen machte und sich erstmals an die Regie eines Kinofilms wagte. Trotz eines Einspielergebnisses von 400 Millionen US-Dollar ist Mission: Impossible III verhältnismäßig gefloppt. Gemessen an den Ergebnissen der anderen Teile, wohlgemerkt. Die Ursache dafür fand man in der Privatperson Tom Cruise, der durch seine Scientology-Zugehörigkeit sowie seine öffentlichwirksam ausgelebte Beziehung mit Katie Holmes für negative Schlagzeilen sorgte. Schließlich verkündete sogar Paramount Pictures, den Vertrag mit Cruise verhaltensbedingt nicht verlängern zu wollen und mit Brad Pitt zu liebäugeln. Schließlich wurde vier Jahre später doch wieder eine Zusammenarbeit mit Tom Cruise aufgenommen, doch nun erst einmal zum dritten Teil der Agentenreihe…

Für Ethan Hunt (Tom Cruise) hat ein neues Kapitel begonnen. Aus dem einstigen Geheimagenten ist ein erfolgreicher Ausbilder geworden, der sich zunehmend auf sein Privatleben konzentrieren kann. In Julia (Michelle Monaghan, Kiss Kiss Bang Bang) hat er seine große Liebe gefunden, mit der er verlobt ist. Um diese Liebe zu wahren, lässt er sie in dem Glauben, er würde für das Verkehrsministerium arbeiten. Ein Anruf der “Impossible Mission Force” stellt schließlich alles auf den Kopf. Ethans erste Absolventin Lindsey (Keri Russell, An deiner Schulter) wurde entführt. Der Kontakt mit ihr brach in Berlin ab, wo diese auf den Geheimnis-Händler Davian (Philip Seymour Hoffman, Magnolia) angesetzt war. Somit bleibt für Ethan nur eine Möglichkeit: Sein altes Team zu reaktivieren.

Nichts Neues, dafür mehr Teamplay

Originaltitel Mission: Impossible III
Jahr 2006
Land USA
Genre Action-Thriller
Regisseur J. J. Abrams
Cast Ethan Hunt: Tom Cruise
Owen Davian: Philip Seymour Hoffman
Luther: Ving Rhames
Musgrave: Billy Crudup
Julia: Michelle Monaghan
Zhen: Maggie Q
Declan: Jonathan Rhys Meyers
Lindsey Ferris: Keri Russell
Benji: Simon Pegg
Laufzeit 126 Minuten
FSK

Insbesondere von Mission: Impossible II enttäuschte Fans befürchteten eine weitere actionlastige Inszenierung. Doch der dritte Teil sollte ausgewogener ausfallen: Weiterhin sind die Actionszenen beeindruckend, dafür nun umso pointierter gesetzt. Ethan Hunt lernt nach zwei Filmen endlich eine neue Facette kennen: Menschlichkeit. Eine Gabe, die bislang auf der Strecke blieb. Zwar gewinnt auch hier der Plot um die Hasenpfote – dieses Mal übrigens ein echter MacGuffin – keinen Innovationspreis, doch bleiben die Aktionen des IMF-Teams stets interessant genug, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Die Handlung selbst ist für Kenner des Genres schnell abzusehen und bietet insofern nur wenige Überraschungen. Und all das stört nicht einmal, denn Mission: Impossible III geht erstmals einen Schritt in die Richtung, die auch die späteren Filme prägt: Teamwork. Nach zweimal One-Man-Show rücken nun auch die Personen hinter und um Ethan herum in den Vordergrund. Es macht sich der Eindruck breit, als wolle man langfristig Figuren etablieren, die man auch mit Sicherheit wiedersehen wird. Ving Rhames (Dawn of the Dead) schlüpft zum dritten Mal in die Rolle des Schützenhilfen Luther. Maggie Q (Naked Weapon) und Jonathan Rhys Meyers (Match Point) leisten weitere Unterstützung. Und was wäre ein Top-Agent ohne eine graue Eminenz, die besonders technikversiert ist? Der Helfer hinter dem Computer ist Simon Pegg (Shaun of the Dead).

Über Realismus braucht man kaum zu streiten…

J. J. Abrams liebt die Spannung und das spiegelt sich bereits zu Beginn des Films wieder. Er lässt Tom Cruise und Philip Seymour Hoffman in einem intensiven Dialogduell aufeinandertreffen und präsentiert eine Schlüsselszene des Films, ohne dass der Zuschauer ahnt, um was es wirklich gehen könnte, und dann ist die Szene auch schon wieder beendet, um die Handlung an einem früher gelegenen Zeitpunkt einsetzen zu lassen. Ein Vorgehen, welches Zuschauer von Alias nur zu gut kennen. Ohnehin macht sich der Regisseur einen Spaß daraus, den Zuschauer auf die falsche Fährte zu locken, aber auch immer wieder emotionale Szenen einzustreuen, welche man in dieser Form gar nicht erwartet hätte. Das gelingt Abrams nicht immer, denn häufig wirkt die Handlung nur allzu konstruiert und das zwischenmenschliche Netz aus Intrigen und Verrat wird vorhersehbar. Das wiegt ein wenig schwerer als der fehlende Realismus des Films, den man auch im dritten Teil nicht suchen sollte. Insbesondere die im Vatikan spielenden Szenen erfordern viel Goodwill des Zuschauers, sich hier unterhalten zu lassen, ohne den Finger zu heben. Eine große Überraschung ist sicherlich auch, dass für eine Szene in Ostdeutschland neben der alten, leer stehenden Fabrik ausgerechnet ein riesiger Windpark ausgewählt wurde, der dann auch für eine der originellsten Actionszenen des Films als Kulisse diente. Trotz deren Reduzierung besitzen die einzelnen Szenen noch mehr Kraft, Dynamik, Rasanz und coole Gadgets (und selbstverständlich Explosionen, um den Knall noch deutlicher zu betonen). Dankenswerterweise wurde auch die im zweiten Teil überstrapazierte Maskenscharade zurückgefahren.

Fragwürdige inhaltliche Entscheidungen

Inhaltlich tun sich so manche Fragen und Zweifel am Drehbuch auf. Etwa, weshalb die Autoren in der Mitte des Films stark auf Fluchtsequenzen setzen, obwohl sich diese auch ohne weitere Mühen hätten zusammenfassen lassen. Noch schleierhafter wird es, wenn es um das Vorenthalten bestimmter Schlüsselszenen geht: Die Einbruchssequenz in Shanghai bleibt auf der Strecke. Obwohl diese zuvor vorbereitet und auch besprochen wird, sind nur Ansätze davon zu sehen. Völlig feht der Diebstahl des gewünschten Objekts. Dabei wird sogar noch erwähnt, dass dieser augenscheinlich nur fünf Minuten gedauert haben soll.  Diese und andere Entscheidungen erwecken den Eindruck, als hätte den Machern die Zeit im Nacken gesessen.

Fazit

Ausgerechnet Serieninnovator J. J. Abrams ist es, welcher der Reihe einen neuen Glanz verleiht. Der Einschlag in eine charakterorientierte Richtung steht Mission: Impossible wirklich gut. Ethan Hunt ist nicht mehr ganz so Hans Dampf wie im überstilisierten Vorgänger, und dennoch fällt die Action ein wenig roher als zuvor aus. Bösen Zungen zufolge liegt das am Erfolg von Die Bourne Identität und Die Bourne Verschwörung. Es ist ein wenig unfair, dass dieser Teil trotz deutlicher Verbesserungen hinter den Erwartungen zurückblieb. Denn Abrams Kinodebüt ist in nahezu jeder Hinsicht eine respektable Leistung. Was die Hasenpfote nun genau ist, bleibt das Geheimnis der Autoren.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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