Marie Curie – Elemente des Lebens

Der Nobelpreis ist eine heiß begehrte Würdigung und seine Verleihung wird jedes Jahr weltweit freudig erwartet. Dabei ist es bis heute nur zwei Menschen gelungen, nicht nur zweimal den Nobelpreis zu erhalten, sondern sogar in zwei verschiedenen Kategorien. Eine von ihnen ist Marie Curie, die sicherlich jedem zumindest ein Begriff ist. Ihre Arbeit beeinflusst noch heute unser Leben und sie ist eine von nur wenigen Frauen, die es geschafft haben, für ihre Forschung den Nobelpreis zu bekommen. Aber obwohl ihr Name jedem ein Begriff ist, wissen sicherlich nur die wenigsten Menschen genauer über ihr Leben Bescheid. Der Film Marie Curie – Elemente des Lebens, der auf der Graphic Novel Radioactive: Marie & Pierre Curie: A Tale of Love and Fallout basiert, soll das ändern und versucht, sowohl ihr Leben als auch ihre Forschung darzustellen. Bereits 2019 als Premiere auf dem Toronto International Filmfestival gezeigt, flimmert der Film nach einer coronabedingten Verschiebung im Juli 2020 über die deutschen Kinoleinwände und ab November 2020 schließlich auch auf heimischen Fernsehern. 

Die polnische Physikerin und Chemikerin Marie Curie (Rosamund Pike, Gone Girl), die zwei Nobelpreise gewonnen und die Welt nachhaltig geprägt hat, hatte es nie leicht: Sie kommt als Maria Sklodowska nach Frankreich, um dort zu studieren und ihren Forschungen nachzugehen. Jedoch ist die Realisierung ihrer Forschungen nie einfach, es fehlt stets an Ressourcen, Vertrauen und Geld. Aufgeben möchte sie aber nicht. Sie lernt in Frankreich Pierre Curie (Sam Riley, Maleficent – Die dunkle Fee) kennen und lieben, gemeinsam forschen sie und feiern mit der Entdeckung der Radioaktivität einen ersten prägenden Erfolg …

Der Fokus liegt auf der Forschung

Originaltitel Radioactive
Jahr 2019
Land Großbritannien
Genre Biografie, Drama, Romanze
Regie Marjane Satrapi
Cast Marie Curie: Rosamund Pike
Pierre Curie: Sam Riley
Irène Curie: Anya Taylor-Joy
Paul Langevin: Aneurin Barnard
Adam Warner: Corey Johnson
Laufzeit 110 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 26. November 2020

Obwohl der Film definitiv alle wichtigen Lebensstationen in Marie Curies Leben abdeckt, liegt der Fokus angenehmerweise auf ihrer Forschung, die sie zunächst alleine, dann gemeinsam mit Pierre Curie betreibt. Dennoch werden die Inhalte ihrer Forschung nicht so vertieft präsentiert, sodass sich Zuschauer*innen ohne großes Fachwissen der Naturwissenschaften langweilen würden. Stattdessen wird vieles der anstrengenden Arbeit als Wissenschaftler in aufeinanderfolgenden Szenen abgehandelt, sodass mehrere Jahre innerhalb der Handlung vergehen. Die Balance zu Curies Privatleben ist dabei recht gut gelungen. Immer wieder gibt es kleine Szenen zwischen ihr und Pierre Curie, die ihre Liebe zueinander illustrieren, auch die Geburt der beiden Töchter der Familie Curie wird thematisiert. Allerdings wirkt die Romanze zwischen Marie Curie und ihrem späteren Mann etwas gezwungen, was aber nicht unbedingt ein Kritikpunkt ist, denn der Film möchte keine Liebesgeschichte erzählen (auch, wenn es in manchen Szenen so anmutet), sondern die Lebensgeschichte einer Frau, die nun einmal ihre Liebe in diesem Mann gefunden hat.

Die Entdeckung der Curies – Fluch und Segen zugleich

Spannend ist die Tatsache, dass immer wieder Ausblicke auf die zukünftige Ereignisse abgebildet werden, die Konsequenzen der Forschungen von Marie Curie sind. Sowohl positive als auch negative Folgen werden gezeigt: der Abwurf der Atombomben über Japan, die Tschernobyl-Katastrophe, aber auch die Strahlentherapie an einem krebskranken Kind – ohne Curies Entdeckung der Radioaktivität hätte es das alles nicht in dieser Form gegeben. Sie selbst ahnen natürlich noch gar nichts von der Tragweite ihrer Forschung und insbesondere den Gefahren von Radium. Die Zukunftsausblicke sind alle großartig inszeniert und sorgen für wahre Gänsehaut. Jedoch wirken die Figuren in manchen Momenten zu reflektiert für ihre Zeit, was zwar in Kombination mit solch intensiven Zukunftsausblicken szenisch gut gemacht, aber wenig authentisch ist. Ähnlich sieht es mit den surrealen Traumsequenzen, die immer wieder zum Einsatz kommen, aus. An sich sind diese nett gemacht und hübsch inszeniert, aber mehr als einmal wirken sie einfach deplatziert und irritierend.

Wie akkurat ist die Darstellung von Marie Curie?

Einen Film über Marie Curie zu drehen, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen. Konzentriert man sich auf ihr Privatleben, wird schnell eine langweilige Schnulze daraus, konzentriert man sich jedoch ausschließlich auf ihre Arbeit und verstrickt sich in zu viel Fachsprache, spricht der Titel nur eine eher kleine Zielgruppe an. In Marie Curie – Elemente des Lebens versucht Regisseurin Marjane Satrapi beide Seiten zu beleuchten und das gelingt recht gut, wenn es darum geht, dass den Zuschauern in den 110 Minuten nicht langweilig werden soll. Allerdings müssen natürlich viele private Details um Marie Curie sehr gekürzt dargestellt werden, was aber dazu führt, dass der Film zum Beispiel unabsichtlich aus ihrer Einstellung zu ihrer Heimat Polen das genaue Gegenteil macht. Denn war Marie Curie eigentlich immer stolz auf ihre Herkunft – das Element Polonium wurde von ihr nicht ohne Grund so genannt – scheint es im Film fast so, als wolle sie sich von ihren Wurzeln distanzieren. Natürlich kann eine zeitlich limitierte Produktion nicht alles genau darstellen und eine längere Nebenhandlung um das Thema hätte nicht in die Geschichte gepasst, aber es wäre nicht zu viel verlangt, dass diese Tatsache zumindest kurz in einem der zahlreichen Gespräche von Curie mit ihrer Schwester erwähnt wird.

Fazit

Marie Curie – Elemente des Lebens präsentiert sich als spannend und ansprechend inszenierter Film, der seinem Zielpublikum (Interessierten an Marie Curie) nicht langweilig wird, aber an manchen Stellen dann doch wie gewollt, aber nicht gekonnt rüberkommt. Die surrealen Traumsequenzen sind sicherlich Geschmackssache, aber mir persönlich kommen davon schlicht zu viele vor, die einfach nur unfreiwillig komisch wirken. Das heißt nicht, dass der Film nicht seine Qualitäten besitzt, denn die hat er auf jeden Fall. Er zählt definitiv auch zu den besseren Verfilmungen um Marie Curie, aber das Ergebnis ist dann eben doch nicht rundum gelungen, sondern weist kleine Macken auf. Wer sich für Marie Curie interessiert und gerne Filme dieser Art guckt, sollte sich den Streifen aber nicht entgehen lassen. Mir gefällt der Film trotz seiner kleinen Kritikpunkte sehr gut. Insbesondere die kleinen Zukunftsausblicke sind intensive Momente, die unter die Haut gehen und zum Nachdenken anregen.

© Studiocanal 


Seit dem 26. November 2020 im Handel erhältlich:

 

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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