Jim Knopf und die wilde 13

Sursulapitschi. Was für ein Name für ein Wasserwesen! Das klingt nach brausenden Wellen und spritzenden Tropfen. Lange vor Disneys Arielle wussten Kinder die mit Michael Endes Jim Knopf aufwuchsen, wie Meerjungfrauen heißen müssen. Im zweiten Band schickt Michael Ende (Die unendliche Geschichte) seine Helden nicht in fantastische Berge, Wüsten und Urwälder, sondern aufs Meer hinaus, zu geheimnisvollen Inseln, Unterwasser-Landschaften und Piratenschlupfwinkeln. 2018 kam der erste Band des Zweiteilers, Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, auf die große Leinwand. Obwohl der Film finanziell nicht sehr erfolgreich war, folgte dennoch im Oktober 2020 die Fortsetzung, Jim Knopf und die Wilde 13.

   

König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte (Uwe Ochsenknecht, Männer) macht sich Sorgen: Schon wieder ist das Postschiff im Nebel an die Küste von Lummerland gerummst. Ein Leuchtturm muss her! Aber wo auf der winzigen Insel mit zwei Bergen soll der stehen? Jim Knopf (Solomon Gordon) und Lukas (Henning Baum., Burg Schreckenstein) haben eine Idee: Herr Tur Tur (Milan Peschel, Gundermann), der freundliche Scheinriese nimmt wenig Platz weg, ist aber je größer, je weiter der Betrachter entfernt ist. Also stechen sie mit der wasserdichten Lokomotive Emma und der Mini-Lok Molly in See, um Herrn Tur Tur abzuholen. Da kommen eine Menge Abenteuer auf sie zu: für die Meerjungfrau Sursulapitschi (Sonja Gerhardt, Heilstätten) das Meeresleuchten zurückbringen, den Magnetberg erkunden, mithilfe vom Magnetbrocken Emma zum Fluggerät umbauen, die kleine Molly aus den Klauen der Piraten befreien und das Rätsel um Jims Herkunft lüften.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Originaltitel Jim Knopf und die Wilde 13
Jahr 2020
Land Deutschland
Genre Abenteuer, Fantasy
Regie Dennis Gansel
Cast Jim Knopf: Solomon Gordon
Lukas: Henning Baum
König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte: Uwe Ochsenknecht
Frau Waas: Annette Frier
Herr Ärmel: Christoph Maria Herbst
Alle Piraten der Wilden 13: Rick Cavanian
Prinzessin Li Si: Leighanne Esperanzate
Sursulapitschi: Sonja Gerhardt
Herr Tur Tur: Milan Peschel
Laufzeit 109 Minuten
FSK

Und wieder sind sie alle da. All die knuffigen Gestalten, die man aus den Büchern, beziehungsweise aus dem ersten Teil kennt. Und diesmal bekommt jeder, der am Ende von Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer ein wenig in der Luft hing, seinen Platz. Herr Tur Tur: Leuchtturm von Lummerland. Halbdrache Nepomuk: Wärter des Magnetbergs und Pionier der Freundschaft zwischen Wasser und Feuer. Herr Ärmel: Nachhilfelehrer für resozialisierte Piraten. Frau Mahlzahn: Goldener Drache der Weisheit. Wilde 13: Raus aus der Kriminalität, hin zu neuen Identitäten. Jim Knopf: als Kind entführt und verkauft, nun Sohn eines Königspaars und Erbe eines ehemals versunkenen Reiches, das aber auch seine wahre Heimat Lummerland umfasst. Wieder ist der Kinderbuchklassiker solide und textnah umgesetzt, etwas gestrafft und fürs Kino aufbereitet.

13 Kerle auf dem Totensarg, ho ja ho, he ja ho!

Diesmal statt Drachen also Piraten. Die wilde 13 tut, was sie soll, da wird geentert und gefochten, durch Stürme gesegelt und ein Piraten-Sauflied gegrölt, das es schon fast an Fluch der Karibik herankommt. Und in der Tat stammt die Idee, die ganze Bande von einem einzigen Schauspieler verkörpern zu lassen, direkt aus dem dritten Teil des Franchise, Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt, wo Jack Sparrow im Jenseits eine ganze Mannschaft aus Jack Sparrows befehligt. Ein intelligentes Weiterverwerten, denn was in der Vorlage nur ein barocker Schnörkel ist, passt hier nahtlos in die Handlung und malt die Grundidee weiter aus: Michael Endes Piraten haben keine Namen, Käptn ist, wer den Hut mit dem Stern trägt. Erst Jim Knopf schenkt ihnen die Individualität eines eigenen Namens, von Antonio bis Xaverio. Da wäre es fast merkwürdig, wenn sie nicht alle gleich aussähen.

Früher war mehr Unterwasser

Wie im ersten Teil wurde auch hier Michael Endes ausufernde Phantasie gestutzt und einige Schauplätze und Handlungsschnörkel weggelassen. Was die Piraten an Screentime bekommen, geht auf Kosten der Unterwasserwelt. Wer sentimentale Erinnerungen an das Reich des Meereskönigs, den Schildnöck Uschaurischuum und eine Lokomotivfahrt auf dem Meeresboden hat, der wird enttäuscht sein. Bis auf Sursulapitschi und ein wenig Meeresleuchten ist das alles rausgekürzt. Bei einer Romanverfilmung auf die Umsetzung wirklich jeder liebgewonnenen Szene zu beharren ist zwar eine Garantie für Unzufriedenheit, die man eher meiden sollte. Insgesamt tut es dem Film gut, sich auf die Piratenhandlung zu konzentrieren. Aber dafür, dass erst bedeutungsschwanger der Kristall der Ewigkeit und der epische Konflikt zwischen Feuerwesen und Wasserwesen aufgebaut werden, ist die Auflösung ganz schön knapp und banal: Sursulapitschi und Nepomuk planschen gemeinsam und schwupps, wächst da ein Glitzersteinchen auf einem nassen Felsen.

Fazit

Insgesamt bietet Jim Knopf und die Wilde 13 wie der Vorgängerfilm ordentliches Handwerk. Eine Klassikerverfilmung, die einen Stoff umsetzt, den jeder kennt und jeder mühelos in der Verfilmung wiederfinden kann. Die Piraten-Abenteuer machen viel Spaß, auch wenn nur Zuschauer unter acht Jahren sich wirklich Sorgen machen werden, ob Jim mit den zwölf Schurken wirklich fertig wird und Lukas rechtzeitig aus der versinkenden Piratenfestung herauskommt. Da Jim Knopf und die Wilde 13 der zweite Teil ist, in dem alle Verwirrungen aufgelöst und alle Geheimnisse gelüftet werden müssen, wird leider etwas viel mit geheimnisvollen Inschriften, rätselhaften Prophezeiungen und verborgenen Schriftstücken gearbeitet, was Schwung wegnimmt und Bedeutungsgeschwurbel hinzufügt. Aber das ist halt Michael Ende.

© Warner Bros.

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments