Inheritance

Es gibt Filme, bei denen es besser ist, nicht allzu sehr über sie nachzudenken und Prämissen auch einfach mal hinzunehmen. Wer, wozu und überhaupt? Inheritance von Vaughn Stein (Terminal: Rache war nie schöner) rühmt sich mit seinem geheimnisvollen Plot und bastelt ein undurchsichtiges Puzzle zusammen. Nach außen hin ein funkelnder Mystery-Thriller um Identität, Geheimnisse und Lügen, klappt das auf den ersten Blick ansprechende Konstrukt schnell am eigenen Pacing zusammen. 110 Minuten können verdammt lang sein, wenn eine Entwicklung einfach nicht in die Gänge kommen will. Der Film befindet sich im Lineup des Fantasy Filmfests 2020 und feiert dort seine Deutschland-Premiere.

Lauren Monroe (Lily Collins, Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile) ist Staatsanwältin. Sie steckt in ihrem bislang bedeutendsten Fall, als ihr steinreicher Vater stirbt. Dieser hinterlässt ein ungleich aufgeteiltes Erbe: Während Lauren Bruder, ein Politiker, beinahe den gesamten Besitz erbt, bleibt für Lauren nur ein kleines Sümmchen. Doch sie hat nicht mit einem ganz besonderen Nachlass gerechnet: Der Notar steckt ihr einen geheimnisvollen Umschlag mit einem USB-Stick und einem Schlüssel zu. Auf dem Stick findet sie ein vorab aufgezeichnetes Video ihres Vaters, der Lauren offenbart, dass eine Überraschung in einem Bunker auf sie wartet. Doch was sie da findet, zieht ihr den Boden unter den Füßen weg: Der Bunker erweist sich als Gefängnis, in dem ein verwahrloster Morgan (Simon Pegg, Hot Fuzz) in Ketten liegt. Wie sich herausstellt, wird er seit Jahren vermisst. Weiß Laurens Mutter Catherine (Connie Nielsen, Wonder Woman) mehr?

Weder Fisch, noch Fleisch, noch sonst etwas

Originaltitel Inheritance
Jahr 2020
Land USA
Genre Drama, Mystery, Thriller
Regie Vaughn Stein
Cast Lauren: Lily Collins
Morgan: Simon Pegg
Catherine: Connie Nilsen
William: Chace Crawford
Archer: Patrick Warburton
Scott: Marque Richardson
Laufzeit 111 Minuten
FSK unbekannt

Die Herangehensweise lässt sich durchaus als ambitioniert beschreiben: Die Herausforderung der Protagonistin ist gleichzeitig die des Zuschauers. Sie muss die Vergangenheit aufdecken, um zu erfahren, was es mit dem Gefangenen eigentlich auf sich hat. Familiengeschichte schmerzt bekanntermaßen, weshalb diese Reise in die Abgründe keine angenehme ist. Es bleibt aber nicht bei einem Familiendrama. Denn die Devise des Titels scheint zu sein, in möglichst vielen Genres mitzumischen. Ganz getreu dem Motto “dabei sein ist alles”. Am Ende muss der Film aber zumindest in einem Genre noch überzeugen und genau hier beginnt der Abstieg. Das Familiendrama ist erstaunlich schnell abgefrühstückt und nimmt am Ende eine Wendung, von der man meinen möchte, dass jene Drehbuchentscheidung nun wirklich überstrapaziert ist. Dann wäre da noch der Mystery-Faktor, der sich zumindest für eine Weile halten kann, mit zunehmender Auflösung aber auch dahinschwindet. Für einen investigativen Film gibt es schlichtweg zu wenig zu tun, denn Lauren hat wenig herauszufinden. Dann bleibt nur noch die Option eines Polit- oder Law-Thrillers und dafür fehlt es sowieso an Substanz, da die Geschichte der Familie insgesamt zu vage bleibt.

Katz- und Mausspiel mit angezogener Handbremse

Die inhaltliche Unentschlossenheit ließe sich noch entschuldigen, wenn Inheritance immerhin mit Charakteren oder Erzählgeschwindigkeit bei Laune halten würden. Doch die Anzeichen dafür stehen zunehmend schlechter: Der Prolog im Zeitraffer führt rasant zum Aufeinandertreffen von Lauren und Morgan. Dann folgt der Bruch und das Tempo wird um gefühlte 200 Prozent gedrosselt. Es folgen lange Gespräche, Enthüllungen, denen schlicht der Nachdruck fehlt, und fade Investigativmomente, die bei einer Fernsehausstrahlung eher zum Wegzappen verleiten würden. Lily Collins’ Figur wird als selbstbewusste Karrierefrau eingeführt, die im weiteren Verlauf untergeht. Und auch Simon Pegg bekommt wenige Chancen, um sein Können unter Beweis zu stellen. Sein Charakter Morgan färbt stärker durch sein verwahrlostes Erscheinungsbild ab, als dass er einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Das Zusammenspiel beider funktioniert allerdings. Nur die unaufgeregte Erzählweise sorgt dafür, dass einfach kein Drive entsteht.

Fazit

Inheritance ist der klassische Fall: Liest sich auf dem Papier super, überzeugt in seiner Ausführung nicht einmal halb so gut. Es ist wirklich schade, denn in seinen Grundzügen bietet der Film alles, was er benötigt, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Drehbuch-Neuling Matthew Kennedy hat sich bei dieser Geschichte deutlich verhoben und Vaughn Stein weiß das zumindest schlummernde Potenzial nicht zu erwecken. Es geht gar nicht darum, mögliche Plotholes auseinander zu nehmen. Inheritance versucht einfach cleverer zu sein, als es schlussendlich ist. Smarter wäre es gewesen, die Komplexität des Mystery-Anteils zu erhöhen und sich offensichtlich anbahnende Ereignisse besser zu kaschieren.

© Constantin Film

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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