Inexorable

Es gibt viele gute Gründe, sich keine Fremden ins Haus zu holen. Das Böse muss schließlich nicht immer in Form zwielichtiger Gestalten aufkreuzen, sondern kann auch als Lolita mit Unschuldsmiene in Erscheinung treten. Fabrice du Welz (Adoration) erzählt in seinem erotischen Psycho-Thriller Inexorable von einem mit Minderwertigkeitskomplexen behafteten Autoren, dessen Familienleben aufgerüttelt wird, als ein junges Mädchen aus Mitleid aufgenommen wird, welches allerlei Hebel in Bewegung setzt. Die deutsche Premiere feierte die belgische Produktion auf den Fantasy Filmfest Nights 2022.

Marcel Bellmer (Benoît Poelvoorde, Mann beißt Hund) wurde mit seinem Roman “Inexorable” zu einem gefeierten Literatur-Star. Das verhalf seiner Familie zu Reichtum und mit dem Umzug in ein Chateau erhofft er sich nun die Energie für einen Folgeroman. Seine Frau Jeanne (Mélanie Doutey, Paradise Beach) kümmert sich überwiegend um die Erziehung der gemeinsamen Tochter Lucie (Janaïna Halloy). Bei einem Ausflug verschwindet Hund Ulysse und wird von der jungen Gloria (Alba Gaïa Bellugi, Ziemlich beste Freunde) zurückgebracht. Die Bellmers schließen Gloria schnell ins Herz und da das Haus ohnehin genug Platz bietet, zieht Gloria dort ein und darf sich fortan um Lucie kümmern. Das Familiengleichgewicht beginnt zu schwanken …

Ein faules Ei ins Nest geholt

Originaltitel Inexorable
Jahr 2021
Land Belgien
Genre Psycho-Thriller
Regie Fabrice du Welz
Cast Marcel: Benoît Poelvoorde
Gloria: Alba Gaïa Bellugi
Jeanne: Mélanie Doutey
Lucie: Janaïna Halloy
Paola: Anaël Snoek
Laufzeit 98 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm der Fantasy Filmfest Nights 2022

Inexorable macht sich das Erzählmotiv des trojanischen Pferdes zu Gebrauch, in dem eine gefährliche Person aus Mitleid oder Sympathie heraus in eine Familie geholt wird, um erst die Herzen aller zu gewinnen und dann den Familiensegen mittels List und Tücke zu zerschlagen. Im Fall dieser Produktion funktioniert das in erschreckender Geschwindigkeit. Warum die Bellmers nun Gloria direkt einziehen lassen, wird rasant über die Bühne gebracht und bleibt für Außenstehende wenig nachvollziehbar. Gloria versteht sich gut mit Tochter Lucie, sie scheint sonst nichts im Leben zu haben und natürlich sind die Bellmers wohlhabend genug, um eine weitere Person einzustellen. Das ist soweit alles nachvollziehbar. Nur eben nicht, wie wenig Glorias Person überhaupt in Frage gestellt und wie ihr blindes Vertrauen geschenkt wird. Das ist ein Krankheitsbild derartig gelagerter Filme: Auch Produktionen wie Orphan oder die Netflix-Produktion Deadly Illusion lassen ihre infiltrierten Familien viel zu lange blind über alles hinwegschauen und streuen lieber interne Probleme, die von der Gefahr ablenken sollen. Auf beinahe schon dreiste Weise kneifen bei Inexorable alle Beteiligten die Augen zu, obwohl sichtbar etwas nicht stimmt.

Fiese Familienintrigen

Inexorable ist einer jener Filme, die sich jede Szene so zurecht biegen, dass es der Dramatik bekömmlich ist. Offensichtliches wird offensichtlich gemacht, Verborgenes existiert nicht. Wann immer sich eine Gelegenheit findet, die Familie zu Schaden kommen zu lassen, wird sie ergriffen. Gloria hat nur allzu leichtes Spiel, da Marcels Minderwertigkeitskomplexe ihm im Weg stehen und Jeannes Dominanz sie zu den fragwürdigsten Entscheidungen antreibt. Die Intrigen bewegen sich zum Teil auf dem aller niedrigsten Seifenopern-Niveau. Ein Gutes hat das alles: Gloria ist ein hassenswertes Miststück. Und Alba Gaïa Bellugi verkörpert sie nur zu bravourös, dass die Figur ganz schnell Zielscheibe persönlicher Hasstiraden wird. Insgesamt erledigen alle Darsteller:innen des Casts einen soliden Job und wenn es ihnen an Glaubwürdigkeit fehlt, liegt das eher am Drehbuch als an ihren Leistungen.

Fazit

Inexorable ist ein Film, den man in abgewandelter Form schon x-mal gesehen hat. Ob die Gefahr nun ins eigene Haus geholt wird oder es sich um Psychopathen, Stalker oder Fans handelt, spielt dabei keine wesentliche Rolle. Trotz Spannungskurve und stimmiger Inszenierung fehlt dem Film jeder Hauch von Originalität, er ist von hinten bis vorne durchschaubar und trampelt Erzählpfade ab, die viele andere auf der Suche nach Inspiration ebenfalls schon aufsuchten. Das wäre alles noch zu verschmerzen, wenn die Figuren nicht derart bekloppt handeln würden. Anstatt logische Entscheidungen zu treffen, ist ausnahmslos jeder im Alleingang unterwegs. Es bräuchte Gloria im Grunde nicht einmal, weil die Bellmers eine dysfunktionale Familie sind, die auch in der Lage wäre, sich gegenseitig auszulöschen. Auf ärgerliche Weise reiht sich Szene an Szene und es ist kaum mitanzusehen, wie offensichtlich Marcel und Jeanne einen Fehler nach dem nächsten begehen. Ein Film, bei dem man die Augen zuhalten möchte ob all der Dummheit, die da an den Tag gelegt wird und sich am Ende in einem großen Drama ergießt.

© Indeed Film

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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