Hunter Hunter

Im Leben vieler Regisseure und Regisseurinnen sind es oftmals persönliche Erlebnisse, die Stoff für ein Drehbuch liefern. Im Falle von Hunter Hunter war es eine Pension inmitten eines deutschen Waldes, die Shawn Linden (Nobody) zu seinem Survival-Horrorfilm inspirierte. Der tief in der Wildnis Kanadas spielende Film, der sein Deutschland-Debüt auf dem Fantasy Filmfest 2021 feiert, dreht sich im Großen und Ganzen um Raubtiere – und zwar nicht nur die menschlichen. Wie so häufig ist es von Vorteil, möglichst wenig von der Handlung zu wissen, was wir in diesem Review berücksichtigen.

 

Joseph Mersault (Devon Sawa, Final Destination) lebt mit seiner Frau Anne (Camille Sullivan, The Unseen) und Tochter (Summer H. Howell, Curse of Chucky) in der abgeschiedenen Wildnis Kanadas. Die Familie bestreitet ihren Unterhalt als Pelzjäger, weshalb sie innerhalb ihres Jagdreviers auf Fallen setzt, um an die Beute zu kommen, mit der sie ihr Leben finanziert. Eines Tages erscheint ein räuberischer Wolf, der das Geschäft zu zerstören droht, und Joseph zieht los, um diesen zu erlegen. Die Wartezeit für Mutter und Tochter wird zur Tortur. Gleichzeitig taucht der verletzte Lou (Nick Stahl, Terminator 3 – Rebellion der Maschinen) an der Türe der Familie auf, dem Anne Obhut gewährt. Doch Joseph bleibt beängstigend lange weg …

Eine Geschichte über Aussteiger

Originaltitel Hunter Hunter
Jahr 2020
Land Kanada
Genre Survival-Thriller
Regie Shawn Linden
Cast Joseph Mersault: Devon Sawa
Anne Mersault: Camille Sullivan
Renée Mersault: Summer H. Howell
Lou: Nick Stahl
Laufzeit 93 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Fantasy Filmfest 2021

Es gibt Filme, die im Wald gedreht werden, um die Produktionskosten möglichst weit nach unten zu drücken und es gibt Filme, welche diesen Schauplatz vor allem erzählerisch zu nutzen wissen. Hunter Hunter zählt zu letzteren und zehrt von der Atmosphäre der trügerischen Einöde. Das Drehbuch etabliert seine Protagonist:innen als im Wald lebende Aussteiger, deren Alltag bereits hart genug ist. Die finanzielle Not, in welche die Familie durch die Existenz des Wolfes gerät, ist absolut glaubhaft geschildert. Joseph und Anne gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um, Konflikte liegen in der Luft. Doch das Grauen selbst ist unkonkret und wird lange Zeit gar nicht greifbar: Es ist die gesamte erdrückende Situation der Familie irgendwo im Nirgendwo. Dafür nimmt sich Shawn Linden viel Zeit; alleine ein Drittel geht dafür drauf, die Lage der Mersaults zu etablieren. Vor allem für Renée ist es besonders, anders als andere Kinder aufzuwachsen und ganz ohne Zivilisation groß zu werden. Wichtig ist aber auch, dass Joseph und Anne eben keine Sonderlinge sind, sondern zwei Figuren mitten aus dem gesellschaftlichen Leben, die ihr Schicksal bewusst selbst gewählt haben.

Tief im menschlichen Dickicht

Wenn die Handlung dann ins Rollen kommt, spart sie erzählerisch einiges aus. Es werden Fährten gelegt, die wie ein Puzzle zusammengefügt werden wollen, ohne dass das Publikum dabei überfordert wird. Alles im Rahmen des Bekannten, aber immer über dem narrativen Durchschnitt ähnlich gelagerter Titel. Der Thriller-Plot ist jedenfalls weitaus weniger komplex als das Miteinander der Figuren. Dem Haus kommt dabei besondere Symbolkraft zu, ist es zum einen der einzige Schutz vor der Außenwelt, gleichzeitig aber genauso Fokus aller Dynamiken, die zwischenmenschlichen Zündstoff bergen. Wenn sich die von Anfang an aufgebaute Spannung zum Schluss hin entlädt, ist das nicht überraschend, aber erstaunlich explizit: Shawn Linden erweist sich als erstaunlich radikal in der Wahl seiner Mittel und legt eine Brutalität an den Tag, die man bei diesem Film nun wirklich nicht kommen sehen kann. Spätestens hier wird auch dem Letzten klar, dass die gnadenlose und unaufhaltsam erdrückende Atmosphäre nicht einfach nur Mittel zum Zweck ist, sondern bis zum Schlussakt konsequent durchgezogen wird und Teil dieser rauen Erfahrung ist. Besonders der hämmernde Soundtrack muss an dieser Stelle erwähnt werden, der die Spannung auf echte Höhen peitscht.

Fazit

Hunter Hunter ist clever geschrieben und ebenso konstruiert. Der vielschichtige Film birgt erzählerisches Potenzial, das seine Wucht dann entfaltet, wenn man vorab weder zu viel über die Story weiß, noch sich hat von irgendwelchen Trailern berieseln lassen. Vorwerfen kann man dem Titel allenfalls, dass erfahrene Zuschauer:innen sehr schnell wissen, was Sache ist. Da ist das Schicksal des Familienhundes ebenso schnell bekannt wie der Grund für Lous Auftauchen. Angesichts der erzählerischen Qualitäten vergibt man Shawn Linden aber, dass er auf bekannte Zutaten setzt. Die Bedrohung ist von Anfang an existent und nur langsam dreh sich die Spannungsschraube zu. Als echter Slowburner kollidiert das mit den klassischen Sehgewohnheiten und das zähe Voranschreiten der Handlung erfordert Sitzfleisch, das Dranbleiben wird jedoch belohnt.

© Koch Films

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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3 Comments
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Alva Sangai
Alva Sangai (@alva-sangai)
22. Oktober 2021 10:43

Musste echt schmunzeln als ich den Titel gelesen habe 😀

Alva Sangai
Alva Sangai (@alva-sangai)
Antwort an  Ayres
22. Oktober 2021 16:58

Haha ja 😀