Hidden in the Woods 2

Mit Hidden in the Woods erschien 2012 ein Exploitation-Film aus Chile, der seinen Weg in unsere Regale über Tiberius Film fand. Regisseur Patricio Valladares steht für Low Budget-Grindhouse-Kino, welches er mit Sex und Gewalt mischt, um damit eine plakative Wirkung zu erschaffen. Dass er kein Meister darin ist, Großes zu erzählen, demonstrierte er insbesondere mit Open the Door, welches trotz populärer Besetzung mit Robert Englund baden ging. Das Erscheinen von Hidden in the Woods 2 zehn Jahre nach dem Erstling mag vielleicht überraschend sein, doch erzählt er die Handlung konsequent weiter. Seine Weltpremiere feierte der Film auf dem Obscura Filmfest 2022 in Berlin. Eine deutsche Veröffentlichung ist bislang nicht in Sicht und angesichts der hohen Brutalität kaum denkbar.

 

Anny (Priscilla Luciano, Wrong Trail) hat die Gräueltaten, die sie vor zehn Jahren über sich ergehen lassen musste, hinter sich gelassen. Sie blickt nach vorne und verdient ihren Unterhalt als engagierte Putzkraft. Ganz unverhofft erhält sie einen doppelt so gut bezahlten Auftrag wie üblich. Dafür muss sie eine weitere Anfahrt zum abgelegenen Haus ihres Auftraggebers in Kauf nehmen, der sie sogar abholen lässt. Dieser entpuppt sich als netter Herr, der noch schnell das Haus auf Vordermann gebracht wissen will, ehe der Familienbesuch einen Tag später ansteht. Mit Musik auf den Ohren macht sich Anny an die Arbeit – und bekommt nicht mit, dass eine Ganovenbande im Haus ist, die noch eine Rechnung mit ihrem Auftraggeber offen hat. Für sie ist Anny nicht nur Freiwild, sondern gleichzeitig Lustobjekt. Während einstige Narben aufreißen, wird auch Annys Kampfgeist freigesetzt …

Mehr als die sexy Putzfrau

Originaltitel Hidden in the Woods 2
Jahr 2022
Land Chile
Genre Horror
Regie Patricio Valladares
Cast Anny: Priscilla Luciano
Rafael: Luis Vitalino Grandón
Vito: Giordano Rossi
Don George: George Belmar
Manolito: Manuel Navarrete
Laufzeit 76 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Obscura Filmfest 2022

Wie bereits Hidden in the Woods ist auch der zweite Teil unter einem Rape & Revenge-Dach zu verorten. Der Film macht keinen Hehl daraus, dass Anny körperliche Reize auf die drei Männer ausübt, und stellt dafür auch ihre Kurven zur Schau. Nicht, dass sie provozieren würde – das übernimmt die Kamera bereits. Priscilla Lucianos Körper wird dafür mit einem Male Gaze (einem männlichen Blickwinkel der Sexualisierung) eingefangen und das weit, bevor es zu einer sexuellen Handlung kommt. Dass sich die Machtverhältnisse früher oder später drehen werden, weiß man schon im Voraus. Trotzdem wird der Ausgang den Zuschauer:innen  bereits zu Beginn aufs Brot geschmiert, wenn ganz unverhohlen Szenen aus einem Verhör gezeigt werden, welche belegen, dass Anny die Tortur überlebt hat und wir hier lediglich Rückblenden erzählt bekommen. Eine Überraschung ist das nicht, es gehört immerhin zum Kern von Rape & Revenge, dass die Protagonistin siegt. Damit nimmt das aber die Luft aus der Erzählung und verhindert ebenso jeglichen Spannungsaufbau. Denn wir wissen: Wirklich gefährlich wird es für Anny nicht.

Fleischbeschau und Fleischverzehr

Patricio Valladares wildert derweil überall dort, wo es weh tut. Er lässt alle Beteiligten leiden und greift dabei auf die eine oder andere perfide Idee zurück, die nur allzu offensichtlich daherkommt. Es geht nur noch darum, das Vorhersehbare dann auch mitzuerleben. Stichwort “Grill”! Seine Schlachtbank besteht aus mitunter absurden Einfällen und es wird nicht nur eine Menge Blut vergossen, sondern regelrecht mit einzelnen Körperteilen gespielt. Gorehounds kommen dabei voll auf ihre Kosten. So hangelt sich die Erzählung spannungsarm von einer Gewalteinlage zur nächsten und stellt dabei ihre Protagonistin zur Schau. Hätte es einen zweiten Teil gebraucht? Mit Sicherheit nicht. Auf der anderen Seite erzeugt es aber doch eine gewisse Aufmerksamkeit, denn welcher Rape & Revenge-Titel kann schon von sich behaupten, stimmig fortgeführt zu werden, und das mit großem zeitlichen Abstand zum Vorgänger? Die I Spit On Your Grave-Reihe jedenfalls nicht, die ihre Formel einfach nur über weitere Teile stülpt und mit I Spit on Your Grave: Deja Vu einen ähnlichen Ansatz versuchte. Hidden in the Woods 2 will man beim besten Willen weder Entwicklung noch Charakterarbeit attestieren, doch immerhin ist die Fortführung stimmig. Auch wenn Carolina Escobar aus dem ersten Teil nun durch Priscilla Luciano ersetzt wurde. Das fällt allerdings nicht ins Gewicht.

Fazit

Hidden in the Woods 2 ist ein schöner Fanservice für Anhänger des ersten Teils, sofern es welche gibt. Denn die Produktion erfüllt maximal die niedrigsten Bedürfnisse, lässt aber hier und dort auch Kreativität walten, wenn es darum geht, möglichst derbe zu sein. Einen guten Film macht das nicht, Spannung kommt ebenso wenig auf. Wie für Exploitation typisch geht es darum, nicht weggucken zu wollen, wenn Grenzen überschritten werden. Einen Pluspunkt gibt es für den vollen Körpereinsatz von Priscilla Luciano, der Rest ist Dienst nach Vorschrift. Nie mehr oder weniger, alles im Bereich des Erwartbaren.

© 8-Films

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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