Hall

Limitierte Schauplätze sind nie verkehrt, wenn wir von Zombie-Szenarien sprechen. Sie verheißen wenige Fluchtmöglichkeiten, taktisches Verschanzen und fiese Fallen. Der kanadische Horrorfilm Hall hält sich ganz besonders an diesem Konzept fest. Die von Francesco Giannini inszenierte Indie-Produktion will einen charakterzentrierten Beitrag zum Besten geben – und fährt mit diesem Vorhaben gründlich gegen die Wand. Wir haben den Film im Programm des Hardline Filmfestivals 2022 gesehen. Eine deutsche Veröffentlichung ist derweil noch nicht in Sichtweite.

Eigentlich ist Val (Carolina Bartczak, Moonfall) längst über Brendan (Mark Gibson, Exit Humanity) hinweg, doch für die gemeinsame Tochter Kelly (Bailey Thain, Friedhof der Kuscheltiere) versucht sie sich zusammenzureißen. Das Urlaubshotel wird sich allerdings bald als Brutstätte eines Zombie-Virus erweisen. Der Erreger frisst dabei den Wirt von innen und die Infizierten haben nicht mehr lange zu leben. Val sieht nur noch einen Ausweg: Sie muss mit Kelly schleunigst aus dem Hotel gelangen.

Gescheiterte Beziehungen

Originaltitel Hall
Jahr 2020
Land Kanada
Genre Horror
Regie Francesco Giannini
Cast Val: Carolina Bartczak
Brendan: Mark Gibson
Kelly: Bailey Thain
Julian: Julian Richings
Naomi: Yumiku Shaku
Laufzeit 80 Minuten
FSK unbekannt

Im Grunde bringt Francesco Giannini alles an Voraussetzungen mit, was ein Film dieser Couleur bedarf: Ein Gespür für Atmosphäre, ein Auge für das überschaubare Setting und einen Cast, dessen Talent sich nicht verstecken muss. Wäre da nicht das verflixte Drehbuch, das sich auf der einen Seite viel vorgenommen hat, auf der anderen aber auch nicht so recht weiß, wohin nun mit dem Fokus. In der ersten Hälfte etwa steht Kelly im Zentrum, die unglücklich mit der Familiensituation ist, aber eigentlich gibt es dieser Situation auch nicht mehr viel hinzuzufügen, denn die Ehe mit Brendan ist gelaufen und abgesehen von seinem aggressiven Verhalten gibt es auch wenig, das noch sonderlich erzählenswert wäre. Dann wird da noch die Zimmernachbarin Naomi (Yumiku Shaku, Sky High) eingeführt, an deren Schwangerschaft wir ein wenig teilhaben dürfen. Auch sie hat eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Aber auch hier: Spannend ist das alles nicht. Selbst mit einer Vorliebe für gut erzählte Charaktere wird man bei den trivialen Geschehnissen nicht fündig. Die beiden gescheiterten Beziehungen bringen nichts mit, über das es zweimal nachzudenken lohnt.

Müdes Korridor-Geschlurfe

Ist die erste Halbzeit überstanden, fällt mit Blick auf die verbliebene Laufzeit schnell auf, dass Hall mit 80 Minuten so oder so schon nicht sonderlich lange geraten ist. Charakterdarsteller Julian Richings (Cube) leitet dann die eigentlichen Geschehnisse ein. Was jetzt noch ansteht, ist klassisches Genre-Futter: Hetzen und wetzen über Korridore, durch Treppenhäuser und die Suche nach Möglichkeiten zum Verbarrikadieren. Was es mit dem Virus auf sich hat, wird nicht erklärt, sondern nur angedeutet. Ist man wirklich involviert genug, um sich noch Gedanken über die Hintergründe machen zu wollen? Das Drehbuch überschätzt sich gnadenlos und liefert Hinweise zur High Society, die nicht zufällig ebenfalls in dem Hotel eingenistet ist. Wenn der Film auf sein abruptes Ende zusteuert, schert das allerdings niemanden mehr. Was bleibt, ist eine bemühte bis überzeugende Carolina Bartczak, die für diesen Film definitiv eine Verschwendung darstellt, da sie keinerlei Möglichkeit bekommt, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die wenigen Body-Horror-Szenen sollten keinen Grund darstellen, sich um den Titel zu bemühen.

Fazit

Hall ist unterdurchschnittliches Horror-Futter, dessen Ergebnis einen faden Geschmack hinterlässt: Cast und Produktionswerte werden verheizt, während sich die unausgegorene Handlung ins Unermessliche zieht. 50 Minuten verbringt Giannini damit, die Laufzeit zu füllen. Anstatt wie jede andere Mutter es tun würde, nämlich die Tochter bei der Hand zu nehmen und zu verschwinden, biegt die Protagonistin in andere Zimmer ab, unterhält sich mit Überlebenden und füllt die Laufzeit ein wenig weiter. Viel Filler, viel Triviales, keine Pointe. Hände weg!

© Franky Films

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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