Gundala

Während wir mit Superhelden vor allem die US-Recken von Marvel und DC in Verbindung bringen, existieren auf der anderen Seite der Welt ebenfalls ganze Superhelden-Universen, die in der Regel auf Comic-Grundlagen beruhen. Indonesien ist ein Land, das auf eine jahrzehntelange Superhelden-Kultur zurückschauen kann. Alleine der Verlag Bumi Langit beheimatet über 500 Superhelden der letzten 50 Jahre. Dazu gehört auch der Charakter Gundala, welcher bereits seit 1969 existiert. Dessen Origin Story dient als erster Teil eines größeren Superhelden-Universums: Das auf sieben Filme ausgelegte BLCU (Bumi Langit Cinematic Universe) ist sozusagen der Gegenentwurf zum MCU (Marvel Cinematic Universe). Regisseur und Drehbuchautor Joko Anwar (Satan’s Slaves) nahm sich des beliebten Stoffs an, der zunächst auf den Fantasy Filmfest White Nights 2020 präsentiert wurde, ehe er im Mai 2020 durch Koch Media für ein Home Release ausgestattet wurde. In seinem Heimatland war Gundala nicht der erhoffte Hit, aber die Fortsetzung Sri Asih unter der Regie von Upi Avianto wartet bereits auf einen Kinostart.

Der Junge Sancaka führt das undankbarste Leben, das man sich nur vorstellen kann: Er wächst in der Gosse Jakartas auf. Verlassen von der Mutter und nach dem Mord an seinem Vater auch noch Halbwaise. Dem Teenager ist klar, dass er auf der Straße nur überleben kann, indem er sich von brutalen Gangs und anderen zwielichten Gestalten fernhält. Das hält ihn nicht davon ab, seine Kampfkünste im Verborgenen zu trainieren. Denn etwas schlummert in ihm: Ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, den ihn seine Eltern lehrten, sowie eine übernatürliche Kraft. Als der Mafiaboss Pengkor (Bront Palarae, Headshot) nach der Macht greift, ist es an der Zeit für den mittlerweile maskierten Sancaka, aus den Schatten zu treten: Er ist fortan der Superheld Gundala, welcher die Armen vertritt.

Ein indonesischer Held betritt das internationale Parkett

Originaltitel Gundala
Jahr 2019
Land Indonesien
Genre Action
Regie Joko Anwar
Cast Sancaka / Gundala: Abimana Aryasatya
Wulan / Merpati: Tara Basro
Pengkor: Bront Palarae
Ghani Zulham: Ario Bayu
Ridwan Bahri: Lukman Sardi
Laufzeit 123 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 28. Mai 2020

Nicht viele Superhelden Asiens konnten sich außerhalb ihrer Heimat präsentieren. Neben Gundala ist da noch Valentine (Valentine: The Dark Avenger) zu nennen, die ebenfalls 2020 den deutschen Filmmarkt um eine internationale Note bereichert. Worin sich östliche Helden von westlichen unterscheiden, ist sehr häufig die Art zu kämpfen. Superkräfte sind da eher im Westen angesiedelt, während die Kunst des Kämpfens, Martial Arts, häufiger im Osten zu finden ist. Kein Wunder, denn aufwendige Choreografien und furiose Nahkampftechniken sind kulturell tief verwurzelt. Und auch günstiger als so manches CGI-Spektakel. Trotz niedrigeren Budgets ist Gundala ein Film für die große Leinwand, mit Leidenschaft produziert und als Erstling eines größer angelegten Erzähluniversums auch von Bedeutung. Sozusagen der Iron Man des BLCU.

Wollen wir uns dem Marvel-Vergleich stellen oder nicht?

Wir sind es gewohnt, dass die Rettung der Welt auf dem Plan steht. Gegner wie Thanos (Avengers: Endgame) oder Enchantress (Suicide Squad) geht es stets um alles, was die Aufgabe der jeweiligen Heldenteams umso bedeutungsvoller macht. Denn die Verantwortung ist groß und das Handeln immer im Sinne der Menschheit. Dementsprechend klein ist die Fallhöhe, wenn es wie in Gundala erst einmal nur um die Machenschaften eines korrupten Mafiabosses geht. Man kann also Vergleiche in der Superlative-Schleudertrommel ziehen, wo alles immer größer, brutaler und wichtiger wird, oder sich auf das Kleine besinnen. Gundala macht daraus ein eigenes Ding: Kleiner, düsterer und auch brutaler als die Ableger des Marvel-Kosmos. Aber auch beabsichtigt trashiger, denn eindimensionale Gegner wie ein hammerschwingender Steinmetz oder eine hysterische Studentin kurbeln den Trashfaktor regelrecht an. Dazu passt nur, dass das Ziel unseres Antagonisten ist, mittels Superdroge eine Generation von Kindern ohne Moral heranzuzüchten.

Ein Held aus der Gosse

Nicht unwichtig ist Gundalas Herkunft: Ein Held von der Straße. Da geht es rabiat zu und das darf der Zuschauer auch unbeschönigt zu spüren bekommen. Da können auch mal Knochen brechen oder ganze Familien ausgelöscht werden. Wir sind eben nicht bei Disney oder DC, wo man derart rauhe und unbequemene Szenen maximal andeuten würde. Dabei ist an sich nur die ungefilterte Darstellung besonders, denn als Origin Story verkauft das Drehbuch keinen sonderlich erfrischenden Plot, sondern lediglich den Aufstieg vom Straßenkind zum Superhelden. Auch der erste Part der Geschichte erlangt erzählerisch selten Höhepunkte und erweckt immer den Eindruck, eine abgespeckte Variante von Slumdog Millionaire zu sein. Die zweite Hälfte verzettelt sich in ausgedehnten Backgroundstories, Flashbacks hier und dort, penetrant ausformulierter Sozialstudie und der Leichtigkeit, mit der sich Gundala durch sämtliche Gefahren bewegt. Kenner werden feststellen, dass das Drehbuch an dieser Stelle bereits Vorbereitungen für mögliche weitere Teile beginnt und auch der nächste Bösewicht schon mit den Hufen schart.

Fazit

Gundala hat zumindest hierzulande das Nachsehen, sich ganz ohne Popularitätsbonus mit Marvels Helden messen zu müssen. Da ist so eine Geschichte schneller im Copycat-Kosmos verortet, als Gundala eine Chance bekommt, sich zu präsentieren. Aus europäischer Sicht irgendwo zwischen Power Rangers und Unterhaltungstrash einzusortieren, hat es der Held es außerhalb seiner Heimat wohl eher schwer. Ein internationales Publikum findet sich spätestens durch die vergleichsweise kleine Agenda des Helden oder die exotischen Klänge indonesischen Heavy Metals vergrault. Daher werden nur deutsche Käufer, die sich offen in einer Trash-Nische bewegen oder sich als Kuriositätensammler definieren, so wirklich glücklich mit der indonesischen Produktion.

© Koch Media


Seit dem 28. Mai 2020 im Handel erhältlich:

 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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