Gaia – Grüne Hölle

Was kann grausamer sein: Der Mensch oder die Natur? Mit dieser moralischen Fragestellung lassen sich ganze Abende füllen. In dem mystisch-spirituellen Fantasy-Horrorfilm Gaia – Grüne Hölle ist es die Erde, die sich von ihrer finstersten Seite zeigt. Mit schier hypnotischer Wucht schlägt der südafrikanische Regisseur Jaco Bouwer direkt ins Mark und legt eines der beeindruckendsten und visuell kraftvollsten Langfilm-Debüts der letzten Jahre hin. Der Film schloss hierzulande die Fantasy Filmfest Nights 2021 ab und erreicht den Handel am 24. September desselben Jahres.

   

Die beiden Park-Ranger Gabi (Monique Rockman, Number 37) und Winston (Anthony Oseyemi, The Red Sea Diving Resort) sind im afrikanischen Busch unterwegs. Als Gabi ihre Drohne irgendwo in den dicht besiedelten Wäldern verliert, willigt Winston ein, dass er ihr eine Stunde Zeit gibt, danach zu suchen, ehe er sie wieder mit dem Kanu abholt. Doch Gabi gerät in eine Falle und schleppt sich verletzt in ein Holzhäuschen, welches von zwei Einsiedlern (Alex van Dyk, Carel Nel) bewohnt wird. Ob sie diesen trauen kann? Wo ist Winston, der bereits nach ihr sucht? Und was sind das für komische Geräusche und Laute, die von draußen ins Häuschen dringen?

Respekt vor der Natur

Originaltitel Gaia
Jahr 2021
Land Südafrika
Genre Fantasy, Horror
Regie Jaco Bouwer
Cast
Gabi: Monique Rockman
Winston: Anthony Oseyemi
Barend: Carel Nel
Stefan: Alex van Dyk
Laufzeit 96 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 24. September 2021

Mutter Erde stellt eine gewaltige Sensation dar. Obwohl wir diesen Planeten schon so lange besiedeln, gibt die Natur immer wieder Wunder auf und lässt Neues entdecken. Dabei können Faszination und Schrecken Hand in Hand gehen. Vor allem der Urwald gehört aufgrund seiner Entfernung zu den geheimnisvollsten Territorien. Dort spielt die Handlung von Gaia, die uns Einblick in das Leben zweier gesellschaftlicher Aussteiger und in das mit Fantasy-Elementen gespickte Mysterium des Waldes gibt. Wer Gabi als Person ist, bleibt dabei bis zum Ende des Films mehr oder weniger zweitrangig, denn die Natur ist der unangefochtene Star. Das ändert sich auch nicht, wenn sich zwei weitere Figuren hinzugesellen, durch deren Perspektive die Handlung miterzählt wird. Interessanter als der ausgetretene Pfad der Wissenschaft vs. Natur-Diskussion sind Elemente, die verblüffend an das Videospiel The Last of Us erinnern und aus Spoiler-Gründen nicht weiter benannt werden wollen.

Berauschende Bilder

Gaia tritt mit einem brodelnden Sound und besonderer visueller Kraft auf. Im Zusammenspiel mit Effekten und Bildschnitten besitzt der Film eine eigene Strahlkraft und tritt voller Selbstbewusstsein auf. Die Naturaufnahmen, die mit Computeranimationen zusammengefügt wurden, sind wirklich sehenswert und holen das Maximum aus dem Setting heraus. Die visuelle Note ist deswegen ganz besonders hervorzuheben, da der Film an sich selbst erstmal in sich ruhend verläuft und der visuelle Bombast an der einen oder anderen Stelle umso überraschender daherkommt. Nicht mit der “schaut mal, was ich kann”-Keule, sondern gemächlich-erhaben. Ob der Film am Ende nun also den persönlichen Anspruch erfüllt oder nicht, zumindest die Bilder sind ein echter Genuss. Die Dreharbeiten dazu fanden im Tsitsikamma-Nationalpark in Südafrika statt, zu einem Teil im Tsitsikamma-Wald.

Mixed Horror-Bag

Neben all den Momenten des Staunens soll nicht vergessen werden, dass Gaia in erster Linie ein Horrorfilm ist. Öko-Terror trifft es am besten, ansonsten dürfen sich insbesondere Fans des Body-Horrors auf die eine oder andere Szene einstellen, in der es etwas zum Gucken gibt. Der restliche Horror spielt sich vor allem aber im Kopf ab: Biblische Referenzen, Science-Fiction-Theorien, Halluzinationen, Wahnsinn, gefährlicher Kult und das große Unbekannte. Gaia ist kein Fingernagel-Beißer, sondern der gemächliche Arthouse-Horror, der sich seit Mitte der 2010er mit Vertretern wie Midsommar oder The Lodge längst über das Genre hinaus manifestiert hat.

Fazit

Gaia ist ein einzigartiger Film. Das gemächliche Voranschreiten der Handlung mag weniger geduldige Zuschauer*innen schnell zum Abschalten bringen. Wer dranbleibt, bekommt ein Vier Personen-Stück voller bizarrer und mystischer Eleganz kredenzt. Die Natur zeigte sich selten so schön als Schrecken und Schönheit in Personalunion. So oder so ist Gaia also einen Blick wert.

© Square One Entertainment


Veröffentlichung: 24. September 2021

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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