Dragonheart

Drachen hatten es nicht leicht im Mittelalter. Jeder dahergelaufene Siegfried oder Tristan verdiente sich die ritterlichen Ruhmessporen, indem er sich gegen die feuerspeienden Biester mit Schwert und Lanze bewehrte. Kein Wunder also, dass die geflügelten Echsen im 90er-Kinofilm Dragonheart kurz vor dem Aussterben stehen. Doch ein tyrannischer König und die gemeinsamen Fehler der Vergangenheit treiben ausgerechnet den letzten überlebenden Drachen und einen geldgierigen Drachentöter in eine bald nicht mehr nur zweckmäßige Freundschaft.

  

Im Jahr 948 unterrichtet der fähige Ritter Bowen den Kronprinzen eines Königreichs nicht nur im Schwertkampf, sondern auch in alten ritterlichen Lehren von Ehre, Gerechtigkeit und Güte. Lektionen, die Prinz Einon in seiner Erziehung bitter nötig hat, wird doch gerade ein Aufstand des einfachen Volkes im Königreich von Einons Vater mit übertriebener Gewalt niedergeschlagen. Als der ausbeuterische König beim Brandschatzen eines Dorfes in einen fatalen Hinterhalt gerät, wird jedoch auch Einon durch ein Missgeschick der Bauerstochter Kara schwer verletzt und liegt im Sterben. Verzweifelt und in der Hoffnung, dass Einon durch die ihm zuteilgewordenen Lehren zu einem besseren und gerechteren König heranwächst, bringen Bowen und Königsmutter Aislinn den sterbenden Thronfolger in eine mysteriöse Höhle, in der Aislinn einen ihr vertrauten Drachen davon überzeugen kann, sein Herz mit Einon zu teilen, um so dessen Leben zu retten. Allen guten Hoffnungen zum Trotz stellt sich Einon kurze Zeit später sogar als noch größerer Tyrann als sein Vater heraus. Davon überzeugt, dass Einon ein guter und unschuldiger Junge war, der nur durch das Herz des Drachen korrumpiert wurde, schwört Bowen Rache und gelobt den Tod des Drachen, der ihn verraten hat.
Jahre später hat Einon seine Macht mit einer Schreckensherrschaft gefestigt und tötet nach langer Gefangenschaft Karas Vater, den Ringführer der damaligen Rebellion. Abgesehen von Kara will sich jedoch niemand noch einmal gegen den Herrscher auflehnen, weswegen sie die endgültige Absetzung von Einon notfalls alleine umsetzen will. Ein umherziehender Mönch namens Gilbert von Glockenspur gerät derweil unversehens mit einem fliehenden Drachen zusammen – und mit dessen Verfolger Bowen, der diesen Drachen kurzerhand tötet. Ganz begeistert von diesem epischen Kampf, dieser ritterlichen Heldentat, verliert sich Gilbert in literarischen Lobpreisungen über den großen Ritter Bowen und will diesem als Chronist folgen. Der Umstand, dass Bowen Drachen inzwischen eher tötet, um seinen alkoholreichen Lebensunterhalt zu bezahlen und jede Hoffnung aufgegeben hat, tatsächlich den von ihm gesuchten Drachen zu erwischen? Nebensächlich. Gilbert folgt Bowen also auf dessen nächste Jagd, doch stellt sich der neue Drache als eine sehr viel anspruchsvollere Prüfung heraus und der Kampf als langwierige Angelegenheit. Spät nachts, nachdem Bruder Gilbert schon längst nach seitenlang aufgezeichnetem Kampf entschlafen ist und auch Bowen und den Drachen nach einem abendfüllenden Austausch von Schlägen und besonders Beleidigungen die Kräfte verlassen, treffen die beiden Kontrahenten unversehens eine Übereinkunft. Da der Drache, später von Bowen mit dem Namen Draco versehen, der letzte seiner Art ist, würde Bowen mit dessen Tod seinen Lebensunterhalt verlieren. Auch Draco hat wenig Lust, immer nur auf den nächsten schwertschwingenden Heros zu warten und so entschließen sich beide zusammenzuarbeiten. Und so wird das Spiel aus der Angst vor Drachen und dem zwangsläufigen Drachentöten von ihnen nun als ein beidseitig lukratives Schmierentheater inszeniert.

Guter Held, böser König, verschlagener Drache

Originaltitel Dragonheart
Jahr 1996
Land USA, Großbritannien
Genre Fantasy, Abenteuer
Regisseur Rob Cohen
Cast Bowen: Dennis Quaid
Einon: David Thewlis
Kara: Dina Meyer
Gilbert von Glockenspur: Pete Postlethwaite
Felton: Jason Isaacs
Brok: Brian Thompson
Aislinn: Julie Christie
Draco: Sean Connery
Laufzeit 103 Minuten
FSK

Die Geschichte von Dragonheart ist ziemlich geradlinig. Auf der einen Seite ein böser König mit seinen Schergen, der sein Volk schonungslos ausbeutet und dazu noch eine seltsame sexuelle Faszination für seine Beinahemörderin empfindet. Auf der anderen Seite ein heldenhafter Ritter, der nach bestem mittelalterlichen Erzählschema nach einer Verfehlung den richtigen Weg aus den Augen verloren hat und sich vor den ritterlichen Idealen neu beweisen muss. Gerade dort, wo der Film von altbekannten Erzählschemata abweicht, glänzt er jedoch am meisten und zwar bei der Rolle des klassischen Monsters: dem Drachen. Dieser ist nicht das typische herumbrüllende Monster, sondern ein redegewandter Beobachter der Menschen, sodass das Spiel mit typischen Klischees – Drachen sollen ja besonders durch jungfräuliche Menschenopfer zu besänftigen sein – zu den unterhaltsamsten Momenten des Films gehören. Der Streifen ist jedoch Popcorn-Kino der 90er in Reinkultur und spart dementsprechend auch nicht mit den Verfehlungen jener Zeit. Dazu gehören Dennis Quaids blonde Haarpracht und vor allem jene Momente, die auf der flachen Seite des Humors angesiedelt und somit unpassend albern sind. Daneben gibt es noch stereotype Figuren und weiterhin ein rhetorisch, musikalisch und visuell recht hemmungsloser Einsatz von filmischem Pathos. Gerade diese Verfehlungen sind es wahrscheinlich, welche die eher durchschnittlichen Wertungen von Dragonheart erklären, trotzdem hat der Film das beste Potential für einen unterhaltsamen Abend.

Tolle Tricktechnik. Besser: Sean Connery sagt „Yikes!“

Der 1993 veröffentlichte Spielberg-Film Jurassic Park war nicht nur an den Kinokassen ein großer Erfolg, sondern erhielt im Jahr darauf auch die Oscar-Auszeichnung für die besten visuellen Effekte. Durchaus berechtigt, überzeugten die prähistorischen Echsen damals nicht nur als realgetreu nachgebaute Modelle, sondern auch erstmals durchschlagend als digital erschaffene Wesen. In Nachfolge dieses Meilensteins der Tricktechnik – der dafür mitverantwortlich ist, dass ein Großteil der heutigen Kassenschlager mit einem umfangreichen Digitalfeuerwerk um sich schießen – ist auch Dragonheart zu sehen (Funfact: Dragonheart war 1997 ebenfalls für einen Oscar nominiert, musste sich aber den explodierenden Städten aus Independence Day geschlagen geben). Der größtenteils am Computer entstandene Drache sieht zwar auch nach aktuellen Standards noch okay aus, würde dem effektverwöhnten Zuschauer von heute aber auch wenig mehr Anerkennendes als ein Gähnen entlocken. Im Jahr 1996 war dieser dagegen noch die beeindruckende Hauptattraktion des Films, neben der weder Drehbuch noch Schauspieler großartig glänzen mussten. Trotzdem machen die noch ihren Job und besonders dem Sprecher von Draco kommt dabei natürlich die Hauptrolle zu, muss er doch die Augenweide des Films angemessen vertonen. Tut dies im Original James Bond-Legende Sean Connery zwischen Witz und angemessener Erhabenheit, steht die deutsche Tonspur dem in nichts nach und konnte mit Mario Adorf einen schauspielerisch ebenfalls legendären und auch fantasyerprobten (Prinzessin Fantaghirò) Sprecher gewinnen. Neben Hauptdarsteller Dennis Quaid (Die Reise ins Ich) finden sich auch andere bekannte Namen wieder, wie David Thewlis (Fargo) als Einon oder Jason Isaacs (Star Trek: Discovery) mit kuriosem Bart und noch kurioserer Frisur, während Pete Postlethwaite (Die üblichen Verdächtigen) als Bruder Gilbert wohl noch am ehesten Draco die Show stehlen kann.

Oh je, Dragonheart war als Kind wirklich einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Irgendwie war es jetzt schön, ihn nach Jahren mal wieder anzusehen, andererseits ist es aber auch seltsam, etwas kritisch zu betrachten, an dem das Kinderherz so hängt. Damals war dieser Drache wirklich das Beste, was die Tricktechnik zu bieten hatte und nimmt man dem Film diesen Wow-Effekt, dann ist das auch erst mal irgendwie seltsam. Ohne diesen Effekt treten die Schwächen und Na ja-Momente des Films stärker hervor, aber ich find ihn immer noch ziemlich unterhaltsam und mag die Figuren, ganz besonders die Dynamik zwischen Bowen und Draco und ihre verbalen Schlagabtäusche, aber auch Kara und Gilbert passen gut in den Mix, während David Thewlis schon vor zwanzig Jahren ziemlich gut widerwärtige Bösewichte mimen konnte. Rein erzählerisch muss man sich aber auch nicht allzu viel vormachen. Der Film ist nicht schlecht, aber eher leichte und oberflächliche Unterhaltung und würde wohl heute genauso wie seine inzwischen schon drei (!) Fortsetzungen qualitativ eher zu den Direct-to-Video-Titeln gehören. Trotzdem zähle ich den Film nach wie vor zu meinen persönlichen Lieblingen. Manchmal kommt es bei Geschichten nicht darauf an, ob diese nun zu den besten gehören oder etwas komplett Neues erzählen, sondern dass man die richtige Geschichte zur richtigen Zeit hört und das war bei mir und Dragonheart absolut der Fall. Deswegen störe ich mich ziemlich wenig an veralteter Tricktechnik oder filmischen Schrulligkeiten, denn der Film hat meine Kindheit um Ritter, Bösewichte, eine axtschwingende Heldin und einen sprechenden Drachen bereichert. Für mich gehört diese Geschichte deswegen weitererzählt und der Film weiterempfohlen.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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