Der Sternwanderer

Lesezeit: 5 Minuten

Neil Gaiman-Fans haben es aktuell gut, denn nach American Gods und Good Omens wird auch der Fanliebling The Sandman in einer Serie umgesetzt. 2007 sah das dagegen noch etwas anders aus. Abgesehen von einer Adaption von Neverwhere fand Gaimans Werk wenig Beachtung durch die Film- und Serienmacher, ehe sich Regisseur Matthew Vaughn (Kingsman: The Secret Service) dem Fantasyroman Der Sternwanderer (Stardust) annahm und dafür einen aus heutiger Sicht ziemlich beeindruckenden Cast versammelte.

   

Entlang eines Dorfes namens Wall führt im England des 19. Jahrhunderts, wen sollte es wundern, eine bezeichnende Mauer, in der es allerdings eine besondere Lücke gibt. Diese wird rund um die Uhr bewacht und den Dorfbewohnern ist es strengstens untersagt durch diese durchzugehen. Doch der junge Dunstan Thorn tut es trotzdem und gelangt so in eine fremde Welt, wo er auf einem Markt auf allerlei fantastische Sachen stößt. Eine spontane Liebschaft mit dem Sklavenmädchen Una und neun Monate später wird diesem ein neugeborener Junge von der anderen Seite der Mauer überbracht, sein Sohn Tristan. 18 Jahre später ist dieser erwachsen und schwerverliebt in die Dorfschönheit Victoria. Diese bevorzugt allerdings den sehr viel reicheren Humphrey. Als Tristan sich bereit erklärt quasi alles zu tun, um Victorias Hand zu erlangen – und sei es die Sterne vom Himmel zu holen –, stellt diese ihm kurzerhand die Bedingung, ihr eine gerade beobachtete Sternschnuppe innerhalb einer Woche zurückzubringen, also jenen zu Boden gestürzten Stern. Kurz zuvor: Auf der anderen Seite der Mauer liegt der König von Stormhold im Sterben und zu seiner großen Enttäuschung sind noch immer viel zu viele seiner Kinder am Leben. Während seine Tochter Una seit Jahren vermisst wird, gilt es zwischen seinen verbleibenden vier Söhnen die Nachfolge auf den Thron zu regeln und im Gegensatz zu ihm, war keiner ambitioniert genug, die Mitbewerber selbstregelnd restlos umzubringen. Um die Nachfolge also auf nicht-traditionelle Art zu entscheiden, schickt der König einen magischen Rubin aus in die Welt und derjenige seiner Söhne, der ihn zurückbringt, wird selbst König. Beobachtet wird das alles von den Sternen am Himmel, die meist halt eben das machen: Menschen beobachten und hell leuchten. Einer dieser Sterne wird durch den magischen Rubin aber vom Himmel geholt und landet in Form einer jungen Frau namens Yvaine unsanft auf der Erde. Auch drei alte Hexen beobachten dies. Voller Freude tun sie dies, denn verspeist man das Herz eines Sterns, kann das eigene Leben erheblich verlängert werden. Da das Herz des letzten Sterns, den sie getöteten haben, fast aufgebraucht ist, machen sie sich ebenfalls auf die Suche nach dem Yvaine. So beginnt also ein Wettrennen zwischen Tristan, den Prinzen von Stormhold und der Hexe Lamia um Yvaine als unfreiwilligen Preis.

Vom illustrierten Buch zum Film

Originaltitel Stardust
Jahr 2007
Land USA
Genre Fantasy, Abenteuer
Regisseur Matthew Vaughn
Cast Tristan Thorn: Charlie Cox
Yvaine: Claire Danes
Lamia: Michelle Pfeiffer
Septimus: Mark Strong
Captain Shakespeare: Robert De Niro
Ditchwater Sal: Melanie Hill
Primus: Jason Flemyng
Una: Kate Magowan
Laufzeit 130 Minuten
FSK

Ursprünglich 1997 in Zusammenarbeit mit Zeichner Charles Vess als illustrierte Erzählung bei DC Comics (hierzulande bei Panini) erschienen, folgte zwei Jahre später die Romanfassung von Stardust, welche letztlich von Vaughn in Drehbuch und Film umgemünzt wurde. Dies geschah – wie üblich – natürlich nicht ohne Änderungen. Neben einigen Kürzungen, um das Material in einen Spielfilm unterbringen zu können, wurde die Geschichte auch um einige Aspekte erweitert. Die Figur von Captain Shakespeare wurde für De Niro erheblich erweitert. So ist dieser im Roman eigentlich eine blasse, helfende Nebenrolle. Der Film-Shakespeare projiziert dagegen für sein Mannschaftsgesindel den typisch skrupellosen Arrr!-Piraten, ist insgeheim aber ein Fan der feinen, typischerweise dem weiblichen Geschlecht angedachten, Kultur von der anderen Seite der Mauer und wird für Tristan und Yvaine zum Mentor. Eine weitere gewichtige Änderung ist das Finale, das im Gegensatz zur etwas antiklimaktischen Auflösung im Buch in einer spektakulären Auseinandersetzung zwischen Tristan, Septimus und Lamia endet.
Die Umsetzung glänzt zudem auch mit ihren filmischen Möglichkeiten. Zu guten Spezialeffekten stoßen beeindruckende Landschaftsaufnahmen, die meist vom Drehort der Isle of Skye, einer Insel am nördlichen Ende Schottlands, stammen. Zusammen mit dem Soundtrack von Ilan Eshkeri (47 Ronin) ergeben sich so sehr dynamische Sequenzen in der Multiparteien-Jagd auf den gefallenen Stern.

Lucinda Syson

Wer? Lucinda Syson war beim Sternwanderer für das Casting zuständig (neben Regisseur Matthew Vaughn, der bei diversen Besetzungen das letzte Wort hatte) und muss hier für ihr gutes Gespür erwähnt werden. Heute wäre der Film mit demselben Cast wohl sehr, sehr viel teurer. Während sich natürlich auch diverse schon damals bekannte Schauspieler als Zugpferde für die Multimillionendollar-Produktion verpflichten ließen – wie Claire Danes (Homeland), Robert De Niro (Taxi Driver), Michelle Pfeiffer (Die Hexen von Eastwick) oder Peter O’Toole (Lawrence von Arabien) –, sind große wie kleine Rollen mit inzwischen hochkarätigen Namen besetzt, die damals noch am Anfang ihrer Karrieren standen. Inzwischen-Daredevil Charlie Cox bekam als Unbekannter die Hauptrolle als Tristan Thorn, Nicht-mehr-Man of Steel Henry Cavill die Rolle als sein Konkurrent Humphrey, die beide um die Hand von Victoria wetteifern, gespielt von Sienna Miller (Foxcatcher). Ben Barnes (Westworld) spielt in einer Kleinstrolle den jungen Dunstan Thorn und der inzwischen besonders als Antagonistendarsteller bekannte Mark Strong (Sherlock Holmes) machte in Der Sternwanderer als am längsten überlebender Prinz Septimus erstmals international auf sich aufmerksam, auch weil er es schafft den anderen Darstellenden die Show zu stehlen. Dementsprechend: Chapeau, Lucinda Syson!

Fazit

Ich habe den Roman gelesen, obwohl das jetzt schon eine ganze Weile her ist, aber ich glaube die einzige Änderung, mit der ich ein Problem hatte, war, dass Yvaine – nachdem sie auf die Erde gestürzt ist – nicht wie im Buch sehr leise „Fuck“ sagt. Ansonsten sind auch die kommentierenden Geisterprinzen natürlich einfach nur herrlich. Insgesamt ist ein unterhaltsamer Abenteuerfilm bei der Umsetzung rausgekommen, den man sich durchaus auch öfter ansehen kann und der auch optisch immer noch einen sehr guten Eindruck macht. Besonders die finale Auseinandersetzung mit den Hexen und Zombie-Marionetten-Septimus rundet die Geschichte vielleicht sogar noch etwas besser ab als das Romanende.

Zweite Meinung

Wundervolle Kostüme, fantastische Sets. Von dem Zauber von Der Sternwanderer kann man sich nur mitreißen lassen. Der Autor versteht es, aus jeder Figur einen Sympathieträger zu machen. Es fällt schwer, hier jemanden nicht zu mögen. Sogar Michelle Pfeiffer als Hexe Lamia ist immer mit einem Augenzwinkern am Werk und hat man sie erst einmal bei dem eigenen Verjüngungsprozess begleitet, kann man sie nur noch mögen. Die impulsive Yvaine und der gutherzige Tristan bilden ein sich wunderbar ergänzendes Duo, das von der Chemie der beiden Hauptdarsteller zehrt. Robert De Niro zeigt sich von seiner ulkigsten Seite und bekam eine derart individuelle Rolle auf den Leib geschneidert, dass man eine solche Figur in anderen Werken lange suchen muss. An diesem Film gibt es wirklich nichts zu bemängeln. Es ist schön, in Zeiten (gefühlt) tausender Young Adult-Fantasy-Trilogien eine runde und in sich abgeschlossene Fantasy-Geschichte zu haben, die einen sogar mit einem guten Gefühl entlässt.

 

© Paramount

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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