Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere

Lesezeit: 7 Minuten

Eine epische Schlacht wartet: Orks, Menschen, Zwerge und Elben ziehen in den Krieg und mittendrin ein kleiner Hobbit. Nach Eine unerwartete Reise und Smaugs Einöde bildet Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere den Abschluss von Peter Jacksons Trilogie. Vor allem Buchfans waren neugierig, was der Regisseur aus (gefühlt) 20 Seiten des 1937 von J.R.R. Tolkien veröffentlichten Buches Der kleine Hobbit herausholen würde. Dies ist einiges, denn die Kinoversion kommt bereits auf 144 Minuten, die Extended Version schafft es sogar auf 164 Minuten. Viele bemängeln die fehlende Handlung, wenn man sich den Titel “Die Schlacht der fünf Heere vor Augen führt. Denn genau das liefert Peter Jackson ab: Eine große Konfrontation in einem fulminanten Finale.

    

Der gefährliche Drache Smaug (Benedict Cumberbatch, Sherlock) fliegt nach Seestadt und Bilbo (Martin Freeman, Sherlock) blickt ihm voller Angst hinterher. Die fliegende Bestie setzt die komplette Stadt in Schutt und Asche und den Überlebenden bleibt nur die Flucht. Einzig Bard (Luke Evans, Die Schöne und das Biest) nimmt all seinen Mut zusammen und stellt sich dem Drachen entgegen. Nachdem der Bogenschütze erfolgreich aus dem Kampf mit Smaug zurückkehrt, suchen die Menschen Zuflucht bei den Zwergen, um das einzufordern was Thorin (Richard Armitage, Berlin Station) ihnen versprochen hat: Seine Unterstützung sowie ein Anteil am Reichtum, der sich im Erebor befindet. In der Festung unterm Berg haben sich der Anführer der Zwerge Thorin Eichenschild und seine zwölf Gefährten sowie der Hobbit Bilbo Beutlin eingerichtet. Angesichts des riesigen Goldschatzes in den Hallen hat sich der König die sogenannte „Drachenkrankheit“ eingefangen. Er wird immer machtgieriger, kann Gut von Böse nicht mehr unterscheiden und verweigert so auch den Flüchtlingen vor seiner Tür die Hilfe. Auf die Seite der Menschen stellen sich die Elben rund um ihren König Thranduil (Lee Pace, The Book of Henry), doch auch die Orks mit ihrem abgrundtief bösen Anführer Azog (Manu Benett, Spartacus: Gods of the Arena) machen sich auf den Weg zur Zwergenstadt. Alle Zeichen deuten auf einen Krieg hin. Bilbo hofft, einen Kampf verhindern zu können, indem er den Arkenstein (den größten Schatz der Zwerge), den er dem machtbesessenen Thorin gestohlen hat, den Elben und Menschen zum Verhandeln anbietet.

Ein kurioser Auftakt und Veränderungen

Die ersten Minuten rund um Smaug fühlen sich an, als würden sie noch zum zweiten Teil gehören. Somit startet die Handlung mit einem großen Knall, ohne lange Vorreden, Rückblicke oder Dialoge, was vor allem actionliebende Fans begeistern wird. Das Aufeinandertreffen von Bard und Smaug ist ein erstes Highlight, da hier alles stimmig ist. (Wenn man auch davon absehen muss, dass der letzte Pfeil so nicht hätte fliegen können, hätte ein Mensch ihn geschossen). Erst nach diesem actionreichen Prolog wird es wieder ruhiger, aber nicht weniger spannend. Gerade in Sachen Charakterentwicklung wird einiges geboten. Obwohl Bilbo die titelgebende Figur ist, nimmt im dritten Teil eher der Zwergenherrscher Thorin die Rolle des Hauptcharakters ein. Im Vergleich zur vorangegangen Handlung macht er eine starke Veränderung durch, was damit zu tun hat, dass seine Machtgier ihn korrumpiert hat. Unter seinen engsten Vertrauten sieht er nur noch Verrat, was natürlich seinen Freunden sehr zu schaffen macht, da sie ihn nicht wiedererkennen. Bilbo versucht ihn zur Vernunft zu bringen, was mit Worten allerdings nicht zu schaffen ist, deswegen lässt er Taten folgen. Kennt man das Versprechen, das Thorin Eichenschild den Bewohnern der Seestadt gegeben hat, führt seine Reaktion auf das Gespräch mit Bard nun dazu, dass man als Zuschauer nur noch den Kopf schütteln möchte und nicht versteht, wie dieser Zwerg so böse werden konnte. Er will Krieg, was er offen zugibt! Eine unglaubliche schauspielerische Leistung von Richard Armitage, der er schafft, die verschiedenen Facetten des Königs von Erebor und dessen Kampf mit sich selbst glaubwürdig darzustellen.

Verbindungen zu Der Herr der Ringe

Eine passende Verbindung zum Herr der Ringe ergibt sich auf der Festung Dol Guldur. Hier wird Zauberer Gandalf (Ian McKellen, Mr. Holmes) festgehalten, bis die übrigen Mitglieder des Weißen Rates kommen: Elrond (Hugo Weaving, Cloud Atlas), Saruman (Christopher Lee, Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger) und Galadriel (Cate Blanchett, Robin Hood) vereinen sich, um dem grauen Zauberer das Leben zu retten. Besonders beeindruckend ist hier neben dem Kampf mit Magie und Schwert die Macht der Elbin Galadriel, die Saurons Männer in die Knie zwingt und nach Mordor verbannt. Saurons Plan war es, durch die Gefangennahme des grauen Zauberers die Träger der beiden Elbenringe nach Dol Guldur zu locken um mit Hilfe der Ringgeister an eben diese zu kommen. Für Unbehagen sorgt für Kenner der Geschichte um Frodo Beutlin (Elijah Wood, The Last Witch Hunter) Sarumans Worte, er werde sich um Sauron kümmern. Der Ring der Macht kommt ins Gespräch und läutet somit die Schlacht um Mittelerde ein.  Rein optisch bietet dieses Gefecht sehr viel. Besonders Elrond in einer goldenen Rüstung sowie Frau Galadriel, die bis an ihre Grenzen geht, lassen Fanherzen höher schlagen.

Die Heere treffen aufeinander

Die Schlacht, die sich durch die zweite Hälfte des Filmes zieht, ist abwechslungsreich mit einer Vielzahl bombastischer sowie spannender Szenen. Peter Jackson und sein Team konnten sich hier voll austoben: Der Massenkonflikt auf der offenen Ebene, Verfolgungsjagden, die Orks in den Trümmern der Stadt oder die einzelnen Kämpfe fernab des Gemetzels – es kommt keine Langeweile auf. In diesem Teil des Werkes finden sich auch die meisten Erweiterungen der Extended Version zur Kinofassung. Orks, Zwerge, Menschen und ein Hobbit hauen sich gegenseitig die Schädel ein und immer wenn man denkt, dass war es jetzt, kommt von irgendwo ein Pfeil oder sogar eine Axt geflogen. Ebenso werden die verschiedensten Tiere in die Kämpfe eingebunden: Vom Hirsch übers Wildschwein bis hin zu Erdwürmern und Widdern ist alles dabei. Eine dramatische Inszenierung, in der Elben, Menschen und Zwerge einer Überzahl von Orks gegenüber stehen. Und in all den großen Gefechten sind es vor allem die Duelle der Hauptcharakter, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen. So muss Bard seine Kinder retten und die rechte Hand des Bürgermeisters Alfrid rettet sich permanent selbst. Vielleicht wollte man durch ihn in Frauenkleidern Humor einbauen, doch diese Szenen hätte man außen vor lassen können, da sie nicht zur ernsten Stimmung des Geschehens passen.

Die Schlacht geht weiter

Originaltitel The Hobbit: The Battle of the Five Armies
Jahr 2014
Land USA
Genre Fantasy, Abenteuer
Regisseur Peter Jackson
Cast Bilbo Beutlin: Martin Freeman
Gandalf: Ian McKellen
Thorin Eichenschild : Richard Armitage
Legolas: Orlando Bloom
Thranduil: Lee Pace
Bard: Luke Evans
Azog: Manu Bennett
Dain Eisenfuß: Billy Connolly
Laufzeit 144 Minuten
FSK

Die wichtigsten Personen geraten auch im großen Gefecht in den Mittelpunkt. So auch Thorin, der auf seinen Erzfeind trifft. Dadurch, dass viel von seinem Kampf gezeigt wird, verliert man schnell den Überblick darüber, welches Ausmaß der Kampf auf dem riesigen Kriegsfeld mit sich bringt bis die Auseinandersetzung plötzlich ein Ende findet. Es kommen Erinnerungen an Helms Klamm aus Herr der Ringe: Die zwei Türme auf, als sich Elben, Zwerge und Menschen zusammenschließen, um Orks zu bekämpfen. Auf viele Figuren wird nach dem Ende der Kämpfe gar nicht mehr eingegangen, wie etwa einen Teil der Zwergentruppe oder den Bogenschützen Bard. In der ersten Hälfte des Filmes nimmt er eine größere Rolle ein, nach der Schlacht kommt ihm keine Beachtung mehr zu Gute. Ebenso negativ fällt der Versuch auf, der Beziehung zwischen Thranduil und Legolas mehr Tiefe zu geben. Immerhin ist für Fans von Herr der Ringe ein nettes Easteregg eingebaut: Ein Gespräch zwischen Elbenkönig Thranduil und seinem seinem Sohn Legolas, mit dem Auftrag, einen jungen Mann, der auf den Namen „Streicher“ hört, zu suchen (Kennern der Herr der Ringe-Trilogie besser bekannt als Aragorn). Von Thorin bekommt Bilbo ein Kettenhemd aus Mithril, genau dieses gibt er Jahre später in Bruchtal an Frodo weiter.  Bilbos Rückkehr ins Auenland bildet einen nahtlosen Übergang zu Die Gefährten und durch einen Zeitsprung endet die Der Hobbit-Trilogie genau an der Stelle, wo Der Herr der Ringe beginnt. Dies macht Lust darauf, sofort Die Gefährten einzulegen, um in Mittelerde zu bleiben – auch wenn man die Unterschiede der heutigen Filmtechnik im Vergleich deutlich merkt.

Kritisch betrachtete Szenen

Während der gesamten Trilogie (so auch im finalen Teil) gibt es Szenen, bei denen die Meinungen stark auseinander gehen, ob sie hätten sein müssen. Dazu gehört vor allem die Liebesgeschichte zwischen der Elbenkriegerin Tauriel (Evangeline Lilly, Ant-Man) und dem Zwerg Kili (Aidan Turner, Chroniken der Unterwelt – City of Bones), die sich im dritten Teil fortsetzt. Ebenso wie ein Gespräch zwischen Thranduil und seinem Sohn Legolas über dessen Mutter, das für Verwirrung sorgt, da der Hintergrund fehlt, warum diese Worte ausgerechnet jetzt fallen. Da von der Vorlage nicht mehr viel Material übrig war, musste sehr viel Eigenes hinzugedichtet werden, was nicht immer nach jedem Geschmack ausfällt. So zum Beispiel bekommt man im Buch nicht viel von den Kämpfen mit, da die Handlung komplett aus der Sicht von Bilbo erzählt wird, doch dieser bekommt zu Beginn einen Stein an den Kopf und wird bewusstlos. Auch Kritiker sind mit gemischten Gefühlen aus dem Filmerlebnis herausgegangen. So heißt es, Peter Jackson sei im finalen Teil die Luft ausgegangen und die Handlung sei erzählerisch monoton, aber auch ein technisch erstklassiges Fantasy-Action-Abenteuer, dass die größte Schlacht der Reihe (vielleicht sogar der Kinogeschichte) bietet.

Ein emotionaler Abschied von Mittelerde

Nach Till Schweigers Honig im Kopf erreichte Die Schlacht der fünf Heere Platz 2 bei den meist besuchten Kinofilmen 2014 in Deutschland. Des Weiteren erhielt der Film Nominierungen für viele Awards, darunter auch für den „Besten Tonschnitt“ bei den Oscar-Verleihungen. Wie bereits bei den vorangegangenen Filmen wurde die Musik auch hier von Howard Shore (Der Herr der Ringe) komponiert. „The Last Goodbye“, der Song im Abspann, wird von dem Schauspieler Billy Boyd interpretiert, der vielen bekannt ist in seiner Rolle als Pippin in Der Herr der Ringe. Ein emotionaler Titel und und passend für den endgültigen Abschied von Mittelerde. Dies wird ebenso auf einer Extradisc mit Bonusmaterial gezeigt, wo wir den emotionalen Abschied der kompletten Crew von diesem Fantasyepos erleben.

Von allen drei Teilen der Hobbit-Trilogie muss ich sagen, das mir die ersten beiden besser gefallen als der dritte, dennoch ist es ein fulminantes Finale. Besonders Thorin gefällt mir in diesem Film gut, auch wenn ich zunächst nur den Kopf geschüttelt habe und nicht verstehen konnte, was aus ihm geworden ist. Sieht man doch seinen Kampf, den er mit sich selbst ausfechte bis er buchstäblich in die Tiefe stürzt und wieder er selbst wird. Die Szenen, als er sich bei seinen Freunden und Gefährten entschuldigt und sie alle gemeinsam mit ihrem König in den Krieg ziehen, machen für mich den Film aus. Die Schlachten sind beeindruckend und durch Zwerge wie Bifur, Bofur und Bombur kommt auch ein bisschen Humor in das Gefecht. Besonders am Ende, als Thorin Azog gegenübersteht, bin ich nervös geworden. Bilbos Mut finde ich toll, wie er nachdem er den Bard und Thranduil den Arkenstein übergeben hat, wieder zurück geht und Thorin ins Gesicht sagt, dass er den Stein gestohlen hat. Auch hier sieht man, wie besessen Thorin ist, da er bereit wäre, Bilbo umzubringen. Nach einem bombastischen Krieg folgt ein schönes Ende, bei dem man lachen kann, als Bilbo ins Auenland zurückkehrt. Ein super Übergang zum Herr der Ringe. Trotzdem muss ich sagen: am Ende von Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs hatte ich mehr Gänsehaut. Trotz das mir die Hobbit-Trilogie super gefällt, hat mir das am Ende gefehlt.

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Aki
Redakteur

Ich weiß noch wie ich damals ins Kino gegangen bin und mich echt gefragt habe, was man uns hier noch erzählen möchte, da von der Vorlage nicht mehr viel übrig war. Die Kinofassung als solche, war gut aber mir gingen die anderen Zwerge sehr unter. Daher bin ich sehr froh über die EC Version, denn da sieht man in dem ganzen Schlachtgetümmel, was neben Thorin noch passiert. Zwar sind einige Szenen mir persönlich zu humorvoll, was nicht zum ernst der Lage passt aber lieber so, als wenn man sie gar nicht zeigt. Ich steh übrigens auf den Widderwagen und die Verfolungsjadgt *_*

Da ich das Buch gelesen habe, war mir klar, was in punkto Lovestory passieren wird.

Spoiler
Wobei es auch gut hätte sein können, dass Tauriel stirbt, da sie im HdR nicht dabei ist. Na ja immerhin ist der Part besser gelöst, als das plötzliche Vater Sohn Problem beim Legolas und Thranduil.

Richard Armitage hat hier echt ein prima Leistung abgeliefert, denn wie Thorin zum irren König wird ist echt sehenswert. Aber auch den anderen Figuren habe ich hier gerne dabei zugeschaut, was sie so zu erledigen hatten. Ein klein wenig schade finde ich es nur, dass Smaug so schnell erledigt wird. Ich steh halt auf Drache und der Angriff auf Seestadt ist nicht ohne. Doch ist es von der gesamten Filmlänger nur ein Prolog in dem er noch zu sehen ist.

Für mich persönlich der schwächste Teil der Trilogie aber ich würde ihm immer noch 4/5 Drachenschuppen geben.