Dark Encounter

Lesezeit: 3 Minuten

Ein Kind verschwindet und die emotionale Lage aller Angehörigen hängt schief. Diesen Trigger bedient auch Carl Strathie in seinem zweiten Film Dark Encounter. Damit bleibt er dem Science-Fiction-Genre nach seinem Debüt Solis treu und versucht den Zuschauer mit allen Mitteln emotional zu involvieren. Für diesen Zweck übernahm er die Funktion des Regisseurs, des Drehbuchautors, des Cutters und vermutlich sogar des Caterings. Anders lässt sich kaum erklären, dass niemand ihm aufzeigen konnte, wo ein Melodrama besser aufgelöst wird. Dark Encounter feierte seine Deutschlandpremiere auf dem Fantasy Filmfest 2019, wo der Titel im Rahmen des Fresh Blood-Awards gezeigt wurde.

November 1983. Ein Jahr ist es nun her, dass die kleine Maisie spurlos aus dem Elternhaus verschwand. Für ihre Eltern Olivia (Laura Fraser, Better Call Saul) und Ray (Mel Raido, Legend) ist die Welt seitdem stehen geblieben. Obwohl die Suchen eingestellt sind, hängt Olivia noch immer Vermisstenplakate auf und hofft auf ein Zeichen. Als sich der Jahrestag des Verschwindens nähert, versammelt sich die Familie für eine Gedenkfeier. Doch schon bald unterbrechen Lichter am Himmel das Zusammenkommen und ein Familienmitglied verschwindet spurlos. Immer mehr zeichnet sich ab, dass das unerklärliche Phänomen mit Aliens zu tun haben muss. Die Flucht führt ins Haus der Familie, noch nicht ahnend, dass dies der Schauplatz einer sonderbaren Begegnung werden wird …

Dinge passieren, Lichter flackern

Originaltitel Dark Encounter
Jahr 2019
Land Großbritannien
Genre Science-Fiction, Drama
Regisseur Carl Strathie
Cast Olivia: Laura Fraser
Ray: Mel Raido
Billy: Sid Phoenix
Kenneth: Grant Masters
Noah: Spike White
Laufzeit 97 Minuten

Das erste Drittel von Dark Encounter steht ganz im Zeichen der Trauer, die die Charaktere eint – bis der Film umschlägt und eine Begegnung der dritten Art inszeniert. Dabei bleibt das Drehbuch zunächst einmal sehr subtil: Mittels Lichtstrahlen, Schatten oder Bewegungen wird allenfalls angedeutet, was die Ursache sein könnte. “Alien” möchte man noch gar nicht direkt in den Mund nehmen, solange man noch keines gesehen hat. Ganz umsonst scheint die Produktion sowieso nicht in den 80ern angesiedelt zu sein. Sie zollt an allerlei Genre-Titel Tribut. Dazu zählen etwa Unheimliche Begegnung der dritten Art, Stranger Things oder E.T.. Das Lichtspektakel sowie das dumpfe Dröhnen gibt den handelnden Figuren zunächst allerlei Rätsel auf. Selbst wenn Außerirdische ihren Weg auf die Erde gefunden haben sollten, müssten diese äußerst unauffällig und subtil sein. Auf ein großes Effekt-Spektakel muss man sich nicht einstellen. Wie Solis ist auch Dark Encounter ein kleiner Film, der eher von suggestiver Kraft lebt als auf Schauwerte zu setzen.

Menschen stehen herum, Menschen ziehen Schlüsse

Die Neugier für den Zuschauer bewegt sich auf einem mittelmäßigen Niveau. Denn über viel zu lange Zeit bleibt einfach viel zu unkonkret, was nun Sache ist. Strathie zögert Erklärungen solange hinaus, bis man fast keine Lust mehr auf eine Auflösung hat. Anstelle nun aber etwas aus der Auflösung herauszuholen, trifft Strathie eine Entscheidung, die es kaum nachzuvollziehen gilt. In einer langen Sequenz bricht er mit der narrativen Struktur und lässt mittels musikalischem Einsatz die Stimmung anschwellen, um die Auflösung zu präsentieren. Das sorgt angesichts des wirklich gelungenen Scores von Komponist David Stone Hamilton für große Emotionen, ist inhaltlich aber kaum vertretbar. Es stellt sich heraus, dass Maisie Opfer ihres Onkels wurde. Und das kommt nun eben nur dank den gelandeten Aliens ans Licht.  Diese Erkenntnisse geben den Figuren dann wieder Elan, um wild Schlüsse zu ziehen. Keiner weiß so recht, was passiert. Aber jede der Figuren kann aus dem Stehgreif irgendwelche Schlüsse ziehen.

Fazit

Dark Encounter ist vor allem eines: prätentiös. Keine Handlung, keine Entwicklung. Nur Erkenntnisse und flackernde Lichter. Emotionales Involvement bleibt aus, da wir weder Maisie noch die anderen Figuren jemals kennenlernen dürfen, und so geht der Regisseur einfach davon aus, dass die substanzlose Geschichte mittels ein paar Andeutungen schon mitreißen wird. Einzig der pathetische Score ist als gelungen zu bezeichnen.

© Falcom Media

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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