Coming Home in the Dark

Wenn James Ashcrofts Coming Home in the Dark seine Deutschland-Premiere auf dem Fantasy Filmfest 2021 feiert, werden einige Zuschauer:innen ziemlich eiskalt erwischt werden angesichts der Gnadenlosigkeit und den menschlichen Abgründen, die der Regisseur in seinem Terror-Film walten lässt. Das Low Budget-Projekt wurde im tiefsten Winter Neuseelands gedreht und forderte allen Beteiligten viel Energie ab. Dabei entstand nicht nur ein unbequemer, sondern vor allem aufwühlender Thriller, in dem sich binnen Sekunden ein Picknick in eine heftige Tour de Force verwandelt.

 

Hoaggie (Erik Thomson, 800 Words) und Jill (Miriama McDowell, Das Talent des Genesis Potini) sind ein Lehrerpaar und zweifache Eltern. Ein Wochenendtrip mit den beiden Söhnen soll dabei helfen, den Alltag hinter sich zu lassen. Dafür ist die unberührte Natur Neuseelands ideal. Während eines Picknicks wird die Idylle durch zwei unbekannte Männer gestört: Mandrake (Daniel Gillies, Vampire Diaries) und Tubs (Matthias Luafutu, Ghost in the Shell) fackeln nicht lange und noch ehe die Familie sich in Sicherheit bringen kann, sind die Waffen gezückt. Sie wollen kein Geld, denn die Familie ist kein zufälliges Opfer …

Unvorhersehbare Ausbrüche und nihilistische Gewalt

Originaltitel Coming Home in the Dark
Jahr 2021
Land Neuseeland
Genre Thriller, Horror
Regie James Ashcroft
Cast Hoaggie: Erik Thomson
Jill: Miriama McDowell
Mandrake: Daniel Gillies
Tubs: Matthias Luafutu
Jordan: Frankie Paratene
Maika: Billy Paratene
Laufzeit 93 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Fantasy Filmfest 2021

Coming Home in the Dark ist ein Film, der keine Gefangenen macht. Unverzüglich schmeißt er sein Publikum ins trübe Gewässer und macht klar, dass die beiden Antagonisten Mandrake und Tubs weder mit sich reden lassen, noch sonst in irgendeiner Form verhandlungsbereit sind. Schon zu Beginn dürfen schwere Verluste verzeichnet werden und der an den Tag gelegte Gewaltgrad reißt auch danach nicht mehr so schnell ab. Das ist dann allerdings auch schon die eine Facette, also der eine einzigartige Verkaufspunkt, der an dem Film haften bleibt. Es sind die Unvorhersehbarkeit und das Ausmaß der Brutalität, die das Aushängeschild sind – und auch bleiben.

Limitierter Schauplatz

Die Hintergrundgeschichte, die die wahren Motive des Terrorduos ausmacht, bedient sich der neuseeländischen Kriminalgeschichte. So weit, so gut. Nur: Sie fügt der Handlung wenig Substanzielles hinzu. Im Gegenteil: Weder reichen die Geschehnisse aus, um die Taten Mandrakes und Tubs’ zu rechtfertig, noch nachvollziehbar zu erklären. Die Motive sind einfach da, werden aber kaum bis gar nicht glaubhaft herübergebracht, sodass all dies wie ein Vorwand des Drehbuchs wirkt, um die Gewalt so richtig eskalieren zu lassen. Somit bleibt das alles wenig brauchbarer inhaltlicher Ballast, der die Handlung bemüht in die Länge zieht, ohne dass dabei so etwas wie Relevanz entsteht. Da halten auch die kleinen Gewaltspitzen und Psychospielchen die erzählerische Naht nicht zusammen. Das einsame Highlight der Castliste ist Daniel Gillies. Ihm gelingt es, seine unberechenbare Figur Mandrake charismatisch zu spielen und keinerlei externe Einschätzungen aus Zuschauerperspektive zuzulassen. Wird man mit dieser Figur nicht warm, ist es ziemlich schwierig, mit diesem Film zu sympathisieren. Soviel vorgelebter Minimalismus (ein Großteil der Handlung spielt sich während einer Autofahrt ab) ist nicht jedermanns Geschmack, zumal die räumliche Enge zur zwingenden Auseinandersetzung mit den Figuren führt.

Fazit

Coming Home in the Dark kann mit Recht und Fug als einer der bösartigsten Horrorfilme der 2020er bezeichnet werden. James Ashcroft kennt keine Kompromisse, doch an einem der wichtigsten Faktoren fehlt es: Relevanz. Alles, was passiert, interessiert am Ende wenig, weil die Authentizität auf der Strecke bleibt. Ohne erkennbaren Sinn wird der Roadtrip über eine Laufzeit von immerhin 93 Minuten entlang gewalzt, ohne dass der Geschichte etwas Nennenswertes hinzugefügt wird, das sie interessanter oder spannender macht. Auch für den Genrefilm gilt: Gewalt alleine ist keine Lösung.

© Capelight Pictures

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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