Come To Daddy

Lesezeit: 4 Minuten

Ant Timpson dürfte (noch) ein relativ unbekannter Name sein. Dabei umfasst seine Filmografie Erfolge wie Turbo Kid oder Housebound. Doch bislang war er nur als Produzent tätig. Sein Regiedebüt Come to Daddy hat er nun auf dem Fantasy Filmfest 2019 vorgestellt. Mit über 50 Jahren und seinem bisherigen Werdegang unterscheidet er sich deutlich von den jungen wilden Filmemachern, die das Festival dominieren. Und dem fertigen Film ist das deutlich anzumerken. Doch möglicherweise gerade deshalb überrascht die bitterböse Thriller-Komödie Come to Daddy durch ihre handwerkliche Ausgereiftheit.

   

Norval Greenwood (Elijah Wood, The Faculty) ist ein verwöhnter Hipster aus Beverly Hills. Von seiner Mutter großgezogen, hat er seinen Vater (Stephen McHattie, Pontypool) nie kennengelernt. Doch eines Tages erhält er von eben diesem einen Brief, eine Einladung, ihn in seinem Haus am Strand irgendwo am Ende der Welt zu besuchen. Doch das lang ersehnte Wiedersehen entwickelt sich anders als erwartet. Irgendwie scheint Norval nicht willkommen zu sein, und der verschrobene Gastgeber wirkt auch nicht besonders angetan von seinem Nachwuchs. Die Spannungen steigen zunehmend, bis sie schließlich gänzlich eskalieren und eine chaotische Kette kurioser Ereignisse losgetreten wird.

Der Hipster und der Waldschrat

Originaltitel Come To Daddy
Jahr 2019
Land Kanada, Neuseeland, Irland, USA
Genre Thriller, Komödie
Regisseur Ant Timpson
Cast Norval Greenwood: Elijah Wood
Gordon: Stephen McHattie
Brian: Martin Donovan
Jethro: Michael Smiley
Gladys: Madeleine Sami
Ronald Plum: Garfield Wilson
Dandy: Simon Chin
Precious: Ona Grauer
Laufzeit 93 Minuten

Elijah Woods gehört zu jenen Schauspielern, die stets im Schatten ihrer größten Rolle stehen und verzweifelt versuchen, als vielseitiger Darsteller wahrgenommen zu werden. Seit seinem Erfolg mit Herr der Ringe war er in zahlreichen Independent-Produktionen zu sehen, doch der große Hit blieb bisher aus. In Come to Daddy kann Wood aber nun unter Beweis stellen, dass er mehr kann, als sympathische, aber schüchterne Winzlinge zu spielen. Denn hier brilliert er als verwöhnter, angeberischer Hipster, der jenseits urbaner Großräume ziemlich verloren wirkt. Sein Vater hingegen ist der absolute Gegenentwurf. Der bis zur ledernden Echsenhaftigkeit gealterte Stephen McHattie überzeugt als knorriger und exzentrischer Einsiedler. Auch alle weiteren Darsteller legen eine enorme Spielfreude an den Tag und sorgen für zahlreiche Lacher.

Vorwärts immer

Die meisten Genrefilme folgen einem altbewährten Schema. Nach Einführung der Figuren wird eine Exposition etabliert, die dann das Geschehen für den Rest der Laufzeit bestimmt. Timpson hat sich hingegen für eine unkonventionelle Handlungsstruktur entschieden. Durch stets neue Wendungen entwickelt er die Geschichte ständig fort. Immer wieder wundert man sich als Zuschauer, in welchem Filmgenre man überhaupt gelandet ist, und es ist unmöglich vorherzusehen, wie das ganze enden wird. Dies macht den Film zwar nicht unglaublich spannend, sorgt aber für ausreichend Neugier beim Zuschauer, um zwischen den humoristischen Spitzen keine Langeweile aufkommen zu lassen. Nur zur Mitte des Films ergeben sich leichte Längen. Entscheidend ist natürlich, dass man sich die vielen Überraschungen nicht vorab durch Trailer oder Inhaltsbeschreibungen verdirbt. Come to Daddy ist einer jener Filme, der am besten ist, wenn man ihn völlig unvorbereitet sieht.

Denn sie wissen nicht was sie tun

Wie bei den meisten Beiträgen des Fantasy Film Festes dürfen auch hier die Gewaltspitzen nicht fehlen. Und wie so oft sorgen diese weniger für Schrecken, als vielmehr für Belustigung beim Publikum. Denn wenn die Figuren gewalttätig werden, stellen sie sich dabei reichlich schusselig an. Wenn dann noch eine gehörige Portion dummer Zufall hinzukommt, führt das zu den abstrusesten Situationen. Dies erinnert natürlich etwas an entsprechende Werke der Cohen-Brüder und Timpson hat sich hier und da bei verschiedensten Kollegen ausgiebig bedient, doch letztendlich ist es ihm gelungen, die einzelnen Elemente gekonnt zu etwas Neuem und Originellen zu arrangiert.

Fazit

Come to Daddy ist daher als makabere Thriller-Komödie rundum gelungen. Humor und originelle Story ergänzen sich vorzüglich und Langeweile kommt so gut wie nie auf. Auch die Figuren sind nicht nur köstlich geschrieben, sondern großartig besetzt und mit viel Freude gespielt. Tatsächlich profitiert das Erstlingswerk davon, dass Regisseur Timpson als Filmproduzent nicht nur viel Erfahrung, sondern auch die nötigen Geldmittel mitbrachte, um einen handwerklich wie inhaltlich absolut runden Film abzuliefern.

© Splendid Film

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Timo Beyer

Mit Timo Beyer haben wir einen waschechten Historiker in unserer Redaktion, der sich nicht nur mit großer Begeisterung auf jeden Historienfilm stürzt, sondern auch für das klassische Hollywood-Kino brennt. Sein Lieblingsgenre sind Western verschiedenster Couleur, von John Wayne bis Clint Eastwood. Seine Film- und Buchsammlung platzt aus allen Nähten, weshalb er immer auf der Suche nach neuem Stauraum ist.

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