Code 8

Lesezeit: 4 Minuten

Filme über Superhelden (oder generell über Superkräfte) haben für viele bereits längst ihren Zenit überschritten. Und dennoch gibt es neben all den Marvels und DCs immer wieder Independent-Produktionen wie etwa Freaks, die auch ohne Franchise im Hintergrund ein Ausrufezeichen zu setzen wissen. Genrebedingt erwarten Fans häufig CGI-Bombast. Dass es auch ohne funktionieren kann, zeigt der Indie-Film Code 8, der auf einem gleichnamigen Kurzfilm von Jeff Chan basiert und kurz vor seiner Veröffentlichung im Januar 2020 auf dem Fantasy Filmfest White Nights 2020 aufgeführt wurde.

Lincoln City in einer nahen, alternativen Zukunft. Inzwischen besitzen viele Menschen übernatürliche Kräfte (sogenannte PWPs, also “People with Powers”). Doch anstatt als Superhelden gefeiert zu werden, diskriminiert die Bevölkerung sie und drängt sie an den Rande der Gesellschaft. Seitdem Maschinen ihre Funktionen ausfüllen, sind sie nutzlos für die Gesellschaft geworden und werden als gefährlich eingestuft. Weder dürfen ihre Kräfte ausgeübt noch ganz normale Jobs angenommen werden. Dadurch rutschen viele in die Kriminalität und besonders beliebt ist der Verkauf des eigenen Rückenmarks, aus dem die Droge “Psyke” hergestellt wird. Der mit Elektrokräften ausgestattete Connor Reed (Robbie Amell, The Flash) ist einer von ihnen. Um seiner kranken Mutter (Kari Matchett, Cube 2: Hypercube) über die Runden zu helfen, schließt er sich der Gang von Marcus Sutcliffe (Greg Bryk, The Incredible Hulk) an, die Kräfte für kriminelle Machenschaften nutzt …

Der Weg von YouTube zum Spielfilm

Originaltitel Code 8
Jahr 2019
Land Kanada
Genre Science-Fiction, Action
Regie Jeff Chan
Cast Connor Reed: Robbie Amell
Garrett: Stephen Amell
Nia: Kyla Kane
Marcus Sutcliffe: Greg Bryk
Maddy: Laysla De Oliveira
Laufzeit 98 Minuten
FSK
Seit dem 30. Januar 2020 im Handel erhältlich

Die Ursprünge des Films liegen im Jahr 2016, als Regisseur Jeff Chaf seinen Kurzfilm Code 8 auf YouTube stellte. Der zehnminütige Streifen, dessen Hauptrollen bereits damals mit Robbie Amell und Stephen Amell (Arrow) besetzt war, konnte 5,5 Millionen Zuschauer finden. Naheliegend, dass ein solcher Stoff Potenzial für mehr birgt, woraufhin der Langfilm Code 8 entstand. Dank einer Crowdfunding-Kampagne, die vor allem Fans des nicht ganz unähnlichen Films District 9 ansprach, konnte das Projekt erst realisiert werden. Das ursprüngliche Ziel waren 200.000 US-Dollar, am Ende war der Topf mit satten 2,4 Mio. US-Dollar gefüllt. Für einen Hollywood-Film immer noch erschreckend wenig, aber dank populärer Besetzung mit den Darstellern des “Arrow”-verse immer zugkräftig genug.

“Mutanten” als billige Arbeitskräfte

Inhaltlich kann man Code 8 als scifi-lastige und dreckige Variante der X-Men zusammenfassen. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft kommt in beiden Filmen besonders stark zum Tragen, was Code 8 in den ersten Minuten mit News und Bildern des Kurzfilms zusammenfasst. Aus dem politischen Unterbau sind Parallelen auf die heutige von Trump geprägte US-Gesellschaft deutlich zu erkennen, sodass die PWPs ebenso für jegliche Einwanderer stehen könnten. Jeff Chan stellt die Situation radikal dar: Aus der Unterdrückung von Minderheiten wird hier Kapital geschlagen.

Keine Weiterentwicklung

Während das Worldbuilding noch gut funktioniert, fehlen die spannenden Ansätze, mit den eigenen Figuren auch etwas anzufangen. Es fehlt an frischen Ideen und Impulsen, die man noch nicht schon woanders gesehen hat. Die Heist-Idee sorgt für innere Zerrissenheit des Hauptcharakters, was gleichzeitig für eine paar Ecken und Kanten gut ist. Das ist es aber auch schon, denn in Erinnerung bleibt keiner der Charaktere und auch unter den Superkräften befindet sich nichts, was nicht woanders schon herausragendere Darstellung findet. Während die Geschichte um Connor also ohne größere Überraschungen verläuft, ist der Nebenplot rund um die Heilerin Nia (Kyla Kane) der deutlich spannendere Part. Letztlich unterscheiden sich die anderen Charaktere dann nur noch durch ihre Fähigkeiten und die Ausprägung krimineller Energie. Individuelle Einstellungen oder Perspektiven auf das Geschehen wären da wünschenswerter gewesen. Somit keine guten Voraussetzungen, um sich als Zuschauer an bestimmte Figuren zu hängen oder Sympathieträger zu identifizieren.

Reduzierte Schauwerte anstelle eines Effekt-Spektakels

Budgetbedingt sind Actionszenen auf das nötige Maß reduziert. Für Anhänger knalliger Superkräfte-Action definitiv zu wenig, und so muss man sich schon für das Drumherum begeistern können, um Freude an Code 8 zu haben. Wenn es dann mal zur Sache geht, sind die Action-Einlagen reduzierter Natur und erinnern eher an Shoot-Outs aus Thrillern als an moderne Scifi-Reißer. Den Rest regelt wie so oft der Schnitt. Insgesamt ist das niedrige Budget gut genutzt, die Schauplätze und sonstigen Designs wie etwa von den Robocops können sich ebenfalls sehen lassen. Nur das große Effektgewitter bleibt aus, was zu Lasten einer Darstellung der entsprechenden Kräfte fällt. Somit gleicht das Resultat dann einem typischen Heist-Film, der eben in einem Science-Fiction-Setting spielt, von dem man mehr über den dystopischen Hintergrund erfährt als nun über das, was auch wirklich auf den Straßen abgeht.

Fazit

Code 8 kann sich für diejenigen, die sich nicht für das X-Men-Universum erwärmen können, als scifi-lastigere Alternative empfehlen. Unsympathisch ist der Film zwar nicht, nur hätte er ein Drehbuch benötigen können, das mehr aus der eigentlich interessanten Idee herauszuholen weiß. Für Freunde von Superkräften bietet die Geschichte erschreckend wenig Neues und lässt darüber hinaus auch inhaltliche Kreativität vermissen. Das Drehbuch folgt etablierten Mustern, bereits in anderer Form gesehenen Figuren und kommt ohne Hochglanz daher. Wer sich an all dem nicht stört und lieber Genre-Filme als Mainstream-Blockbuster konsumiert, wird bestimmte Facetten zu würdigen wissen. Daher: nur für Fans geeignet.

© Koch Media GmbH

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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