Bullet Train

Japanische Hochgeschwindkeitszüge, auch “Shinkansen” genannt, sind nicht nur unfassbar schnell, sondern haben auch eine international-historische Bedeutung, da durch sie viele europäische Länder zu einer Modernisierung ihrer veralteten Eisenbahnnetze inspiriert wurden. Im englischen Sprachraum hat sich der Begriff “Bullet Train” etabliert und genau so heißt auch die Action-Kömodie des Regisseurs David Leitch, die am 4. August 2022 in den deutschen Kinos startete und am 8. Dezember desselben Jahres auf Disc veröffentlicht werden soll. Bullet Train versetzt die Handlung nämlich in genau so einen Shinkansen und lässt mehrere Auftragsmörder aufeinander los, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen. Der Film adaptiert dabei den gleichnamigen japanischen Roman von Kotaro Isaka, der im Original bereits 2010 erschien. Wie sich die Hollywood-Verfilmung schlägt, erfahrt ihr in unserem Review.

 

Der glücklose Profikiller Ladybug (Brad Pitt, Once Upon a Time … in Hollywood) erhält als Vertretung für seinen Kollegen einen scheinbar harmlosen Auftrag: Er soll in Tokio in den Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszug, auch “Bullet Train” genannt) einsteigen und einen Aktenkoffer mitnehmen. So weit so gut, doch im Shinkansen sind, wie der Zufall so will, nicht nur die beiden Träger des Aktenkoffers, das Duo Lemon (Brian Tyree Henry, Joker) und Tangerine (Aaron Taylor-Johnson, Kick-Ass), sondern noch eine Vielzahl weiterer Killer versammelt. Diese verfolgen alle ihre eigenen, teilweise gar widersprüchlichen Ziele. Doch kann es wirklich ein Zufall sein, dass sich mehrere Killer in einem Shinkansen befinden? Oder schlägt das Schicksal bei Pechvogel Ladybug einfach wieder zu?!

Räumlich begrenzte Handlung

Originaltitel Bullet Train
Jahr 2022
Land USA
Genre Action, Komödie
Regie David Leitch
Cast Ladybug: Brad Pitt
Lemon: Brian Tyree Henry
Tangerine: Aaron Taylor-Johnson
Prinz: Joey King
Yuichi Kimura: Andrew Koji
Wespe: Zazie Beetz
Der Älteste: Hiroyuki Sanada
Der weiße Tod: Michael Shannon
Der Sohn: Logan Lerman
Der Wolf: Bad Bunny
Laufzeit 127 Minuten
FSK
Kinostart: 4. August 2022

Die Handlung von Bullet Train spielt nahezu ausschließlich im Shinkansen, lediglich der Beginn zeigt kurz, wie Ladybug durch die Straßen Tokios stolziert. Doch diese räumliche Begrenzung ist keinesfalls langweilig, sondern sorgt dafür, dass die Handlung sehr komprimiert wirkt, obwohl wirklich einiges passiert und viele Figuren beteiligt sind. Im Gegenteil: Bieten die verschiedenen Abteile des Zuges durchaus abwechslungsreiche Kulissen, gleichzeitig sorgt der enge Raum dafür, dass sich die Hauptfiguren schlichtweg nicht so einfach aus dem Weg gehen können. Sie müssen die Gegebenheiten des Zuges ausnutzen, der noch dazu ein eigenes Abteil nur dem Maskottchen einer beliebten Anime-Serie für Kinder widmet. Solche Aspekte und die leuchtende Kulisse Tokios sowie der verschiedenen Bahnhöfe versprühen die Atmosphäre japanischer Metropolen, wie es sich für ein Setting in diesem Land und noch dazu dem berühmten Bullet Train gehört.

Die Hauptfiguren: nur mit Decknamen bekannt

Die vielen Figuren sind tatsächlich mit wenigen Ausnahmen nur mit einem Decknamen oder gar einer Rolle bekannt. Eine Ausnahme stellt Yuichi Kimura (Andrew Koji, Snake Eyes) dar, dessen Sohn von einem Dach gestoßen wurde. Nach einer kurzen Nachricht begab er sich in den Bullet Train, um den Verantwortlichen zu töten, welcher sich jedoch als eine junge Frau namens “Prinz” (Joey King, The Princess) herausstellt, die ihn in eine Falle gelockt hat. Natürlich bekommt auch Prinz schnell mit, das ein ominöser Aktenkoffer im Zug ist und mischt ebenfalls mit. Das Duo Lemon und Tangerine transportiert hingegen den Aktenkoffer und den Sohn (Logan Lerman, Percy Jackson: Diebe im Olymp) des berüchtigten Kriminellen “der weiße Tod” (Michael Shannon, Nine Perfect Strangers). Als der Aktenkoffer verschwindet und jemand den Sohn mit einem Gift ermordet, geraten beide in eine schwierige Lage. Der weiße Tod toleriert nämlich keine Fehler! Dummerweiße wird Ladybug durch unglückliche Begebenheiten in verdammt viele brenzliche Situationen gebracht, oft ausgelöst durch Missverständnisse. Auch ein Giftmord wird ihm zugeschrieben. Ladybugs Persönlichkeit stellt dabei ein klares Highlight dar. Etwa seine Binsenweisheiten oder wenn er mal wieder von dem Wandel des Lebens sinniert, den er mit seinem Therapeuten besprochen hat (der aber nicht weiß, welchem Berufsfeld sein Patient nachgeht). Ein weiteres unerwartetes Highlight dürfte wohl Lemons Liebe zu der Kinderserie Thomas, die kleine Lokomotive sein. Der Gauner hat sogar stets einen Stickerbogen mit den Zügen der Serie dabei! Bestimmt nicht die Art popkultureller Referenz, die man erwartet, aber sehr herzlich und witzig eingebunden.

Durchgestylt, brutal und temporeich: Das ist Bullet Train

Bullet Train trägt eindeutig die Handschrift des Deadpool 2-Regisseurs: Brutale Szenen werden geradezu im Vorbeigehen abgespielt, wobei nie der Humor zu kurz kommt. Der Bodycount lässt sich durchaus sehen (in einer Szene streiten sich Lemon und Tangerine gar darum, wie viele Menschen sie während ihres letzten Auftrags getötet haben, wonach Zuschauende jeden einzelnen Kill in einem Rückblick bestaunen und mitzählen dürfen) und sicher vor dem Tod ist auch keiner unserer Protagonisten. In jedem Falle begeistert die Produktion mit einem hohen Tempo und das nicht nur durch den Handlungsort. Längen gibt es keine, sondern gut zwei Stunden Action und Adrenalin pur, gepaart mit einer Menge Humor. Das führt zu einem sehr unterhaltsamen Ergebnis. Dazu kommen die zahlreichen gut gemachten Plottwists, die aber für das aufmerksame Publikum zum Teil auch abzuschätzen sind. Am Ende fügt sich ein verrücktes, aber sinnvolles Bild zusammen, denn natürlich ist es kein Zufall, dass so viele Killer in einem Shinkansen sitzen. Dabei werden auch die ein oder anderen Tropes bewusst auf die Spitze getrieben oder auch gekonnt negiert. Das Sahnehäubchen ist die stilistische Präsentation, wie die Einblendung der Rollennamen mittels Lichttafeln und die abgedrehten Stunts (inklusive Slow Motion-Momenten). Neben der vielen Action gibt es sogar kurze emotionale Momente, die trotz des sehr komödiantischen und weniger ernsten Tons gut passen.

Namhafter Cast, atmosphärischer Soundtrack

Mit Brad Pitt wurde ein großer Name für die Rolle des Ladybug gecastet und auch die restlichen Schauspielenden sind keinesfalls Unbekannte, wie etwa Joey King als Prinz. Selbst die Nebenrollen überzeugen mit Channing Tatum, dem Rapper Bad Bunny oder auch Sandra Bullock (deren Rolle im Vorfeld gerne als etwas größer aufgespielt wurde, als sie nun tatsächlich ist). Zuschauende dürfen sich ebenso auf namhafte Cameos freuen. Im Gegensatz zu der Vorlage, in der alle Figuren japanischer Herkunft sind, ist der Charakter-Cast deutlich internationaler (und aus Prinz wurde eine weibliche Figur). Zwar wurde dies stellenweise als Whitewashing kritisiert, aber der Autor selbst lobte die Umsetzung und betonte, dass die Figuren an keine Ethnie oder gar Handlungsort gebunden sind. Neben der großartigen schauspielerischen Leistung wissen auch die beeindruckenden Kulissen zu begeistern. Selbst das CGI-aufwändige Finale weiß zu überzeugen, sowohl inhaltlich als auch in Sachen Präsentation. Abgerundet wird all das mit einem unglaublichen Soundtrack, der sogar Hits wie eine japanische Cover-Version von Bonnie Tylers 80er-Dauerbrenner “Holding Out for a Hero” und den Bee Gees Disco-Klassiker “Stayin’ Alive” enthält.

Fazit

Bullet Train ist eine überzogene, unglaublich packende Actionkomödie, die eine dichte und mit Plottwists nur so verstrickte Handlung präsentiert. Gerade der Shinkansen als Setting ist dabei eine sehr interessante Wahl. Bei dem tollen Humor und den witzigen, aber auch schlagkräftigen Dialogen bleibt kein Auge trocken und Langeweile kommt bei dem stylischen Actionspektakel definitiv keine auf. Die abwechslungsreichen Figuren wachsen dabei auch überraschend fix ans Herz und wissen allesamt auf ihre eigene Art zu unterhalten. Der hochwertige Soundtrack rundet das Erlebnis dann noch ab, sodass zwei Stunden für volle Unterhaltung gesorgt wird. Persönlich gefällt mir der Film sehr gut, der abgedrehte Humor mit der vielseitigen (auch brutalen) Action sorgt einfach dafür, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Für Fans abgedrehter Actionkomödien ist Bullet Train jedenfalls absolutes Pflichtprogramm!

Zweite Meinung:

Rasant, actiongeladen, aber vor allem auch mit ansprechenden oder irrwitzigen Dialogen wartet Bullet Train auf. Dabei schafft es der Film über weite Strecken sehr gut zu unterhalten und die Lachmuskeln immer wieder schnell zur Arbeit zu zwingen. Jedoch geht der Geschichte im späteren Teil etwas die Puste aus. Zum Glück stellt das Finale wieder die Weichen für pausenlose Unterhaltung und vor allem fügt sich die Story logisch zu einem großen Ganzen zusammen. Für mich hätte der finale Akt nur gar nicht so ein CGI-Spektakel sein müssen, denn bis dahin kommt dieses bunte Kammerspiel auch ohne perfekt aus. Die Passagiere dieses Zuges locken alle mit ihren unterschiedlichen Geschichten, genauso wie die Schauspieler, die sie mit viele Liebe zum Leben erwecken. Wer jedoch Sorge hat, dass es bei einem einzigen Zug als Schauplatz schnell für die Augen eintönig wird, wird hier mehr als überrascht.

© Sony Pictures

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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