Bohemian Rhapsody

Lesezeit: 8 Minuten

“Radio Ga Ga”, “Another One Bites the Dust”, “We Will Rock You”. Das sind nur drei Songtitel, aber jeder weiß sofort, wer gemeint ist. Mehr als 200 Millionen verkaufte Alben, über 700 Konzerte und Welttourneen – Queen gilt als Phänomen. Bohemian Rhapsody ist ein Filmdrama und erzählt die Geschichte Freddie Mercurys von der Gründung der Band Queen bis hin zum Live-Aid Konzert im Londoner Wembley-Stadion. Unter der Regie von Bryan Singer (X-Men) und Dexter Fletcher (Eddie the Eagle – Alles ist möglich) nimmt uns Rami Malek (Mr. Robot) mit in die Welt der Musiklegende Freddie Mercury. Seit dem 14. März 2019 ist der Film im Handel erhältlich. Bleibt nur eines zu sagen: „The Show must go on“.

Das Jahr 1970. Student, Außenseiter und Musikliebhaber Farrokh Bulsara, von allen nur Freddie genannt, arbeitet in der Gepäckabfertigung am Flughafen Heathrow in London. Abends streift er gerne durch Bars und besucht Konzerte, dabei lernt er die Musiker Brian May (Gwilym Lee, Inspector Barnaby) und Roger Taylor (Ben Hardy, X-Men: Apocalypse) kennen. Gemeinsam mit John Deacon (Joseph Mazello, G.I. Joe – Die Abrechnung) gründen sie die Band Queen. Durch ihre originellen und individuellen Songs sowie Auftritte bei der BBC werden sie bekannt, haben bald eine große Fangemeinde und finden mit John Reid (Aidan Gillen, Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste) einen erfahrenen Produzenten. Der Song „Bohemian Rhapsody“ sorgt für Weltruhm, auch wenn niemand außer Freddie daran geglaubt hat, dieses Lied einmal im Radio zu hören. Doch privat läuft bei Mercury leider nicht alles rund.

Facettenreich und einzigartig

Der Film deckt eine enorme Zeitspanne ab. In 15 Jahren begleiten wir Queen von der Gründung 1970 bis hin zum Höhepunkt: dem Live Aid Konzert 1985. Die Band um Roger Taylor, Brian May, Freddy Mercury und John Deacon bietet mit ihrer Geschichte und den Erlebnissen die Filmvorlage für Bohemian Rhapsody. Vermischung von Genres, Überschreiten von Grenzen: Queen steht nicht nur für eine Musikrichtung und genau das will Freddie Mercury beweisen. Rami Malek dominiert den Film mit seiner Performance. Mit falschen Zähnen und einer starken Ähnlichkeit zum Original zeigt Malek in seinen Auftritten, dass er ein außergewöhnlicher Schauspieler ist. Mit Gesangstalent und einer enormen Vielseitigkeit schafft er es, Freddie glaubwürdig auf die Bühne zu transportieren. Seine Mimik, Posen und Bewegungen bringt er unglaublich authentisch herüber. Einzig der künstlich erschaffene Überbiss wirkt zu Beginn etwas übertrieben – in den späteren Szenen als Bartträger fällt das allerdings weniger auf. Bereits bei seiner ersten Begegnung mit den zukünftigen Bandmitgliedern Brian May und Roger Taylor wird er aufgrund seines Überbisses auf die Schippe genommen. Dies ist möglicherweise ein Auslöser dafür, dass er später erklärt, seine außergewöhnliche Stimme käme durch seine ungewöhnlichen vier Schneidezähne. Hierbei handelt es sich nur um eine von mehreren Äußerungen im Film, die den Zuschauer schmunzeln lassen.

Dreharbeiten zu Beginn unter keinem guten Stern

Auch wenn der Film aus dem Jahr 2018 ein großer Erfolg wurde, liefen die Dreharbeiten sehr schleppend an. Bereits 2010 kam die Idee für eine Verfilmung auf. Der Fokus sollte hierbei auf Sänger Freddie Mercury liegen, für den ursprünglich der Komiker Sacha Baron Cohen (Brüno) als Darsteller vorgesehen war. Dieser verließ das Projekt 2011 jedoch aufgrund künstlerischer Differenzen. Die Produktion verzögerte sich dennoch immer weiter, außerdem verließ Regisseur Bryan Singer die Crew unerwartet zwei Wochen vor Drehschluss, weswegen der zunächst für die Regie vorgesehene Dexter Fletcher die restlichen Dreharbeiten übernahm, um das Ende zusammenzuführen. Unterstützung erhielt die Produktion von Lead-Gitarrist Brian May und Schlagzeuger Roger Taylor persönlich, die den Hauptdarstellern als Co-Produzenten beratend zur Seite standen. Im Dezember 2018 äußerte May, dass es Ideen zu einer Fortsetzung gebe, welche die Zeit nach Live Aid bis zu Mercurys Tod im November 1991 zeigen solle. Ob dieser Film an den Einspielerfolg von 861 Millionen Dollar von Bohemian Rhapsody herankommt, der damit als erfolgreichste Biographie auf der Leinwand gilt, bleibt abzuwarten.

Genauigkeit der Fakten

Originaltitel Bohemian Rhapsody
Jahr 2018
Land USA, Großbritannien
Genre Drama, Musik, Biografie
Regisseur Bryan Singer, Dexter Fletcher
Cast Freddie Mercury: Rami Malek
Brian May: Gwilym Lee
Roger Taylor: Ben Hardy
John Deacon: Joseph Mazzello
Mary Austin: Lucy Boynton
John Reid: Aidan Gillen
Jim „Miami“ Beach: Tom Hollander
Ray Foster: Mike Myers
Laufzeit 135 Minuten
FSK

Der Film setzt Queen ein Denkmal, wobei er es mit der geschichtlichen Genauigkeit nicht ganz so ernst nimmt. Wer sich mit der Historie der Band auskennt, dem werden einige Veränderungen auffallen. So wurde die Gründung beispielsweise etwas vereinfacht dargestellt. Hinzu kommt, dass die Band nie getrennt war. Im Gegenteil: sie war sogar bis kurz vor ihrem Live Aid Auftritt auf Welttournee. Im Film wird das Konzert als Wiedervereinigung dargestellt. Da der Höhepunkt des Filmes Live Aid ist, wurde Freddies HIV-Diagnose in den Film eingebunden, diese erhielt er allerdings erst nach dem Konzert. Auch das Erscheinen einzelner Lieder springt etwas in der Zeit, denn teilweise wurden sie etwas verschoben um in die Geschichte zu passen. Als Fan muss man darüber hinwegschauen. Schafft man dies, erwartet einen ein Erlebnis voller magischer, dramatischer und fesselnder Momente.

Queen und Live Aid

Live Aid war ein Wohltätigkeitskonzert, das 1985 zugunsten der damals akuten Hungersnot in Äthiopien organisiert wurde. Die Musiker Bob Geldof und Midge Ure organisierten das Festival und es fand großen Anklang. Berühmte Künstler und Bands wie U2, Tina Turner, The Who, Madonna, Mick Jagger und Eric Clapton ließen sich einen Auftritt dort nicht entgehen. Der rund 20-minütige Akt von Queen gilt auch heute noch als Höhepunkt des Konzerts. Im Sommer 1985 spielte Queen so vor 75.000 Menschen im Londoner Wembley Stadion für einen guten Zweck und stahle allen die Show.

Der Wunsch nach Akzeptanz

Neben humorvollen Szenen und solchen, die von der Musik dominiert werden, wirft der Film auch einen Blick auf Freddies Inneres. Durch seine Extrovertiertheit versucht er seine Einsamkeit zu überspielen, in Wahrheit wünscht er sich aber jemanden, der bei ihm ist und ihm Zuwendung schenkt. Das Ende seiner Beziehung mit Mary Austen (Lucy Boynton, Mord im Orient-Express) und Szenen, in denen er einfach sehen will, dass sie das Licht in ihrem Zimmer einschaltet, zeigen sehr deutlich, dass er Angst loszulassen hat und damit allein zu sein. Man erkennt in diesen emotionalen, privaten Szenen einen ganz anderen Freddie. Denn Freddie ist vor allem eins: ein sehr emotionaler Mensch mit einem enormen Repertoire an verschiedenen Gefühlen. Freddies mitfühlende und verletzliche Art zeigt Rami Malek in seinem Schauspiel sehr passend. Der Bezug zur Homosexualität gerät im Film aber in den Hintergrund, was nicht negativ auffällt, da seine Selbstzweifel und der Kampf mit sich thematisiert werden.

Ein Blick hinter die Kulissen

Durch die Co-Produzenten erlaubt die Handlung einen Blick hinter die Kulissen. So beispielsweise die Entstehungsgeschichte des bekannten Taktes von “We Will Rock You”. Tausende Fans haben die Lieder bei Konzerten  mitgesungen und Brian May möchte nun mit den Menschen interagieren, sodass die Leute Musik ohne Instrumente machen. Das ist der Hintergrund des berühmten Klatschens und Stampfens. Solche Szenen sorgen für Lockerheit und den bekannten Aha-Effekt. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut: so wurde für die Dreharbeiten ein originalgetreuer Nachbau der Bühne des Wembley Stadions angefertigt. Queen-Gitarrist May steuerte zudem Originalkonstüme aus de 70ern und 80ern bei. Dazu kann man nur sagen, dass Maskenbildner und Kostümdesigner ganze Arbeit geleistet haben. An Kleidern und Haaren erkennt man, wie die Zeit vergeht. Sieht man Gwillyn Lee als Gitarrist Brian May, kann man kaum einen Unterschied zum Original erkennen. Vor allem Freddie macht aber optisch einen enormen Wandel durch. Vom Teenager mit langen Haaren zum Bühnenstar mit kurzen Haaren, Sonnenbrille und Outfits, die für einen enormen Wiedererkennungswert sorgen.

Songs und Soundtrack

Was wäre ein Film ohne Soundtrack. Dieser umfasst die größten Hits von Queen. Die schwierigste Aufgabe war es, die passenden Songs für die entsprechenden Handlungsabläufe zu finden, um diese authentisch herüberzubringen, was dem Lied plus den entsprechenden Szenen eindrucksvoll gelingt. Seien es die Tonaufnahmen der Band zu “Bohemian Rhapsody” auf einem Bauernhof, bei denen Freddie seine Bandkollegen mit dem Namen Galileo zur Weißglut treibt, oder eine ruhige Szene, in der Mercury vor seinem Klavier auf dem Rücken liegt, nach oben greift und die ersten Takte dieses berühmten Liedes spielt. Zudem begleitet der Zuschauer Queen bei den Dreharbeiten des Musikvideos zu “I Want to break free“, das in der Realität bereits für Aufruhr sorgte, da die Männer in Frauenkleidern dargestellt werden.

Nach dem Film ist vor dem Film

Ein Blick auf das Bonusmaterial lohnt sich, denn dieses beinhaltet eine Dokumentation “Wie aus Rami Malek Freddie wird“. Die Zuschauer erfahren Wissenswertes über Mercury, seinen Migrationshintergrund und wie Malek die Rolle angeboten wurde. Zusätzlich sein Training mit einem Bewegungscoach um die ganzen Abläufe und Posen authentisch darzustellen. Außerdem kann man sich die komplette Live Aid Performance von Queen anschauen. In über 20 Minuten erfährt man, wie es 1985 ausgesehen hat, als die Band mit mehreren Songs auf der Bühne des Wembley Stadions stand – im Film wurde diese Szene gekürzt. Den Produzenten ist es gelungen, die Illusion zu erschaffen, der echten Band beim Spielen auf der Leinwand zuzusehen. Im Abspann werden zudem Originalbilder und Videos gezeigt und es folgen Erklärungen, was nach dem Live Aid geschehen ist. Ein runder Abschluss mit der Geschichte von Freddie Mercury.

Preise und Ehrungen

Bei den Academy Awards 2019 wurde der Film mit vier Oscars ausgezeichnet. Unter anderem für den “Besten Tonschnitt”, den “Besten Ton” und den “Besten Schnitt”. In der Rolle des Freddie Mercury schaffte es Rami Malek, den Sänger so einmalig darzustellen, dass er mit dem Oscar für den “Besten Hauptdarsteller” ausgezeichnet wurde. Dazu gab es den Golden Globe in den Rubriken „Bestes Filmdrama“ und „Bester Hauptdarsteller“. Hat man unseren Freddie gesehen und auch die Musik des Films aufgenommen, verdient Bohemian Rhapsody diese Auszeichnungen. Queen sagt zurecht: “We are the Champions”.

Fazit

Ich kann nicht sagen, wie viele Lieder von Queen ich schon gehört und mitgesungen habe. Mit ihren eingängigen Texten bleiben sie schnell hängen und Melodien wie „We will rock you“ und „We are the Champions“ erkennt man sofort. Besonders Rami Malek als Freddie überraschte mich extrem. Ich kenne das Original auch nur aus Videos, doch alleine seine Posen und Bewegungen faszinieren mich. Vor allem durch die Kleidung und Frisuren fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Nur Freddies Überbiss ist mir ein bisschen zu übertrieben. Mit seinen Locken habe ich mich total in Brian May verliebt, er ist mir auch super sympathisch. Abwechslung ist  durch ruhige Momente gegebend, die aber auch dramatisch werden und einen Einblick in Freddies Gefühlswelt geben. Das Highlight ist natürlich das Finale: Ich habe bei jedem Lied mitgesungen. Auch das ist ein Punkt, der mir vom Beginn an bis zum Abspann gefällt. Viele Melodien von Queen und die passenden Lieder für die jeweiligen Momente.

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