Bad Candy

Welche Gemeinsamkeit herrscht zwischen Romanzen und Horror? Auf den ersten Blick keine. Doch beide Genres sind so variantenreich, dass sie eine Vielzahl an Möglichkeiten schaffen und sich aus der originellsten Idee eine Kurzgeschichte entspinnt. Mehrere Kurzgeschichten unter einen Hut gebracht, den passenden Rahmen gefunden und fertig ist eine Anthologie. Das Regie-Duo Scott B. Hansen und Desiree Connell machte es sich zur Aufgabe, mehrere Geschichten um den wichtigsten Eintrag im Kalender eines jeden Horror-Fans (die Rede ist selbstverständlich von Halloween) zu erzählen und als abwechslungsreiche Kurzgeschichtensammlung zu verpacken. Die Anthologie durfte das Obscura Filmfest 2021 abschließen, wo sie auch gleichzeitig ihre Deutschland-Premiere feierte.

 

Es ist die Halloween-Nacht in New Salem. Die beiden Radio-DJs Paul (Zach Galligan, Gremlins) und Billy (Corey Taylor, Slipknot-Sänger) versuchen das Örtchen mit gruseligen Geschichten in Angst und Schrecken zu versetzen. Dabei setzen sie auf lokale Mythen. Derweil treibt auch ein Killer-Clown sein Unwesen, der von einem Mädchen aus tiefster Verzweiflung hinaufbeschworen wurde …

Originaltitel Bad Candy
Jahr 2021
Land USA
Genre Horror
Regie Scott B. Hansen, Desiree Connell
Cast Paul: Zach Galligan
Chuck: Michael Aaron Milligan
Chilly Billy: Corey Taylor
Greg: Kevin Wayne
Jimmy: David Walterhouse
Laufzeit 100 Minuten
FSK unbekannt
Bislang keine Veröffentlichung in Deutschland

Anthologien und ihre Herausforderungen

Die Qualität von Horror-Anthologien steht und fällt weniger mit dem narrativen Rahmen als viel mehr mit dem Abwechslungsreichtum, den die einzelnen Geschichten mit sich bringen. Schwankender kann die subjektive Wahrnehmung einer Anthologie also kaum sein, denn wie auf einer Waagschale bildet jede Geschichte am Ende ein Gewicht. Entweder auf der positiven oder negativen Seite. Schaut man sich die Entwicklung an, wurden mit Trick’r Treat – Die Nacht der Schrecken, Ghost Stories, Scare Package, The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte, The ABC’s of Death oder Asylum – Irre-phantastische Horror-Geschichten seit den 2010ern zunehmend Geschichtensammlungen im Horror-Genre auf den Markt gedrängt. Sich in dem dichten Getümmel zu positionieren ist eine Aufgabe, an der Bad Candy zu knabbern hat. Die Rahmenstory glänzt mit wenig Einfallsreichtum. Es ist nicht das erste (und vermutlich auch nicht das letzte) Mal, dass Radio-DJs Geschichten an ihre Hörer:innen bringen. Das hat zuletzt A Night of Horror: Nightmare Radio mit durchschnittlichem Erfolg versucht. Lassen kann man dem Film, dass das Zusammenspiel zwischen Zach Galligan und Michael Aaron Milligan funktioniert und sie eine Brücke zwischen den Einzelfilmen bilden.

Ein neuer Horrorclown auf dem Thron

Bad Candy tut gut daran, sich konsequent am eigenen Halloween-Thema entlang zu hangeln. Wir begegnen ganzen Horden an stimmungsvoll beleuchteten Kürbissen, toller Deko und wohliger Atmosphäre. Unter diesem Gesichtspunkt hat Bad Candy es also durchaus verdient, unter zukünftigen Halloween-Filmen mitaufgeführt zu werden. Dem Regie-Duo gelingt es, atmosphärisch den Nerv der 80er oder besser gesagt Horrorfilme der 80er zu treffen: Exzessiver Nebel, heulende Wölfe, Überbeleuchtung und natürlich neonlichtfarbene Schriftzüge. Dort anzusiedeln ist allerdings auch die Qualität der Special Effects aus dem Computer, deren geringer Produktionswert im Gegensatz zu den handgemachten Effekten Rückschlüsse auf das Budget zulässt. Besonders deutlich wird dies bei Chilly Billys Entstehungsmythos, als eine Elfe durch ein Kinderzimmer flattert und das eher nach Low Budget-Musikvideo aussieht. Wichtiger sind allerdings Kostüm und Make-up, eine Disziplin, in der Bad Candy überzeugt. Sowohl der fiese Clown als auch ein Gargoyle sowie andere Geschöpfe der Nacht hinterlassen einen furchterregenden Eindruck. Vor diesem Clown rennen selbst Halloweenie Sam aus Trick ‘r Treat und Pennywise (ES) davon!

Episoden ohne größeren Erinnerungswert

Die fünf Kurzgeschichten fallen eher durchwachsen aus. Zu den Höhepunkten zählt mit Sicherheit die zweite Geschichte um Mr. Grimsley (Bill Pacer), der seine Halloween-Gaben mit Rasierklingen und anderen spitzigen Gegenständen präpariert. Ein herrlich gemeiner Einfall, aber auch die einzige Idee, die einen solchen Biss mitbringt. Noch zu erwähnen ist vielleicht die vierte Geschichte um Abbie (Haley Leary), die leichte Stephen King-Vibes mitbringt.

Fazit

Bad Candy ist inhaltlich nicht stark genug, um mit anderen Horror-Anthologien mithalten zu können. Vergleiche zu etwa Scary Stories to Tell in the Dark stellen sich dabei gar nicht erst, aber auch andere Indie-Produktionen stechen mit ihrer Kreativen und einzelnen Episoden deutlich positiver hervor. Worin der Film dann allerdings die Nase vorne hat, ist das Treffen der spooky Vibes, die Halloween eben auszeichnen. Ob das ausreicht, um den Film als Gesamtproduktion zu feiern, hängt am Ende davon ab, wieviel Liebe man Halloween entgegenbringt.

© Epic Pictures

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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