Attack on Titan: Film 1

Lesezeit: 5 Minuten

Die Invasion der Titanen – ein crossmedialer Siegeszug! Nach dem sensationellen Erfolg des Mangas und der Animeserie Attack on Titan war es nur eine Frage der Zeit, bis sich der Stoff, ähnlich wie bei Death Note, auch auf andere Formate übertragen würde. So wurde 2015 die ambitionierte Live Action in den japanischen Kinos ausgestrahlt. Das Kazé Anime Schwesterlabel Eye See Movies veröffentlichte beide Filme Anfang 2018 auch in Deutschland. Ein ambitioniertes Vorhaben, das wuchtige Menschenfresser-Projekt mit echten Menschen umzusetzen.

    

Über 100 Jahre ist es nun her, dass gigantische Menschenfresser aus dem Nichts auftauchten und kurzen Prozess mit der Menschheit machten. Die wenigen Überlebenden zogen sich hinter drei große Mauerringe zurück, die sie seitdem von der Außenwelt isolieren. Mit verstreichender Zeit verloren die Menschen nicht nur das Wissen über das Geschehen außerhalb der Mauern, sondern wägten sich auch zunehmend wieder in Sicherheit. So auch der Junge Eren, der mit seinen Freunden Armin und Mikasa durch das Sperrgebiet am Ende des Fußwalls marschiert. Mit einem gewaltigen Beben steht den drei Jugendlichen plötzlich ein kolossaler Titan am Mauerrand gegenüber und ehe sie sich versehen können, tritt er den Steinwall ein und macht den Weg für seine Artgenossen frei, die ein bestialisches Massaker anrichten. Eren und Armin können dem Blutbad entkommen, doch von Mikasa fehlt jede Spur…

Eine offene Adaption – kein einfaches Unterfangen

Originaltitel Shingeki no Kyojin
Jahr 2015
Land Japan
Genre Action, Splatter
Regisseur Shinji Higuchi
Cast Eren Jäger: Haruma Miura
Mikasa Ackerman: Kiko Mizuhara
Armin Arlert: Kanata Hongo
Shikishima: Hiroki Hasegawa
Jean Kirstein: Takahiro Miura
Sasha Blouse: Nanami Sakuraba
Laufzeit 98 Minuten
FSK

Für jeden Regisseur ist es eine Herausforderung, eine Geschichte zu adaptieren, die zum Zeitpunkt der Konzeption über kein Ende verfügt. Das erweist sich auch im Falle von Attack on Titan als Schlagloch. Schließlich ist offen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln soll. Gleichzeitig war der Original-Manga von Hajime Isayama 2015 bereits soweit vorangeschritten, dass die Handlung keineswegs in rund drei Stunden untergebracht werden konnte. Deshalb ging Shinji Higuchi den Weg, den er gehen musste. Er nahm das Setting, das Handlungsgerüst und die Figuren als Zutaten mit und schüttete diese in den Live Action-Würfelbecher, um ein neues Gericht zu zaubern, das zwar den Namen Attack on Titan trägt, aber…

Die Geister scheiden sich

… nicht mehr viel mit dem beliebten Original zu tun hat. Während die Originalhandlung in einem mittelalterlichen Deutschland spielt, wurde das Setting hier nun in Japan positioniert. Bei nicht mit der Thematik bewanderten Zuschauern (wobei: wer lässt sich ohne Vorlagenkenntnis auf eine Live Action ein, ohne vom zugehörigen Titelbild abgeschreckt zu werden?) mag das Fragezeichen aufwerfen, weshalb Japaner mit deutschen Namen in einem mittelalterlichen Japan unterwegs sind. Auch die Figuren haben nicht mehr viel mit ihren Namensvettern gemeinsam. Manch einer wie Armin muss auf seine blonden Haare verzichten, andere auf wichtige, fehlende Nebenfiguren. Fan-Liebling Levi hat es nicht in den Film geschafft und andere Figuren wurden zu einer neuen kombiniert. So etwa im Falle von Connie Springer und Marco Bott, die nun im Körper von Sannagi zusammenfinden. Ohnehin tauchen nur fünf Figuren namentlich auf: Eren, Mikasa, Armin, Sasha und Hanji. Letztere beiden sind auch die Comedytreiber, die sich als Störfaktoren erweisen. Die Verfressenheit einer Sasha sowie Hanjis exzentrisches Wesen mögen in einem Anime funktionieren, doch in einem Realfilm wirken die beiden Charaktere stark überzeichnet. Da die Geschichte ohnehin stark gestrafft ist, fallen die Figuren eindimensional aus.

Und nun mal ganz frei von Vorurteilen…

Wer sich angesichts dieser Umstände auf den Film einlässt und von jeglicher Vorlagenkenntnis befreien kann, den erwartet durchaus ein visuell ansehnlicher Action-Fantasy-Mix im Steampunk-Look. Motorisierte Fahrzeuge in der Ödnis erinnern entfernt an Mad Max und die trostlosen Ruinen, durch die sich die Jugendlichen bewegen, sorgen für so manchen Maze Runner-Vibe. Am spannendsten ist die Frage nach der Darstellung der Titanen. Diese haben tricktechnisch durchaus etwas auf dem Kasten dank des Studios um Katsuro Onoue (Onmyoji 2). Hierbei setzte er auf verschiedene Techniken. Einerseits bewegten sich reale Darsteller durch Miniaturstädte, andererseits entstanden am Computer grotesk verfremdete Fratzen. Vereint mit den steifen Bewegungen wurden Titanen zum Leben erweckt, die selbst erfahrene Horror-Fans erschaudern lassen. Das manische Kiechern und ekelerregende Gurgeln verleihen den Menschenfressern eine Schauer erregende Natürlichkeit. Für eine FSK16 geht es erstaunlich splatterhaft zu. Blutfontänen verteilen sich quer über den Bildschirm, Körper werden zerfetzt und zweigeteilt. Zwar geht es nicht so weit, dass einzelne Gedärme hervortreten, doch der Ekelfaktor lebt von den dauerschmatzenden und blutrünstigen Monstern.

Je nachdem, aus welcher Perspektive man den Film betrachtet, werden die Meinungen unterschiedlich ausfallen. Nichtkenner der Vorlage könnten durchaus Gefallen an den stimmungsvollen Bauten, dem Steampunk-Look und den tempolastigen Actionszenen haben. Alle anderen werden diese Live Action-Variante wieder einmal als misslungene Adaption eines beliebten Stoffes betrachten, dessen Länge einfach nicht für ein zweiteiliges Filmformat gemacht ist. Wer sich auf den Film einlässt und ihn als eigenständiges Werk betrachtet, findet bestimmt den einen oder anderen Punkt, dem er etwas abgewinnen kann. In meiner Gunst versagt der Film leider gänzlich, weil die Figuren langweilen, überzeichnete Stereotypen sind und die japanische Schauspielkunst ihr Übriges tut, um keinen Gefallen daran zu finden. Einzig die Inszenierung um die Titanen punktet auf voller Ebene, kann aber für sich alleine stehend nicht viel reißen.

 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Alva Sangai
Redakteur

Hab den Film noch nicht gesehen, aber wenn ich das so lese, glaube ich auch kaum, dass mich diese Version von AoT begeistern könnte.

Ayla
Redakteur

Ich habe den Film letztens auf Tele 5 gesehen und empfand ihn auch als unterirdisch, obwohl ich sowieso niedrige Erwartungen hatte. Ich glaube, ich könnte einen ganzen Aufsatz darüber verfassen, was mir an dem Film missfällt. Leider ist das Ganze in meinen Augen höchstens geeignet, um sich an einem Filmabend über die bescheuerten Einzelheiten des Films auszulassen.

Für mich ein wirklicher Reinfall, den ich nicht gebraucht hätte.