Assassins – Die Killer

Richard Donner (Leathal Weapon) und Joel Silver (Nur 48 Stunden) drehen und produzieren in den 90ern einen Film der Wachowskis über Profikiller, die von Sylvester Stallone (die lebende Legende, die es mit ihren erfundenen Figuren Rambo und Rocky in den Duden geschafft hat), der zum damaligen Zeitpunkt heißeste Newcomer im Actiongenre dank Desperado sowie Antonio Banderas verkörpert werden. Als weiblicher Counterpart zum Testosteronspiegel: die wundervolle Julian Moore, die zum Zeitpunkt dank Auf der Flucht und Short Cuts zeigte, dass sie rasante Action und Charakterstudien kann. Dabei herausgekommen ist Assassins – Die Killer.

 

Robert Rath (Sylvester Stallone, Rocky) ist Auftragsmörder, ein Professional. Er gilt als die unangefochtene Nummer 1 im Geschäft. Einem Geschäft, das keine Freunde und Fehler zulässt. Dies weiß Robert nur zu gut. So muss er über 15 Jahre mit immensen Schuldgefühlen  leben. Der Auftrag damals: töte Freund und Kollegen. Ein letzter Auftrag und dann soll Schluss sein. Doch ein jüngerer, durchgeknallter „Kollege“ schnappt den Abschluss und zeigt der „Insiderwelt“, was er von Rath hält. Rath will unbedingt wissen, wer der Rivale und dessen Auftraggeber sind. Denn wo Rath noch Skrupel und Ethik besitzt, übt sein Rivale Bain (Antonio Banderas, Expendables) perverse Neigungen aus. Unschuldige sind willkommene Zielübungen. Ein bleihaltiges Katz- und Mausspiel beginnt.  

Hätte, hätte, Größenwahn 

Originaltitel Assassins
Jahr 1995
Land USA
Genre Action-Thriller
Regie Richard Donner
Cast Robert Rath: Sylvester Stallone
Miguel Bain: Antonio Banderas
Electra: Julianne Moore
Nicolai Tashlinkov: Anatoli Davydov
Ketcham: Muse Watson
Alan Branch: Steve Kahan
Jennifer: Kelly Rowan
Laufzeit 132 Minuten
FSK

Wenn man hört, dass ein Film 50 Mio. US-Dollar kostet und davon alleine 15 Mio. als Gage für Stallone draufgehen – das war in den 80ern und 90ern ein Qualitätsmerkmal. Hält man sich zusätzlich kurz vor Augen hält, wer alles für diesen Blockbuster als B-Lösung parat stand, ist das schier beeindruckend. So sollte unter anderem Mel Gibson Regie führen. Dieser wollte auch, war aber mit Braveheart zu sehr beschäftigt. Die Rolle von Rath hätte, wenn nicht Stallone, an Michael Douglas oder Arnold Schwarzenegger gehen sollen. Bain sollte ursprünglich von Christian Slater verkörpert werden. Dieser hat leider abgesagt und sich klammheimlich aus der A-Riege Hollywoods verabschiedet, dank eben solcher Absagen. Die 90er. Egos standen dauerhaft den Verhandlungen im Wege. Die Gliederung Held, Bösewicht, Held bekommt Damsel-in-Distress, strahlender Sonnenschein ist das Schema F des Erfolgs. Da konnte man sich nicht anmaßen, diese Formel zu sprengen. Schade, denn in den 90ern einen Saubermann Tom Cruise als psychopathischer Bösewicht ohne Gewissen hätten sicherlich einige Zuschauer damals und auch heute noch gern gesehen. Wobei, da war doch was?  

Routiniers und politische Flagge 

Das sogenannte Schema F hat immer mehrere Seiten. So ist Richard Donner eine Institution in Film und Fernsehen. Er verantwortete unter anderem in Kooperation mit Robert Zemeckis Tales from the Crypt. Eine dunkle, blutige Horrorgeschichtensammlung, welche Kultstatus genießt. Darüber hinaus ist Richard Donners Vita des Actionthrillers beeindruckend. Er erzählt Geschichten meist mit einem Augenzwinkern und Humor, verliert aber seine Ideale nicht. Es mag sein, dass insbesondere Assassins – Die Killer 1995 für Aufruhr sorgte. Denn mit Rath fiebert der Zuschauer mit einem Killer, im Endeffekt genau dieser Person, die ihn jagt. Zwei vom selben Schlag. Nur, weil der eine nicht zwangsläufig Kinder und schwangere Frauen erschießt, bedeutet es bei weitem nicht, dass Rath ein Heiliger im Film ist. Donner hat es zu seiner Handschrift gemacht, seine „liberalen“ (bitte ohne Wertung zu sehen) Werte unterzubringen. [Spoiler] So finden sich immer wieder auf Bus oder Kleidung der Protagonisten Stallone, Banderas und auch Moore Patches oder Logos der Anti-NRA oder PETA (von dem Donner ein großer Fan ist). Das zieht sich durch den gesamten Film, in denen Donner sogar ein Schild anbrachte, Tiere aus Heimen zu adoptieren. [/Spoiler] Man kann Donner nicht vorwerfen, die Bühne nicht sinnvoll zu nutzen. Dabei sind seine Hinweise subtil und stechen nicht mit dem Finger ins Auge.  

Routine und Gadgets 

Assassins – Die Killer hat einen Charme und Look, der seit Erscheinung bis heute, mittlerweile mehr als 25 Jahre, mithalten kann. Die Geschichte ist spannend erzählt, jeder bekommt seine Zeit und wie man es erwartet, gibt es Action, Action und noch mehr Action. Doch spannend erzählt bedeutet nicht, dass man Plotauflösungen oder Hintergründe erfährt. Die wohl nervenaufreibendsten Szenen, die bis heute den Zahn der Zeit überlebten und überleben, haben ein klein wenig Geschichte geschrieben. Die Taxifahrt wird etwa in Collateral – einem anderen großartigen Film über einen Profikiller aufgegriffen. Dieses Mal mit Tom Cruise als Bösewicht.  Sowie der Showdown. Gefühlt 157.985 mal gesehen, und dennoch zelebrieren wir diesen, wenn wir ihn sehen und vermissen ihn, wenn er anders daherkommt. Soll jemand sagen, Hollywood präge unsere Erwartungshaltung nicht.  

Fazit

Assassins – Die Killer bietet einen großartig aufgelegten Stallone, der hier bereits den alternden Mentor spielte. Ohne Häme, aber die Mimik von Stallone passt und man wird schnell mit der Figur Rath warm. Leider bekommt einzig und allein der „Held“ eine Hintergrundstory und Bain verkümmert etwas zum aufblitzenden Psychopathen. Oder erschreckender, man ist mittlerweile an Handlungen wie von Bain gewohnt und fragt sich eher: Welche Kleinstadt hat es erwischt? Banderas ist in meinen Augen der Star, denn auch ohne Background merkt man ihm an, wie er in der Rolle aufgeht und es genießt, als Bain Rath das Leben zur Hölle zu machen. Das Ende ist typisch für die Dekade etwas lang gezogen. Dennoch sind Erzähltempo, Schnitt, Action, Witz, Charme in einer Balance, sodass man diesen Film immer und immer wieder hervor nehmen kann. Man erwischt sich wie man denkt: heute würde man das nicht mehr drehen können und lächelt. Die Wachowskis haben ein Faible für Assassinen bzw. Profikiller und haben mit dem Ursprungsdrehbuch etwas dem Zeitgeist antizyklisch entgegengewirkt. Düsterer, dunkler und vor allem waren beide Profis frei von Skrupel sowie der Bodycount Unschuldiger wesentlich höher. Bekommen hat man einen Actioner mit feinem Gespür für Thriller, aber auch Drama-Elemente. 

© Warner Home Video

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