Aquaman

Lesezeit: 6 Minuten

Unter Wasser atmen, mit Fischen reden und dabei einen orange-grünen Anzug tragen – DCs Superheld Aquaman wird oft verunglimpft und es ist eine Tradition, schlechte Witze über ihn zu reißen. Und dieser Typ soll jetzt dabei helfen, dass das angeschlagene Kinouniversum von DC aus dem Hause Warner Bros. auf Kurs kommt. Im Film Justice League ließ er seine ansehnlichen Muskeln spielen, doch kann Schauspieler Jason Momoa (Game of Thrones) durchaus mehr. Aquaman ist eine klassische Originstory, die dem Publikum die Unterwasserwelt von Atlantis näher bringt. Hailight oder feuchte Klatsche?

    

Atlantis war einst eine prächtige Stadt, deren Bewohner dem Rest der Menschheit technologisch weit überlegen waren. Doch das Streben nach mehr Macht führte zu Arroganz und dem wortwörtlichen Untergang. Unter dem Meeresspiegel erblühte die Zivilisation in sieben Königreichen neu und entwickelte sich im Verborgenen parallel zur Landbevölkerung. 1985 flieht Königin Atlanna (Nicole Kidman, Moulin Rouge) vor einer arrangierten Ehe aus Atlantis und landet verletzt bei dem Leuchtturmwärte Thomas Curry (Temuera Morrison, Vaiana) in Maine. Obwohl sie aus so unterschiedlichen Welten stammen, verlieben sich die beiden und zeugen Sohn Arthur. Als Jahre später atlantische Soldaten auftauchen, beschließt Atlanna schweren Herzens ins Meer zurückzukehren. Nur so kann sie ihre Familie an Land dauerhaft beschützen. Ihr Vertrauter Vulko (Willem Dafoe, Spider-Man) verspricht ihr, ein Auge auf Arthur zu haben und ihn heimlich zu unterrichten. Letzteres hat gefruchtet und heutzutage ist Arthur damit beschäftigt im Meer für Ordnung zu sorgen. So rettet er etwa die Crew eines russischen U-Bootes vor Piraten. Mit Atlantis möchte er allerdings nichts zu tun haben, obwohl der Anspruch auf den Thron sein Geburtsrecht als Erstgeborener der Königin ist. Den überlässt er seinem Halbbruder Orm (Patrick Wilson, The Conjuring). Allerdings hegt Orm Pläne die verbliebenen atlantischen Königreiche zu einer riesigen Armee zu vereinen, um die Oberfläche anzugreifen. Der Umweltverschmutzung, die seinen Lebensraum zerstört, will er nicht länger zusehen. Ein Krieg würde unweigerlich Milliarden Tote bedeuten. Vulko gibt vor König Orm zur Seite zu stehen, doch hofft er darauf, Arthur endlich dazu zu überreden für sein Volk zu kämpfen. Dabei hilft ihm Mera (Amber Heard, Drive Angry), die mit Orm aus rein politischen Gründen verlobt ist und sich Frieden zwischen den Welten wünscht.

Shakespeare trifft Indiana Jones

Aquaman ist vom Grundgedanken eine Ursprungsgeschichte für einen Superhelden. Obwohl wir Arthur in Justice League schon in Aktion gesehen haben, wächst er erst hier wirklich in die Rolle als nobler Held. Und diese Reise ist wiederum ein eher klassisches Drama. Der verlorene Königssohn muss seinen Titel überhaupt wollen, dann beanspruchen und sich mit seiner Herkunft auseinandersetzen. Die erste Begegnung zwischen Arthur und Orm verläuft dabei ungünstig, da Orm alle Trümpfe in der Hand hält. Dass es um einen Thron unter Wasser geht und die Geschichte nicht im mittelalterlichen Europa spielt, ist einfach nur ein wunderbar fantastischer Szeneriewechsel. Und um den Genremix abenteuerlicher zu gestalten, ist der einzige Gegenstand, der Arthur wirklich helfen kann, der sagenumwobene Dreizack von König Atlan. Dem einstigen Herrscher vom noch geeinten Atlantis, der sich nach dem Untergang ins Exil begab. Dabei hilft ein Artefakt, das zu einer Schatzkarte führt, die eine kleine Rundreise bedeutet. Es gibt zwar keine uralten Fallen, aber Arthur und Mera kommen sich dabei näher und bilden ein gutes Team. Netterweise sind die Zeiten vorbei, in denen der männliche Held seine kreischende Damenbegleitung dauernd retten musste. Schließlich treffen sich die beiden auf Augenhöhe, jeder darf dem anderen mal das Leben retten und sie finden nicht nur zusammen, weil sie seit Ewigkeiten in den Comics ein Paar sind.

Fantastische Unterwasserwelten

Originaltitel Aquaman
Jahr 2018
Land USA
Genre Action, Science-Fiction, Fantasy
Regisseur James Wan
Cast Arthur Curry/Aquaman: Jason Momoa
Mera: Amber Heard
Nuidis Vulko: Willem Dafoe
Orm: Patrick Wilson
David Kane/Black Manta: Yahya Abdul-Mateen II
Atlanna: Nicole Kidman
Nereus: Dolph Lundgren
Laufzeit 147 Minuten
FSK

Wem das Konzept von Aquaman zu albern erscheint, wird sich vermutlich auch bei diesem Film nicht mit überdimensionalen Seepferdchen und gesattelten Haien anfreunden können. Für Fans gelungener CGI-Welten ist Atlantis aber eine wahre Pracht. Vor allem weil die Personen nicht wie Fremdkörper wirken. Regisseur James Wan (Fast & Furious 7) hat darauf bestanden, die Schauspieler mit praktischen Effekten einzubinden und CGI als sekundäre Unterstützung heranzuziehen. Da kommt ziemlich viel Wirework zum Einsatz, um die Charaktere im Wasser schweben zu lassen. Und wo bei Justice League ein wegretuschierter Schnauzbart zum Running Gag wurde, wird hier Haar mühselig am Computer bearbeitet, um die Illusion aufrechtzuerhalten. Die Bewohner der sieben atlantischen Königreiche haben sich zudem unterschiedlich entwickelt. In Atlantis und Xebel sind die Menschen äußerlich kaum verändert, aber bei den Fishermen gibt es Platz für richtige Fischmenschen samt Schwanzflosse. Die Trench sind dagegen angelehnt an Der Schrecken vom Amazonas (Creature from the Black Lagoon) und die Brine kommen im Krabbenlook. Die Deserter sind ausgestorben und das mysteriöse siebte Königreich gilt als verschollen. Hier weicht der Film vom Comicmythos ab und bietet viel Spielraum für Fortsetzungen. Das dürfte auch Comicleser neugierig machen.

Ein Liebesbrief für einen belächelten Superhelden

James Wan ist vor allem für seine Horrorfilme wie Saw oder Insidious bekannt. Doch haben eine Menge Leute ein Auge auf ihn geworfen. Selbst Nicole Kidman sagte ohne Drehbuch zu, da sie schon lange mit ihm arbeiten wollte und zudem in ihrer Heimat Australien gedreht wurde. Wan hatte die Wahl entweder The Flash oder Aquaman zu drehen und die Wahl fiel ihm leicht. Aquaman bringt so viel ungenutztes Potenzial mit. Das Skript ging im Verlauf der letzten Jahre daher durch viele Hände, aber das Ergebnis ist ein Aquaman, der sich von der Witzfigur freistrampelt, zu der er bei nicht-Lesern schnell verkommt. Hier gebührt großer Dank auch Zack Snyder. Seine Interpretationen von Superman und Batman sind höflich ausgedrückt kontrovers aufgenommen worden. Dass er aber Jason Momoa als Arthur Curry gecastet hat, ist ein Geniestreich. Die polynesischen Wurzeln geben dem Charakter auch auf menschlicher Seite eine Verbindung zum Meer, die einem blauäugigen Blondschopf fehlt. Dass König Orm in dieses Raster fällt, macht wiederum Sinn, da es in Atlantis wenig Sonne gibt und die Halbbrüder bilden einen gelungenen Kontrast.

Ein bisschen schwach auf der bösen Brust

Aquaman ist der Film, der Man of Steel gern gewesen wäre. Eine Ursprungsstory für einen Superhelden, der die Welt und seinen Platz darin mit neuen Augen sieht. Dazu eine epische Handlung, die trotz großer Informationsflut leicht nachzuvollziehen ist. Der Fokus liegt auf dem namensgebenden Protagonisten und der im Kanon verankerte romantische Partner fügt sich als dreidimensionaler Charakter ein. Die Gegner haben ihre eigene Motivation, sind letztendlich aber zu machthungrig und ihre guten Intentionen bringen Tod und Verderben über Unschuldige. Letzteres mag bei Aquaman ein kleines Manko sein. Orm möchte den Krieg offiziell wegen der Verschmutzung der Gewässer erklären, was nachvollziehbar scheint. Aber der Film lässt durchblicken, dass viele Meeresbewohner eine friedliche Lösung und Verhandlungen bevorzugen würden. Letztendlich ist Orm bereit Millionen in den Tod zu schicken. Und dann wäre da noch Black Manta alias David Kane (Yahya Abdul-Mateen II, The Get Down). Ein Pirat, der sich für kriminelle Machenschaften anheuern lässt und dabei über Leichen geht. Als sein Vater versucht Aquaman zu töten, stirbt er selbst und Kane wird daraufhin von Rachegedanken getrieben. Er wirkt etwas weinerlich, da er die Konsequenzen fürs eigene Handeln nicht tragen will. Aber das ist für Superschurken nichts neues. Aquaman hält sich trotz der beeindruckenden Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden nicht besonders lange damit auf die Psyche der Bösewichte zu ergründen. Aber warum auch, es geht darum wie Arthur Curry seinen eigenen Wert findet.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, wie sehr mir ein Kinofilm über Aquaman gefallen kann. Neben Wonder Woman der zweite rundum brauchbare Eintrag im DC Extended Universe. Umso erschreckender ist es, jetzt auf Justice League zurückzublicken, wo die kurze Atlantis-Szene wie ein Fremdkörper wirkt. Wenn dort die Mutterbox gestohlen wird, hinterlässt das keinen Eindruck. Hier geht es nun um die Suche nach einem ollen Dreizack. Weil der Mythos von König Atlan aber früh erwähnt wird, weil ich sehen darf wie Arthur auf die Kultur von Atlantis reagiert, weil Mera und Vulko in nur wenigen Szenen greifbare Figuren sind – da gewinnt dieser Dreizack auch für mich als Zuschauer an Bedeutung. So benutzt man einen MacGuffin richtig. Simpel und effektiv. Dazu kommt Humor, weil es eben ein Unterhaltungsfilm ist und der Protagonist mal lächeln darf. Ich wünsche mir direkt eine Fortsetzung herbei. Die obligatorische letzte Szene während der Credits verspricht sie bereits. Bis dahin muss ich Aquaman aber unbedingt auf Englisch sehen, denn ich kann nicht glauben, dass das ungeheure Seeungeheuer Karathen von Julie Andrews gesprochen wird! Das ist ja noch besser als der trommelnde Oktopus (er heißt Topo und war in den Comics einst ein Sidekick von Aquaman).

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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Michael
Gast
Michael

Der Film Aquaman macht mich richtig neugierig.
Im Gewinnfall wäre ein schöner Abend innerhalb der Familie garantiert…
Danke für die tolle Chance!

Ayres
Redakteur

Ich interessiere mich eigentlich kaum für DC, nehme die Filme früher oder später dann irgendwann doch noch mit, aber ins Kino zieht es mich dafür nicht mehr. Gerade im Fall von Aquaman hielt sich das eher bedeckt, da ich auch kein Freund der Entscheidung, ihn zuvor schon in der Justice League zu platzieren, war. Dadurch zündet dann auch das Superheldentreffen nicht, wenn ich zwei Figuren gar nicht kenne.

Anyway: Aquaman als Film konnte mich leider nicht packen. Also so gar nicht. Und ich kann es nicht begründen. Ein bisschen ist das auch wie bei Thor 3. Alles nett, spaßig und farbenfroh, aber mir fehlt dann doch die Wucht. Hinzu kamen dann noch diverse Befindlichkeiten (Unterwasserwelten sind einfach nicht meins. Kreide ich dem Film nicht an, aber fällt nunmal komplett aus meinem Geschmack raus), Mera kann ich null ernst nehmen (Fanservice Maschine) und die Story… Zu allem Übel muss ich sagen, dass ich sowohl in meinem privaten Umfeld als auch online sehr häufig auf Frauen getroffen bin, die sich den Film wegen Jason Momoa reingezogen haben. Ob man auf DC, Superhelden oder letztlich Aquaman steht, wird da zur völligen Nebensächlichkeit. Da könnte man sicherlich noch weit tiefer graben, aber Aquaman ist eine ganz neue Form des Sexismus im Superheldenmetier.

Das war jetzt viel drumherum, aber zum Film selbst habe ich nichts zu sagen außer: hat mich enorm gelangweilt. Naja, immerhin der Abspannsong ist toll. “Everything I need” von Skylar Grey läuft häufiger in meiner Playlist.