Anonymous Animals

Mensch und Tier – eine Verbindung, die Hand in Hand geht. Wir Menschen teilen mit ihnen Sofa und Bett, füttern und pflegen sie als unsere Wegbegleiter, manche landen auf dem Teller oder dienen als Nutztier, andere verenden in Laboren. Machen wir doch einmal ein Gedankenexperiment: Wie sähe die Rolle des Menschen aus, wenn die Tiere an die Macht kämen und uns so behandeln würden wie wir sonst sie? Das ist der Stoff, aus dem der französische Genrefilm Anonymous Animals von Baptiste Rouveure, gestrickt ist. Er zeichnet eine düstere Welt, in der Tiere Menschen ausbeuten. Der sperrige Stummfilm erreichte im Sommer 2021 auch den deutschen Blu-ray-Markt. Die einzige Chance, das 60-minütige Mahnmal auf der großen Leinwand zu erleben, war das Obscura Filmfest 2021, wo wir den Titel auch in voller Pracht erleben durften.

 

Der Mensch in der Position des Tieres.
Gejagt, getrieben, geschlachtet.
Und das alles von Tieren.
Wie es dazu kam? Ungewiss.
Ein aussichtsloser Überlebenskampf hat begonnen.

Ein Film mit Botschaft

Originaltitel Anonymous Animals
Jahr 2020
Land Frankreich
Genre Thriller, Fantasy
Regie Baptiste Rouveure
Cast
Thierry Marcos
Aurélien Chilarski
Pauline Guilpain
Emilien Lavaut
Laufzeit 64 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 18. Juni 2021

Die Botschaft des Films ist ohne große Prämisse eindeutig: Es sind lediglich die Tiere, die sich hier miteinander verständigen. Nicht sprechen, sondern verständigen. Mit den Lauten, die wir eben von Tieren kennen. Wir wissen nicht, was sie sagen, aber es gibt Absprachen, ehe sie Menschen mit Elektroschocks bearbeiten. Knurrende Zweibeiner mit Tiermasken. Keine Mimik, keine Gestik. So wie es ein Tier empfindet, wenn der Mensch zu ihm spricht. Auf eine klassische Handlung verzichtet Anonymous Animals ebenfalls. Zu erleben sind drei Themenfelder, die uns das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier in dieser Welt erklären: Menschenschlachtung (auf einer Farm), Menschenkämpfe (zur Unterhaltung), Menschenjagd. Es existiert kein Aufbegehren der Tiere gegen die Menschen, wie man das aus Orwells Farm der Tiere kennt.

Der moderne Stummfilm

In Sachen audiovisueller Gestaltung gibt sich die französische Produktion ebenfalls unkonventionell: Die Menschen können zwar untereinander in Lauten kommunizieren, legen aber die Körpersprache eines ängstlichen oder furchtsamen Tieres an den Tag. Dementsprechend lässt sich Anonymous Animals als Stummfilm klassifizieren. Ein Format, welches das Horror-Genre kaum noch hervorbringt und das mit den heutigen Sehgewohnheiten bricht, die überwiegend auf Schnitte und Dialoge fokussiert sind. In diesem Fall trägt es zur Intensivität der Situation (von Handlung lässt sich nur bedingt sprechen) bei. Als Horrorfilm kann man den Titel allerdings auch nicht direkt einsortieren: Auch wenn die Menschen auf der Flucht sind, ist immer der Anspruch vorhanden, die Fahne der Botschaft hochzuhalten. Ein bisschen Fantasy schwingt aufgrund der verdrehten Konstellation ebenfalls mit. Vor allem die Respektlosigkeit des Menschen und sein ebenso grausamer wie perfider Umgang mit Tieren kommt dabei zum Tragen. Das kann schocken, aber ebenso auch ernüchternd sein. Anonymous Animals besitzt die Vielschichtigkeit, ebenso Schocker zu sein wie dokumentarischen Charakter zu besitzen. Dies alles entstand mit einem Budget von vergleichsweise günstigen 7.000 Euro, aber besondere Schauwerte und Special Effects würde man bei einem solchen Weckruf auch gar nicht erst vermissen.

Fazit

Anonymous Animals ist ein wichtiger Film, der durch seine brillante Idee und markante Botschaft glänzt. Filmisch ist hierbei wenig herauszuholen: Der Unterhaltungswert ist schnell aufgebraucht und so wirkt das Resultat wie eine Kurzgeschichtensammlung, die ebenfalls auch als PETA-Shorts durchgehen könnte. Für die breite Masse ist Anonymous Animals alleine aufgrund der Tatsache, dass in diesem Film keine Silbe gesprochen wird, schon einmal nichts. Angesprochen fühlen darf sich ein Arthouse-Publikum, das sich nicht an den Grausamkeiten stört, oder Genre-Fans, die mit dem Anspruch des Films, die Botschaft über die Handlung zu stellen, klarkommen. So oder so ist der Titel ebenso sperrig wie nischig, lohnt sich aber mit ein wenig Geduld und Offenheit für eine verdrehte Horrorparabel. Die Nachwirkung ist groß.

© UCM.One


Veröffentlichung: 18. Juni 2021

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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