Annabelle 3

Lesezeit: 5 Minuten

Cinematic Universes funktionieren vor allem deswegen so gut, da kein Zuschauer den Anschluss verlieren möchte. Ein Film befeuert den anderen, neue Storystränge werden eröffnet, und wie Puzzlestücke fügen sich die Timelines zu einem großen Gesamtbild zusammen. Das Marvel Cinematic Universe hat sein Äquivalent im Horror-Bereich in The Conjuring gefunden. Oder genauer gesagt: Im Conjuringverse, aus welchem auch die finstere Puppe Annabelle entspringt. Diese feiert in Annabelle 3 (Original: Annabelle Comes Home) nun ihren dritten Solo-Auftritt. Die Erwartungen sind hoch, schließlich schwächelte die Reihe zuletzt und auch der adoptierte Nachkömmling Lloronas Fluch ließ spürbar Federn. Im dritten Teil gibt es Unterstützung der Dämonologen Ed und Lorraine Warren, doch reicht das aus, um das Franchise wieder auf Spur zu bringen?

 

Judy (Mckenna Grace, Spuk in Hill House) ist es gewohnt, dass ihre Eltern Ed (Patrick Wilson, Aquaman) und Lorraine (Vera Farmiga, The Commuter) geheimnisvolle Artefakte sammeln. Diese bewahren die Dämonenjäger in einem abgesicherten Raum auf, der nur mit mehreren Schlüsseln betretbar ist. Dort sitzt auch die Puppe Annabelle in einer Vitrine. Diese Puppe ist zwar per se nicht böse, lockt aber fremde Geister an. Den Abend vor ihrem Geburtstag verbringt Judy mit ihrer Babysitterin Mary Ellen (Madison Iseman, Jumanji: Willkommen im Dschungel). Wenig später steht auch schon deren Freundin Daniela (Katie Sarife, Supernatural) auf der Matte und ist ziemlich neugierig auf den Raum…

Die Warrens als Köder

Originaltitel Annabelle Comes Home
Jahr 2019
Land USA
Genre Horror
Regisseur Gary Dauberman
Cast Judy Warren: Mckenna Grace
Mary Ellen: Madison Iseman
Daniela Rios: Katie Sarife
Bob Palmeri: Michael Crimino
Ed Warren: Patrick Wilson
Lorraine Warren: Vera Farmiga
Laufzeit 106 Minuten
FSK

Ed und Lorraine Warren basieren auf realen Persönlichkeiten. Lorraine Warren verstarb im April 2019, ihr Mann bereits 2006. Zuvor konnte er seine Aufzeichnungen noch an einen Filmproduzenten verkaufen, und so war das Conjuringverse geboren, welches mit vergleichsweise wenig Budget maximale Einspielerfolge feiern durfte. Zu ihrer Zeit noch belächelt, sind Ed und Lorraine heute Ikonen des Horrorfilms. Um deren Beliebtheit weiß auch James Wan, der das Drehbuch verfasste. Annabelle 3 bedient sich eines Kniffs: Das Drehbuch nutzt Ed und Lorraine als Storyköder, um möglichst stark an den Ursprungsfilm The Conjuring anzudocken. Dies geschieht, indem der Film durch die beiden eingeleitet und später wieder ausgeleitet wird, doch während des Films ist von ihnen nichts zu sehen. Das reicht allerdings, um Kinotrailer zu füllen und so entsteht der Eindruck, möglichst back to the Roots zu sein. In Wahrheit stellt Annabelle 3 nur eine weitere Episode dar, die vor allem unter Willkür leidet.

Annabelle 3 spielt eine zentrale Rolle für die Zukunft der Reihe

Regisseur Gary Daubermann war bereits bei den ersten beiden Teilen am Drehbuch beteiligt und kennt die Reihe daher wie seine Westentasche. Die Geschichte des Films ist zeitlich zwischen The Conjuring und The Conjuring 2 angesiedelt, ohne allerdings nennenswerte Effekte auf die Reihe zu haben. Im Gegenteil: Der Ausgang der Geschichte ist relativ egal. Doch der dritte Teil scheint ein wichtiger Wegbereiter zu sein. Denn die Artefaktekammer der Warrens ist Dreh- und Angelpunkt des Conjuringverse. Kein Wunder also, dass die Handlung dort sogar ziemlich lange verharrt. Wenn Daniela den Raum allerdings in epischer Breite durchforstet, schreit das nach reinem Selbstzweck. Es werden dabei derart viele Artefakte eingeführt, dass auf The Conjuring 3 locker fünf bis sechs neue Spin-offs folgen könnten. Ob der Affe mit der Schelle, der Samurai, die Frau mit der Schere, der Mann mit den Münzen auf den Augen oder das haptische Gesellschaftsspiel “Feely Meely” – schließt sich eine Türe, öffnen sich geich mehrere weitere. Das ist irgendwie faszinierend, erschreckt aber auf der anderen Seite auch, da sich die Ermüdungserscheinungen der Reihe bereits hier verdeutlichen.

Kennst du einen, kennst du alle

Ein wenig krankt die Reihe daran, dass sich bestimmte Muster und Schemen nahezu in jedem Film wiederholen. Das sind die knarzenden Holzdielen, Tür-auf-Tür-zu-Geschichten und selbstverständlich das bekannte Soundgerüst: Ein unaufhörliches basslastiges Brummen baut die Spannung auf und als Zuschauer ist man bereits dahingehend konditioniert, dass man bei dessen Aussetzen mit einem Jump Scare rechnet. So gesehen bietet auch die dritte Installation von Annabelle nichts Neues, wenngleich es sich alleinstehend betrachtet um einen grundsoliden Horrorfilm handelt. Die zweite Hälfte zieht erwartungsgemäß andere Saiten auf, gleicht aber einer Geisterbahnfahrt: Einen wirklichen Fokus gibt es nicht und allerlei Erscheinungen geistern hier herum, von denen wir einige nicht zum letzten Mal gesehen haben dürften.

Mehr Gewicht für Charaktere

Worin Teil 3 der Reihe punktet, sind seine Darsteller. Mckenna Grace spielt für ihre 13 Jahre außerordentlich reif. Sie ist keines jener Kreischkinder, die einem auf die Nerven gehen, sondern szenenweise sogar die gefassteste aller Figuren. Auch Madison Iseman und Katie Sarife hinterlassen einen positiven Eindruck. Ihren Figuren kommt drehbuchbedingt mehr Tiefe als üblich zu und die gezeigte Schauspielkunst bewegt sich bei allen Beteiligten weit über dem Durchschnitt. Insbesondere Daniela hat gute Gründe für ihr Handeln und Mary Ellen sorgt über lange Zeit hinweg für ein gewisses Gleichgewicht. Allerdings ist auch spürbar, dass es deutlich weniger Geschichte zu erzählen gibt: In der ersten Stunde passiert vergleichsweise wenig. Die drei Charaktere stehen im Vordergrund und jeder von ihnen trägt individuelle Sorgen mit sich herum.

Fazit

“Annabelle Comes Home”, der Titel spricht für sich und ergibt an dieser Stelle auch vollkommen Sinn, schließlich ist das Zuhause der Warrens auch Annabelles Heim. Man darf gar nicht erst erwarten, dass Annabelle 3 das Finale einer Trilogie sein sollte oder gar auf einen explosiven Höhepunkt hinleitet. Ganz im Gegenteil: Der Film fällt erstaunlich klein aus. Ein Schauplatz, drei Charaktere und der verheißungsvolle Artefaktenraum. Was dann folgt, ist wenig überraschend, aber keineswegs schlecht: Die Charaktere punkten mit Sympathie und für einen Horrortitel regelrechtem Tiefgang. Nur inhaltliche Offenbarungen bleiben aus. Wir bekommen mögliche Zukunftsoptionen präsentiert, die zum Großteil hier ihren Ursprung finden. Unterm Strich bleibt also ein leicht überdurchschnittlicher Titel, der zwar stärker als The Nun und Lloronas Fluch ist, aber der Hauptreihe nicht das Wasser reichen kann.

© Warner Bros.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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