After Midnight

Lesezeit: 3 Minuten

Jeremy Gardner (Battery) war in den letzten Jahren nicht nur als Regisseur und Drehbuchautor, sondern vor allem als Schauspieler unterwegs. In After Midnight schlüpft er in alle drei Rollen gleichzeitig und erhält obendrein Unterstützung des Produzentenduos Aaron Moorhead und Justin Benson (The Endless), wobei letzterer ebenfalls in einer Rolle als Kleinstadt-Sheriff schlüpft. Neben all den Doppelfunktionen wird eine Geschichte erzählt, die von Ängsten, Einsamkeit und Beziehungen handelt. Ein waschechtes Horror-Drama also, das sich auch um das Innenleben seiner Figuren sorgt und auf dem Fantasy Filmfest 2019 für vergleichsweise leise Abwechslung sorgte und wie kaum ein anderer Beitrag Genre-Grenzen aufbricht.

Eigentlich lief alles perfekt für Hank (Jeremy Gardner, Spring) und Abby (Brea Grant, Dead Night). Dann folgte der gemeinsame Einzug ins neue Zuhause. Und dann ist Abby einfach verschwunden. Spurlos. Nur eine geheimnisvolle Botschaft bleibt zurück. Als wäre das nicht niederschmetternd genug, treibt fortan ein Monster sein Unwesen und versucht nach Anbruch der Dunkelheit in das Haus zu gelangen. Da keiner seiner Freunde ihm Glauben schenkt, bleibt Hank nichts anderes übrig, als mit einer Shotgun bewaffnet nun nachts hinter der Türe zu lauern …

Doppelbödiges Psycho-Spiel mit Romantik

Originaltitel After Midnight
Jahr 2019
Land USA
Genre Drama, Horror
Regisseur Jeremy Gardner, Christian Stella
Cast Hank: Jeremy Gardner
Abby: Brea Grant
Wade: Henry Zebrowski
Laufzeit 83 Minuten

Benson und Moorhead stehen für phantastische Indie-Filme, deren Drehbücher immer für besondere Momente und überraschende Entwicklungen stehen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf sind die Erwartungen an After Midnight (dessen Produktionstitel noch “Something Else” lautete) berechtigt. Das beklemmende Gefühl und die Unvorhersehbarkeit stellen sich ohne Frage auch ein. Erstaunlich ist vor allem aber der hohe Anteil an Romantik, der in einem solchen Film in einer beinahe unerträglichen Dosis serviert wird. Ganze 14 (!) Minuten dauert eine Dialogszene über die Probleme einer Beziehung an. Trotz Abbys Verschwinden ist sie in Flashbacks immer präsent und so bekommt man das Gefühl, es nicht mit einem klassischen Genrefilm zu tun zu haben, sondern einer Romanze, die sich mehr wagt als üblich. Am Ende bleibt dann aber doch die Detailarbeit zu sehr auf der Strecke, um den Film in irgendeiner Richtung als schwerpunktmäßig gelungen zu bezeichnen.

Das ewige Problem der Vermarktung

In seinem Trailer verspricht After Midnight, ein echter Monsterfilm zu sein. Ein richtiges Creature Feature wird hier mitnichten abgeliefert. Ja, ein Monster ist vorhanden. Ob das alles allerdings ausreicht, um ein Horror-Publikum zufrieden zu stellen, ist fraglich. Denn das Monster darf letztlich nur als Metapher für eine Beziehung verstanden werden. Atmosphäre kommt trotzdem auf und die Begegnungen zwischen Mann und Monster fallen sogar erstaunlich spannend aus. Wieder ein harter Bruch erfolgt dann, wenn Hank sich mit seinem Kumpel Wade (Henry Zebrowski, Dirty Grandpa) in philosophisches Südstaaten-Genuschel stürzt. Viel Situationskomik entsteht dadurch und ohnehin bietet Gardners Werk ständig Anlass, herzhaft zu lachen.

Fazit

Es ist schwierig, nicht in die Falle zu tappen und einen Horrorfilm zu erwarten. Die Drama-Anteile überwiegen deutlich und so bekommt man ohne Vorwarnung romantische Songs und Liebesgesülze vorgesetzt, die auch mal weit an den eigenen Vorlieben vorbeischrammen können. Ob der finale Twist (die Betonung liegt auf “final”) den Film nun retten zu weiß, hängt ganz davon ab, ob sich Genre-Fans damit begnügen können, bis zum Ende zu warten. After Midnight ist aufgrund dieser gegensätzlichen Gewichte ein sperriger Film, der es schwer hat, die richtige Zielgruppe zu finden und zu erreichen. Wer nicht offen für solche Wagnisse ist, sollte den Titel daher besser umgehen und andere Filme vorziehen, die eindeutiger als Monsterfilm gelabelt sind.

© Meteor Film

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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