A Million Ways to Die in the West

Western sind meist eine ernste Angelegenheit, aber es herrschte ja zum Ende des 19. Jahrhunderts auch bitterer Ernst im unerschlossenen amerikanischen Grenzgebiet. Neben der ersehnten Freiheit erwartete einen abseits der Zivilisation der nackte Überlebenskampf mit unzähligen Gefahren. Als Multitasker hat sich Seth MacFarlane (The Orville) als Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller 2014 mit A Million Ways to Die in the West daran gemacht, etwas Humor und Romantik in das Genre der grimmig verschwitzten Gesichtsausdrücke zu bringen, ohne auf den üblichen Bodycount zu verzichten.

   

Schafzüchter Albert ist alles andere als der ideale Cowboy. Der gefährliche Lebensstil im Wilden Westen steht ihm nicht wirklich und besonders mit dem so rasch gezückten Revolver hat er wenig am unausweichlichen Hut. So ist es wenig überraschend, dass er sich eines Mittags vor dem Saloon des Städtchens Old Stump zum Duell gefordert eher unterwürfig entschuldigend aus der Sache herausredet. Die Konsequenz: Seine Traumfrau Louise verlässt ihn wegen der peinlichen Angelegenheit zugunsten des großspurigen Schnurrbart-Enthusiasten Foy. Das gibt Albert den Rest und er erklärt wenig später seinen Freunden, der Prostituierten Ruth und dessen festen Freund Edward, dass er vorhat, die Stadt zu verlassen und zurück in die Zivilisation zu ziehen – zumal der Wilde Westen eh eine großflächige Todesfalle ist, die einen jederzeit durch Waffengewalt, Krankheiten und wilde Tiere dahinraffen kann. Bei einer der üblichen Barschlägereien lernt Albert jedoch die frisch in die Stadt gezogene Anna kennen. Nicht nur freundet er sich mit dieser schnell an, sondern er lässt sich auch von ihr überreden, zu versuchen Louise von Foy zurückzugewinnen, obwohl Anna nicht versteht, was er an ihr findet. Was Albert jedoch nicht weiß, während er und Anna sich näher kommen: Anna ist eigentlich unglücklich mit dem raubenden und mordenden Banditen Clinch Leatherwood verheiratet und soll nur vorübergehend in Old Stump ausharren bis er sich mit seiner Bande in wenigen Tagen zu ihr gesellen will.

Eine Handlung wie ein Einbauschrank von IKEA

Originaltitel A Million Ways to Die in the West
Jahr 2014
Land USA
Genre Western, Romantische Komödie
Regie Seth MacFarlane
Cast Albert: Seth MacFarlane
Anna: Charlize Theron
Clinch: Liam Neeson
Louise: Amanda Seyfried
Edward: Giovanni Ribisi
Ruth: Sarah Silverman
Foy: Neal Patrick Harris
Laufzeit 116 Minuten
FSK

Als Kontrafaktur wird besonders in der Musik das Phänomen verstanden, dass ein neuer Song geschaffen wird, indem der Text eines bestehenden Liedes abgeändert wird, während die Melodie unverändert die gleiche bleibt. Bei Filmhandlungen ist es oft ähnlich. Zum Beispiel: Mann A liebt Frau A. Frau A kommt aber mit Mann B zusammen, weil dieser Eigenschaften hat, die Mann A nicht hat. Mann A trifft Frau B. Frau B unterstützt aus Gründen Mann A dabei, mit Frau A zusammenzukommen, indem sie Mann A dabei hilft, noch bessere Eigenschaften zu haben als Mann B, damit Frau A ihren Fehler bereut. Dabei verlieben sich jedoch Mann A und Frau B langsam ineinander, aber gestehen sich diese Gefühle noch nicht ein. Mann A kommt mit Frau A zusammen, erkennt aber, dass er Frau A wegen ihrer Oberflächlichkeit eigentlich gar nicht wirklich liebt, sondern Frau B. Die Melodie kennt man aus diversen Romanzen und Romcoms in diversen Variationen, mit diversen Songtexten. Hier wurde dem Ganzen halt noch das Genre Western aufgepfropft. Die Handlung von A Million Ways to Die in the West ist im Grunde ein Fertigbausatz aus dem Plot-Möbelmarkt, den jeder – trotz individualisierenden Anstrichs – schon zu Genüge kennt. Nun kann man natürlich sagen, dass die Handlung in Komödien eh nicht wichtig ist und es ja eh nur auf die Witze ankommt und ob die zünden. Das lässt sich sagen, aber man kann auch sagen, dass mit einer kreativen Handlung sich auch die Kreativität und Qualität der Komik darin steigert und wenn die Handlung uninspiriert dahingeworfen wird, sind beim Humor auch nicht unbedingt bahnbrechende Glanzleistungen zu erwarten.

Die Guten, die Schlechten und die Kacka-Witze

Angesprochener Humor stellt sich in dem Film meist als ironischer Dialoghumor dar, indem Westernelemente wie Jahrmarkt, Duell oder Barschlägerei abgefertigt werden und Albert im Zusammenspiel mit einer anderen Figur deren Absurdität oder deren sinnloses Potenzial daran zu sterben hervorhebt und damit durch den Kakao zieht. Für weitere Lacher sorgen zudem einige unerwartete Cameo-Auftritte auch von anderen Westerngrößen der Popkultur, die kurze Gastauftritte haben. Wer mit Seth MacFarlanes Schaffen vertraut ist, weiß jedoch auch, dass die humoristische Brechstange nicht weit ist, die für manche Zuschauer wohl die Grenze zum sogenannten guten Geschmack überschreiten wird. Das reicht von brachialer Gewalt und leider auch bis hin zu Pipi- und Kacka-Witzen wie man sie eher im Kindergarten erwartet.

Die Nebendarsteller in der MacFarlane-Show

Im Cast des Films finden sich einige Schwergewichte, allen voran Charlize Theron (Mad Max: Fury Road) und Liam Neeson (96 Hours). Beide sind mit einem Oscar prämierte bzw. nominierte Charakterdarsteller, beide haben ein unter Beweis gestelltes Talent für physisch fordernde Actionrollen. Zumindest Theron hat nach eigenen Angaben an der Rolle gereizt, auch mal etwas im Comedy-Bereich zu machen. Kapital kann der Film aus der Anwesenheit der beiden aber nicht wirklich schlagen. Der generische Plot bietet logischerweise kaum die Plattform größere schauspielerische Leistungen abzurufen und abgesehen von etwas obligatorischem Schießen und Reiten zeigt sich der Film auch ziemlich arm an Action, sodass hier auch nichts zu holen ist. Wenn die beiden über komödiantisches Talent verfügen, schafft es MacFarlane als Regisseur nicht wirklich dieses aus seinen Mithauptdarstellern herauszukitzeln, sodass diese Rollen unter einer anderen Besetzung wohl nicht gelitten hätten und weder Theron noch Neeson etwas in den Film einbringen, was nicht auch andere Darsteller geschafft hätten: eine solide Leistung. Neil Patrick Harris (How I met your Mother) und Sarah Silverman (Ralph reichts) im Zusammenspiel mit Giovanni Ribisi (Sneaky Pete) schaffen es – sehr viel vertrauter mit dem Genre – mit dem richtigen Maß von Over the Top-Schauspiel und gutem Timing eher dem Film einige Unterhaltsame Szenen beizusteuern, während Seth MacFarlanes milde bewegter Lustwandel durch den Film irgendwo zwischen gelangweilter Distanz und bemühter Emotionsdarstellung wohl Geschmackssache sein dürfte.

Fazit

Kurz gefasst: Nein. Ausführlicher: Humor ist bekanntlich subjektiv. Was als witzig angesehen wird, ändert sich mit der Zeit, mit der Gesellschaft und auch individuell. Da Aufwärm-Handlung und bedingt motiviertes Schauspiel einen hier nicht wirklich hinter dem gusseisernen Holzofen hervorlocken, kommt es bei einer Komödie umso mehr darauf an, dass der Humor zündet. Das macht er stellenweise durchaus. Ich mag, wie der Film das Westerngenre und die dort allgegenwärtige Dauergefahr ironisch aufs Korn nimmt und ich mag die Anspielungen auf andere Westernfilme – bei einem unerwarteten Cameo-Auftritt aus einer populären Zeitreisetrilogie aus den 80ern habe ich sogar schallend gelacht. Dann wiederum kann ich persönlich wirklich gar nichts, oder eher was tief im Negativbereich jenseits von „gar nichts“ liegt, mit Pipi-Kacka-Jokes anfangen. Brauch ich nicht. Will ich nicht. Wenn also ein Schaf Albert ins Gesicht pinkelt oder Foy durchfallartig in einen Hut scheißt, dann … nee … nee, echt, bitte, wirklich nicht. Insgesamt konnte ich den Film gut schauen, fand ihn über Längen unterhaltsam genug und wollte ihn tendenziell noch positiv bewerten, aber weil man den vollgekackten Hut in einer Einstellung dann auch noch mitsamt braundickflüssigen Inhalt zeigen musste (immerhin ein gutes Sinnbild für den Film), gibts von mir einen extra Punkt Abzug.

© Universal Pictures

Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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