Mercy (Band 1): Die Dame, die Kälte und der Teufel

Ab und an entwickelt sich eine Figur für einen Autor (oder in diesem Fall einer Autorin) zu einem Dauergast im Gedankenstübchen. Die neapolitanische Zeichnerin Mirka Andolfo (ControNatura – Tierisch menschlich) zeichnete die wunderschöne Hellaine schon für viele Pin-ups, die sie auf ihren sozialen Kanälen fleißig teilte. Irgendwann wurde es jedoch Zeit, der Schönheit mit den kühlen Augen einen eigenen Comic zu widmen und so entstand der erste Band Mercy: Die Dame, die Kälte und der Teufel, der seit 24. März 2020 dank Panini Comics auch auf deutsch vorliegt. Darin verschlägt es die Titelfigur in den kleinen Ort Woodsburgh, dessen dunkle Vergangenheit ihn wieder einholt. Eine Warnung nur an alle Zartbesaiteten: Ein wirklich ekliges Gewächs sorgt für einen ordentlichen Blutfluss.

   

Im 19. Jahrhundert im US-Bundesstaat Washington suchte ein Unheil den kleinen Ort Woodsburgh heim. Viele Jahre zogen seitdem ins Land, doch der Groll auf einige Leute liegt immer noch in der Luft, denn die angeblichen Schuldigen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen. Lady Swanson verlor damals ihren Ehemann und muss sich seitdem den Vorwürfen stellen. Doch so ganz hilflos ist die wohlhabende Frau nicht, die heimlich das gut besuchte Bordell der Stadt leitet. Während ihre Männer fürs Grobe sich hier und da zum Glück mit dem Gesindel auseinandersetzen, das sie und ihre Familie bedroht, gibt es noch etwas anderes, das ihr den Schlaf raubt.

Eine Kutsche nähert sich der Stadt. In ihr sitzen Nolwenn Hellaine und ihr angeblicher Butler, die nur vorgeben, Woodburgh das erste Mal zu besuchen. Auch sie haben etwas mit den Geschehnissen von damals zu tun und vor allem die kühle Dame besitzt ein düsteres Geheimnis.

Es gibt selten harmlose amerikanische Kleinstädte

Originaltitel Mercy – La Dama, Il Gelo E Il Diavolo
Jahr 2020
Land Italien
Genre Horror, Drama
Autorin Mirka Andolfo
Zeichnerin Mirka Andolfo
Verlag Panini Comics
Seit dem 24. März 2020 im Handel erhältlich

Mercy: Die Dame, die Kälte und der Teufel entführt ein paar Jahre zurück in die Vergangenheit und setzt uns in dem kleinen Ort ab, um uns dort mit den hiesigen Einwohnern, Gepflogenheiten und vor allem Geheimnissen bekanntzumachen. Dabei kommt der Gedanke nicht nur einmal auf, dass Andolfo den einen oder anderen Stephen King-Roman las. Denn ähnlich wie der Horrormeister baut auch sie ein Geflecht aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten mit ihren Figuren auf, die von einer unbekannten Macht terrorisiert werden. So lernen wir neben Swanson das Indianerwaisenkind Rory, welches ihr neuer Vormund brutal ausnutzt sowie den freundlichen farbigen Bediensteten Jonathen, kennen. Allerdings verblassen diese Charaktere im Auftakt von Mercy neben der geheimnisvollen Hellaine, die sofort alle Blicke auf sich lenkt.

Es wird blutig, meine Herren und Damen

Die Autorin verrät schon recht viel in diesem ersten Band über ihre Protagonisten, sodass sich der eine oder andere Hobby-Sherlock-Holmes schon viel zu viel zusammenreimen kann. So spielen Indianer, eine Miene und eine seltsame Killerpflanze eine große Rolle. Gerade letztere sorgt für einen hohen Ekelfaktor, der zusätzlich Splatter-Liebhabern in die Hände spielt. Ansonsten ist inhaltlich fraglich, ob die Autorin im zweiten Band mehr herausholen kann, wenn sie im ersten Band schon genug Spannungspulver verschießt und ob sie vor allem aus dem Charaktergeflecht noch einiges herausholen kann. Einige wichtige Fragestellungen sind allerdings noch offen, daher zündet die Handlung den Funken der Neugier zum Leben.

Ein Händchen für die Damenwelt

Zeichnerisch kann Mirka Andolfo im ersten Band von Mercy ihr besonderes Talent für weibliche Figuren ausspielen. Dass sie vor allem die kühle Schönheit perfekt in Szene setzt, verwundert nicht, wenn der Leser um die lange Entstehungsgeschichte dieser Figur weiß. Die mysteriöse Hallaine ist bewundernswerterweise für beide Geschlechter anziehend. Ähnlich wie Vanessa Ives aus Penny Dreadful verströmt diese Eleganz, Stärke und einen bösen Intellekt, gepaart mit einem hohen Sex-Appeal. Neben einem divers angelegten Charakterensemble ist der Comic mit übersichtlichen und ansprechend gestalteten Seiten gesegnet. Nur das eine oder andere Motiv wirkt auf einer Doppelseite leicht verschenkt.

Erster Eindruck

Nach ControNatura – Tierisch menschlich war ich neugierig auf Mirka Andolfos nächstes Werk. Gerade weil ich Hellaine von ihrem Instagram-Account kenne und als wirklich ansprechend empfinde. Der erste Band “Die Dame, die Kälte und der Teufel” ist insgesamt ein guter Start, kann allerdings für mich nicht so viel aus dem Szenario herausholen. Für mich verschenkt Andolfo Potenzial, weil sie zu viele eindeutige Hinweise setzt. So kann ich wichtige Puzzleteile zusammensetzen und mir daher vorstellen, was die Geschichte zu verbergen versucht. Allerdings kann ich auch falsch liegen und mich im zweiten Band eines Besseren belehren lassen, denn so sehr weckte die Geschichte mein Interesse. Schließlich möchte ich noch wissen, für welche Seite sich Hellaine entscheiden wird. Wird die kleine Rory mit ihrer Sehnsucht nach einer Mutter eine Rolle spielen und was wird der gutherzige Jonathan unternehmen, der im Gegensatz zu den anderen Männern skeptisch bleibt? Von Andolfos Zeichnungen bekomme ich nie genug, daher lohnt sich ein weiterer Blick auch auf dieser Ebene für mich.

© Panini Comics


Seit dem 24. März 2020 im Handel erhältlich:

 

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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