Wolfswille

Mit Wolfswille erschien 2017 im Papierverzierer Verlag der erste Band der Trilogie um den Hemykin Alfio, der durch das schwarze Blut in seinen Adern zu einem unsterblich Wolfsmenschen wurde. Das Buch bildet den Auftakt der Fortsetzungtrilogie in der Welt der Schwarzes Blut-Romane (der erste Band Maleficus, sowie Mortalitas und Munditia wurden mittlerweile mit neuen Covern ausgestattet, um den Buchfans ein einheitliches Aussehen der Bücher im Regal zu ermöglichen). Während der Hauptcharakter in ständiger Furcht vor Kontrollverlust durch Londons Straßen zieht, übt sich ein Mörder am Abschlachten von Prostituierten, die ebenfalls wie Alfio das schwarze Blut der Unsterblichkeit in sich tragen. Der letzte Teil der Spin-off-Reihe um Alfios inneren Kampf mit seinem Dasein als Hemykin erscheint im Sommer 2018, weshalb wir einen Blick auf den Anfang werfen.

  

Jahrzehntelang war Alfio gezwungen, im Exil zu leben, da er die Kontrolle über den Wolf in sich verloren hatte. Mit letzter Willenskraft rettete er sich in die Arktis, um dort den Schaden, den er anderen Lebewesen antun kann, zu minimieren. Das Töten ist ihm ein Graus und die Kälte in Kombination mit der Abgeschiedenheit half ihm, die Kontrolle über sich selbst und das Wesen in ihm zurückzugewinnen. Heimweh trieb den Mann zurück nach London, wo er mit Hilfe des Opiums das Tier in sich genug besänftigen kann, um in der zivilen Gesellschaft zu leben. Die fragile Ruhe wird bald durch mysteriöse Morde gestört, bei denen Prostituierte ausgeweidet werden.

Fortsetzung ohne notwendige Vorkenntnisse

Wer sich ein wenig mit den Büchern der Autorin Melanie Vogltanz beschäftigt, wird schnell feststellen, dass Wolswille der vierte Teil der Schwarzes Blut-Reihe ist, aber dankenswerterweise unabhängig von den ersten drei Teilen gelesen werden kann. Es findet ein Zeitsprung in der Welt statt, deren Anfang sich in Maleficus entfaltet. Dort werden die Strigoi, blutsaugende untote Kreaturen, behandelt. Strigoi wie auch Hemykins besitzen eine Gemeinsamkeit: Sie wurden mit dem schwarzen Blut der Unsterblichkeit infiziert und haben sich dadurch in Vampire bzw Werwölfe verwandelt. Wahrscheinlich findet sich für aufmerksame Leser die ein oder andere Anspielung auf Ereignisse der ersten drei Teile, doch sind diese so subtil, dass man sich an keiner Stelle des Buches verloren fühlt.

Vorhersehbare Handlung

Originaltitel Wolfswille
Ursprungsland Deutschland
Jahr 2017
Typ Roman
Bände 4 / 6
Genre Mystery, Krimi, Fantasy
Autor Melanie Vogltanz
Verlag Papierverzierer Verlag

Wolfswille beginnt stark: Mit den Seiten des Journals von Leutnant Hobson, der von seiner Expedition in die Arktis berichtet, wo er nach dem verschollenen Gatten der Lady Franklin sucht. Dieser verschwand Jahre zuvor zusammen mit seiner Mannschaft. Danach wechseln wir zum Hauptcharakter Alfio, der dem Leser mit Hilfe seiner Erinnerungen einen Kontext zu den berichteten Ereignissen gibt. Leider verläuft die Handlung bereits ab diesen Zeitpunkt sehr vorhersehbar. Als Leser wird einem früh klar, wer für die Morde verantwortlich ist und die Aktionen des Protagonisten Alfio überraschen nur selten.

Schubladencharaktere

Unglücklicherweise sind die Charaktere selbst auch nur wenig spannend. Sie scheinen wie aus den Klischeeschubladen herausgeholt und in die Geschichte geworfen. Kaum einer hat eine Hintergrundgeschichte bis auf Alfio, die dem Leser aber auch eher aufgezwungen wird anstatt gezeigt zu werden. Die Handlungen Alfios sind im Detail nicht immer nachvollziehbar. So ist er bei einer Person bereit, sofort seinen Namen zu nennen, während er bei anderen den Gedanken hat, dass er nicht jedem seinen Namen kenntlich machen will. Seine Vorgehensweise wirkt der Situation angepasst und nicht anders herum; die anderen Charaktere scheinen Statisten auf dem Weg zum Finale der Geschichte.

Kurze Hoffnungsschimmer

Zwischendurch kann Wolfswille immer wieder glänzen. Beim ersten Gespräch mit einem Arzt zum Beispiel oder wenn Alfio raus aus London flieht und sich in die Wälder zurückzieht, um der Verfolgung zu entkommen und zu versuchen, den erstarkenden Wolf erneut zu unterdrücken. Dabei lernt er auch eine Wölfin kennen, die kurz vor dem Hungertod steht und welche erkennt, dass der Wolf in ihm ihr Alpha sein kann (auch wenn der Mythos Alphawolf nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht korrekt ist). Die Beziehung der beiden Tiere ist auf angenehme Art nicht kitschig und schafft es auf wenigen Seiten, eine Bindung zur Wölfin aufzubauen. Es scheint, als habe der Autorin die Abwesenheit der beengenden Gassen Londons ebenso gut getan wie ihrem Hauptcharakter. Der Stil ist befreiter und die Handlung fügt sich natürlich in die Geschichte ein, anstatt wie sonst konstruiert zu wirken.

Auf Wolfswille habe ich mich richtig gefreut. Ich liebe Wölfe und gute Werwolfsbücher (auch wenn sie anders genannt werden) fehlen mir in meiner Sammlung. Unglücklicherweise konnte mich der Roman nicht überzeugen. Eine vorhersehbare Handlung, Charaktere, mit denen ich nur wenig mitfühlen konnte und einem Schreibstil, der mich nicht mitreißen konnte. Insgeheim verlor ich die Hoffnung auf eine Besserung nicht, auch weil es sich zwischendurch immer wieder aufwärts ging. Von der Autorin habe ich noch zwei andere Bücher im Regal ungelesener Bücher, bei denen ich darauf hoffe, dass sie mir besser gefallen, weil sie außerhalb der Welt des schwarzen Blutes spielen.

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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