Lockwood & Co. (Band 5): Das Grauenvolle Grab

Lesezeit: 4 Minuten

Geistergeschichte gefällig? Aber gern. Ich kenne da ein paar. (Zitat aus Das Grauenvolle Grab)
Endlich ist es soweit. Der fünfte und somit letzte Teil der Reihe Lockwood & Co. des britischen Autors Jonathan Stroud (Bartimäus) ist erschienen. Und wie gewohnt gibt es geist-reiche Unterhaltung: Das Grauenvolle Grab muss geöffnet, diverse Einbrüche begangen und Ermittlungen durchgeführt werden. Dabei hat die kleinste Agentur Londons diesmal auch kräftig mit Problemen zu kämpfen. Denn mit Penelope Fittes, der Chefin der gleichnamigen Agentur und mächtigsten Frau Londons, haben sie sich eine erbitterte Gegnerin zugelegt.

Nach der unverhüllten Drohung von Penelope Fittes und der Eröffnung des Schädels, dass sie nicht die Frau ist, die sie zu sein vorgibt, ist für das Team rund um Lockwood ganz klar, was zu tun ist. Sie müssen das am besten gehütetste Geheimnis in London aufdecken: Was hat die Fittes-Agentur mit dem Problem zu tun? Dabei dürfen sie sich jedoch nicht erwischen lassen, denn durch den starken Einfluss von Penelope auf die Behörden sind alle unabhängigen Agenturen starken Regularien unterworfen. Diese Einschränkungen sind für Lockwood & Co. zwar unangenehm, jedoch nicht so schlimm wie die Befürchtungen, die die Drohungen im vorherigen Band geweckt haben. Am unangenehmsten ist tatsächlich die Anwesenheit von Sir Rupert Giles, der zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkten auftaucht, um ihre Arbeit und Recherchen zu überwachen. Aber Lockwood wäre nicht mehr er selbst, wenn er sich davon beeindrucken lassen würde. Und so wahrt das Team für die Behörden die Fassade und ermittelt auf eigene Faust im Verborgenen weiter. Wie immer sind sie dabei in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich. Ob sie in ein Mausoleum einbrechen, Geister austreiben, reichen Senioren die Hintern versohlen oder die Fittes-Agentur aufräumen – immer sind sie gewohnt effizient.

Schlag auf Schlag

Originaltitel Lockwood & Co. – The Empty Grave
Ursprungsland Großbritannien
Jahr 2017
Typ Roman
Bände 5 / 5
Genre Horror
Autor Jonathan Stroud
Verlag cbj

Wie schon in den vorherigen Bänden folgt auch diesmal ein Ereignis dem nächsten, ein Höhepunkt jagt den anderen. Dabei wird die Handlung immer spannender, bis die Geschichte schließlich in einem packenden Finale in der Fittes-Agentur gipfelt. Bis dahin durchläuft der Leser aber alle möglichen Emotionen. Angst um liebgewonnene Charaktere, Ungläubigkeit, Grusel, Erleichterung und Erstaunen sind nur Beispiele der Palette. Und wenn man sich zwischendurch die Zeit nimmt durchzuatmen, ist es überraschend, welche Geheimnisse so alles gelüftet werden. Leider werden auch ein paar davon noch offen gelassen, sodass eine Fortsetzung der Serie zwar nicht zwingend nötig, aber durchaus im Bereich des Möglichen und wünschenswert wäre.

Lucy ist die Beste!

Nach wie vor wird die Handlung aus Lucys Perspektive erzählt, sodass auch weiterhin die Kommentare des Schädels eine große Rolle spielen. Diese sind – vor allem beim Einbruch in die Räume der Orpheus-Gesellschaft  – wieder gewohnt amüsant. Diesmal sind es jedoch nicht die Beleidigungen, die für den Witz sorgen, sondern die schlagfertigen Bemerkungen, mit denen der Schädel die Handlung kommentiert. Stellenweise erweckt er beim Leser sogar das Gefühl, dass er das Team mittlerweile akzeptiert. Nur Kipps, der wieder tatkräftig mithelfen darf, wird noch des Öfteren beleidigt. Da dieser aber ebenfalls ordentlich austeilen kann, ist das überhaupt nicht schlimm. Besonders auffällig ist jedoch, dass die ohnehin schon sehr detaillierten Beschreibungen noch aussagekräftiger geworden sind. So gibt es eine Szene, in der Lucy völlig fertig ist, ihre Welt bricht in einem Augenblick in sich zusammen. Dies wird auch auf den Leser übertragen, was eine enorm starke Wirkung erzielt. Die gesamte Szene fühlt sich an, als hätte man selbst die schlechte Nachricht bekommen und müsste sich jetzt erst wieder zurechtfinden. Verstärkt wird dieser Eindruck noch dadurch, dass Lucy im ganzen Band angespannt wirkt und jede Möglichkeit, ihre Angst um ihre Arbeitskollegen zu zeigen, genutzt wird. Dies findet dann seinen Höhepunkt im Finale, wenn sie sich allein Marissa und Ezechiel entgegenstellt.

Haben mir schon die bisherigen Bände sehr gut gefallen, toppt dieser das noch einmal um Längen. Ich komme aus dem Schwärmen kaum noch raus und wüsste nicht einmal eine Lieblingsszene zu benennen. Alle Handlungsbögen bestechen durch ein besonderes Merkmal, mal durch Witz, ein anderes Mal durch Spannung (oder durch beides) und andere wiederum rufen so ein beklemmendes Gefühl hervor, dass man erleichtert aufatmet, wenn alles gut ausgeht. Nach dem Band war ich aber einfach nur traurig, dass es jetzt tatsächlich vorbei sein soll. Das Ende gefiel mir dabei sehr gut, denn alle wichtigen Fragen werden beantwortet. Es gibt Hoffnung für Lucy in mehr als einer Hinsicht und das hinterlässt ein gutes Gefühl bei mir. Jedoch wurden während des Bandes so einige Fragen aufgeworfen (zum Beispiel wie es auf der Anderen Seite weitergeht), dass ich eine Fortsetzung mehr als Begrüßen würde. Es gibt jedoch zwei Kleinigkeiten, die mir nicht ganz so gut gefallen: Das ist zum einen der Fall um La Belle Dame, der auf mich überflüssig wirkte. Ich bin von den bisherigen Bänden verwöhnt worden, dass die Fälle immer irgendeinen Bezug zueinander hatten. Ein solcher ist mir in diesem Band jedoch nicht aufgefallen, sodass der Geist der Schauspielerin irgendwie losgelöst von der eigentlichen Handlung wirkt. Es ist fast, als wäre er nur dazu da noch einmal zu verdeutlichen, welche Angst Lucy eigentlich um Lockwood hat. Dies wird aber schon deutlich, wenn er sie zum Grab seiner Eltern mitnimmt und zwar so stark, dass auch ich richtig Angst um ihn bekommen habe. Das ist auch der zweite Punkt, den ich übertrieben finde. Die Angst um Lockwood ist ein interessantes Gefühl, weil ich nicht gewohnt bin, dass ein Buch ein solch starkes Empfinden bei mir auslöst. Dann kam jedoch auch Angst um George und schließlich sogar noch um Kipps dazu. Das ist einfach zu viel, auch wenn ich positiv erwähnen muss, dass bei allen drei Charakteren dieses Gefühl gleich intensiv war. Ich hatte um alle wirklich Angst, finde aber im nachhinein, dass die glückliche Auflösung gerade bei Kipps im extremen Gegensatz dazu steht. Hier wäre weniger wohl mehr gewesen, gerade seine Verwundung hätte nicht so extrem gefährlich sein müssen.

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Centy

Centy ist den Großteil des Tages am und mit dem PC beschäftigt. Als Ausgleich ist sie gerne draußen unterwegs und wandert, fährt Fahrrad oder entspannt sich auf dem Balkon. Sie ist weniger der kreative Typ als der konsumierende. Über Kino, TV bis hin zu Büchern, Comics und Games interessiert sie alles, was eine interessante Geschichte erzählt. Dabei ist sie auf keine Genres festgelegt, auch wenn ihr Liebling der Cyberpunk ist. Nur Horror und Liebesgeschichten meidet sie wenn möglich - wobei für sie oft nicht ganz klar ist, wo da der Unterschied ist.

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