Kreative Viecher

Jeder Autor kennt das Problem: Es gibt Tage, an welchen sich einfach keine Idee einstellen will. Stattdessen kämpft man mit jedem Satz und weiß nicht recht weiter. Wie wäre es dann, wenn es ein paar pelzige Helfer gäbe, die die eigenen Ideen aufpäppeln und wieder zum Funkeln bringen? Diesen Helfern werden in der neuen Anthologie des Verlags ohneohren 16 verschiedene Geschichten gewidmet. Kreative Viecher kann seit dem 19. Oktober 2020 erworben werden.

Ein Disziplinpinguin watschelt über seine Papier-Eisscholle. Dort dressiert er Flöhe in einem Zirkuszelt, doch seine Ruhe wird durch eine Horde Plappergeien gestört, die sich in seinem Zirkuszelt einnisten und ihn nicht in Frieden lassen. Der Disziplinpinguin ist verzweifelt. Was soll er jetzt machen? In einer ausweglosen Lage befindet sich Reto, ein gefeierter Autor. Er glaubt langsam seinen Verstand zu verlieren, denn plötzlich räumt sich seine Tasse von selbst weg und er hat das Gefühl, beobachtet zu werden. Deshalb verwüstet er seine Wohnung und flüchtet auf die Straße. Dort kann er endlich schreiben, wie er möchte und er muss nicht mehr an das Plüschkaninchen denken, das manchmal seltsam lebendig scheint. Was hat seine Verlegerin Kristin mit diesem Kaninchen zu tun? Das sind nur zwei Geschichten, die es in Kreative Viecher zu entdecken gibt – und sie alle haben eines gemeinsam: in ihnen wimmelt es von Federn, Fell und Schuppen.

Ideenwolf und Plotsau

Originaltitel Kreative Viecher
Ursprungsland Österreich
Jahr 2020
Typ Anthologie
Bände 1
Genre Fantastik
Autor Ingrid Pointecker/David Knospe (Hrgs.)
Verlag ohneohren
Veröffentlichung: 19. Oktober 2020

Die Geschichten in Kreative Viecher sind so bunt und unterschiedlich wie die Tiere, die darin auftauchen. So erzählt die Autorin Melanie N. Schneider in Die Zeit der Wölfe über den Wolf Lux, der einen Autor als Ideenwolf schon lange begleitet und die Rudelmitglieder in Schach hält. Beide sind lange ein Team, aber es wird deutlich, dass diese Verbindung nicht für immer bestehen kann – denn schließlich ist jede Geschichte irgendwann einmal auserzählt. So ist Die Zeit der Wölfe eine eher traurige Geschichte über das Ende aller Geschichten. Ganz andere Töne schlägt Kundenhotline von Anja Buchmann an. Hier möchte Fabian gerne eine Reklamation aufgeben, denn seine Geschichte wurde nicht so bearbeitet, wie er es sich gewünscht hatte. Plötzlich passen die Hauptpersonen nicht mehr in den Plot hinein und Fabian verzweifelt beim Weiterschreiben. Doch durch die Hotline der Creative-Agentur kommt man noch schwerer als bei einem Telefonanbieter und Fabian muss sich bald mit der Miese-Laune-Laus und der Plotsau Isolde herumschlagen. Beide Geschichten geben einen kurzen Einblick in die Vielfalt, die den Lesenden in der Anthologie Kreative Viecher erwartet.

Das typische Anthologie-Problem

Die Geschichten reihen sich in Kreative Viecher abwechslungsreich aneinander – auch wenn nicht klar wird, in welcher Reihenfolge alles geordnet wurde. Wie es bei Anthologien üblich ist, ist es jedoch nicht so, dass jede Geschichte für jeden Leser geeignet ist. Manche Geschichten finden nicht bei jedem Anklang und teilweise entsteht das Gefühl, dass sich manche Motive wiederholen. So geht es beispielsweise in zwei Geschichten um einen Mord und auch ein paar Geschichten haben keine Tiere im engeren Sinne zum Protagonisten. Es kommen beispielsweise der personifizierte innere Kritiker oder das Handy, das sich beinahe wie ein kleines, nerviges Tier verhält, vor. Bei diesem Geschichten könnte der Leser auf den ersten Seiten enttäuscht werden, da er sich unter dem Namen der Anthologie sich nur Geschichten über verschiedene Tiere vorgestellt hat.

Die Kunst des Schreibens und der Kreativität

Kreative Viecher wird zu einer Anthologie des Schreibens und der Schriftsteller. Die Höhen und Tiefen dieser Leidenschaft werden durchlebt. Von Schreibblockaden über zu viel Ablenkung bis hin zum wahren Schreibflow. Der Lesende erlebt, wie Geschichten entstehen und Ideenblitze kommen. Gleich ist allen Protagonisten: Sie lieben es mit Wörtern zu jonglieren und sie zum Tanzen bringen. Der Lesende erfährt also nicht nur etwas über die verschiedenen Viecher, die sich in Autorenwohnungen herumtreiben, sondern erhält auch einen Einblick, mit was ein Autor zu kämpfen hat. Natürlich finden auch andere Künstler ihren Platz und auch die Geschichte von Musiker wird erzählt, trotzdem nimmt die Schriftstellerei den meisten Platz in der Anthologie ein. Für alle, die schöne Bücher lieben, sind auch die ersten Seiten jeder Geschichte eine Besonderheit, denn diese werden immer von den Fußspuren der Viecher geziert.

Fazit

Die Anthologie bietet einen Einblick in das Autor*innenleben. Mal ist dieser Einblick lustig, mal ist er ernster und manch eine Geschichte bezaubert mit ihrem Ideenreichtum. Der Spannungsbogen zwischen den einzelnen Geschichten ist gut aufgebaut und durch ihre Kürze lassen sie sich auch kurz am Frühstückstisch lesen. Der einzige Wehmutstropfen ist, dass sich manche Tiere, wie beispielsweise das Plotbunny, wiederholen. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Abwechslung gewünscht. Für einen entspannten Nachmittag ist Kreative Viecher aber genau die richtige Lektüre.

© Verlag ohneohren


Veröffentlichung: 19. Oktober 2020

Ivy

Wenn Ivy nicht gerade ihre Zeit in der Hochschule verbringt, wo sie lernt sich im Informationsdschungel zurecht zu finden, verbringt sie ihre Zeit mit dem Horten von Büchern. Innerlich weiß sie, dass ihr in nächster Zeit der Platz für all ihre Neuerwerbungen ausgehen wird – trotzdem kann sie es nicht lassen, neue Funde mitzubringen. Sonst sind auch keine Mangas oder Comics vor ihr sicher, da doch alles irgendwo noch einen Platz finden wird. Sonst hat sie eine große Schwäche für gute und besondere Geschichten, Eulen und Schildkröten in jeder Form und Merchandise von "Gintama". Wenn sie mal keine Bücher kauft und liest, schreibt sie selbst.

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