Keine Helden: Piraten des Mahlstroms

Lesezeit: 5 Minuten

Vielen Autoren hilft es, in Pen & Paper Abenteuern Erfahrungen gesammelt zu haben, um eine vielfältige und spannende Welt aufzubauen. Nils Krebber gehört ebenfalls zu dieser Gruppe und hat seine Erlebnisse in Keine Helden: Piraten des Mahlstroms verarbeitet, welches 2017 im Amrûn Verlag erschien. Herausgekommen ist eine Fantasygeschichte, in der man sich gegen seinen Tod auflehnen und zurückkommen kann, vorausgesetzt, es geht einem die Wut im Bauch nicht aus, bis man vor seinem Gott steht.

  

Eberhart Brettschneider ist Händler mit einem Hang zu Abenteuern und Entdeckungen. Sein tägliches Brot bestreitet er aber hauptsächlich mit Hilfe seiner Geschäftspartnerin Aurelia als Betrüger. Als die beiden bei einem Coup hereingelegt werden, werden sie in eine Suche nach dem Schatz des Schreckenskapitäns und die Befreiung eines Inselkönigreichs hineingezogen. Eine wilde Reise in Begleitung von Gräfinnen, Inquisitoren, Nekromanten und Piraten beginnt.

Zwei Freunde und ihre Ziele

Nicht nur die Reise hört sich spannend an, sondern auch die Konstellation der Protagonisten. Eberhart Brettschneider scheint leicht zu durchschauen: ein übergewichtiger Händler mit viel Grips, der genügend Geld absahnen will, um sich seinen Traum – die Erkundung der Südmeere – zu erfüllen. Wenn er dabei noch einen Partner fürs Leben fände, würde er sich nicht beschweren. Seine beste Freundin ist Aurelia, die sich ihm anschloss, um dem herrschenden Imperium eins auszuwischen – und ihren Bruder zu rächen. Beide treiben ihre Wünsche an und sie brennen für ihre Ziele, weswegen man schnell Angst haben muss, dass sie nicht verbrennen, als ihr Einbruch bei der Gräfin del Mar schiefgeht.

Gescheiterte Tricksereien und Eroberungspläne

Eberhart und Aurelia hätte klar sein müssen, dass ihr Plan zu leicht aufgeht. Doch einmal von der Gräfin überführt, sind sie gezwungen, ihr auf einer ganz speziellen Mission zu helfen: Der Befreiung des Inselkönigreiches Maracasar, welches unter der Knute des Imperiums steht. Doch ausgerechnet eine der schrecklichsten Erscheinungen des Imperiums – ein Inquisitor – soll ihnen dabei helfen? Es gibt eine Erklärung, auch wenn sie eine der wenigen ist, die aufgrund der Ideenvielfalt nicht ganz überzeugen kann.

Schaffen will die Gräfin dies, indem sie im Schatz des Schreckenskapitäns Escobar del Mar ein Zeichen der Legitimation finden will, welches sie als Erbin des Herrn einer untoten Crew legitimiert.

Vielzahl an Sagen und Legenden

Originaltitel Keine Helden – Piraten des Mahlstroms
Ursprungsland Deutschland
Jahr 2017
Typ Roman
Bände 1
Genre Abenteuer, Fantasy
Autor Nils Krebber
Verlag Amrûn Verlag

Die Welt von Keine Helden wird durch lebendgewordene Sagenfiguren … nun … lebendig. Einst zeugte der Gott Laros mit Asedna (der Mutter der Monster) die Meeresbewohner. Als die Menschen die Meere für sich erobern wollten, freute sich Laros, doch Asedna wurde eifersüchtig und riss die Eindringlinge in die Tiefen. Als Strafe wurde sie in die Unterwelt verbannt, wo sie mit dem Fürsten der Finsternis den Schwarm zeugte – Monster, welche die Menschen vom Meer vertrieben und die Länder mit Sturmfluten und Kriegen überzogen. Doch ein Mann will dieses Schicksal der Verwüstung nicht akzeptieren und gibt nicht auf, obwohl er vom Schwarm in die Tiefe gerissen und versklavt wird. Er rebelliert gegen Asedna und ihre dunklen Kinder und kämpft sich bis zu Laros’ Palast vor, wo er den Gott selbst herausfordert. Dieser ist von dessen Mut so beeindruckt, dass er ihm seinen Segen gibt und ihn aus dem Meer aufsteigen lässt. Der erste Sturmgeborene ward geboren.

Von Frauen, die zu Sturmgeborenen werden und Männern, die dem Leichenmeister dienen

Es folgen weitere Untiefe-Rebellen, doch den Menschen ist die letzte ihrer Art am eindrucksvollsten im Gedächtnis: Siobhan Sturmgeborene, die wollte, dass alle Laros anbeten, auch die Bewohner Maracasars. Die beste Verteidigung der Insel ist Escoban del Mar, der aus einem hoffnungslosen Unabhängigkeitskrieg ein zähes Unternehmen für das Imperium machte. Zehn Jahre kämpfte er, und selbst, als das Inselkönigreich sich unterwerfen musste, machte er es sich zur Mission, ein Dorn im Auge der Herrschenden zu werden. Solange er kämpfte, blieb Maracasar aufmüpfig und Siobhan bereitete sich auf einen letzten großen Kampf am Rande des Mahlstroms vor. Um seine Chancen auszugleichen, wandte sich Escobar an den Leichenmeister und verdammte seine verfluchte Crew damit endgültig.

Der Kreis schließt sich

Geschickt verbindet Nils Krebber die Legenden seiner Welt mit dem Abenteuer, in das seine Hauptfigur Eberhart Brettschneider rutscht. Mit einer gesunden Portion Humor, welcher oft unerwartet um die Ecke kommt und einen damit gut unterhält und überraschenden Ideen, auch beim Lösen von Problemen Wie zum Beispiel kommt man bei der Insel, auf der Escobars Schatz sein muss, hinter den Wasserfall und damit zum ersehnten Gold und Gut? Eberhart erinnert sich daran, dass oft Esel als Gepäckträger verwendet werden und die Tiere schlau genug sind, sich verborgene Wege zu merken. Also blökt er so lange, bis sich eines der Grautiere zeigt.

Personen, die für unsere Helden nur glorifizierte Sagengestalten aus dem letzten Jahrhundert sind, scheinen auf einmal zum Greifen nah und eine steife Brise bringt den Duft von Abenteuer mit sich. Alte Bekanntschaften ermöglichen es den selbsternannten Befreiern von Maracasar, das Piratenleben für sich zu entdecken und auf den Pfaden einer verfluchten Piratencrew zu wandeln.

Ich durfte Nils Krebber und sein frisch erschienenes Buch letztes Jahr auf der Phantastika kennenlernen. Obwohl mich die Geschichte sofort ansprach, sollte es noch einen Monat bis zum BuCon dauern, bis das Werk bei mir einziehen durfte. Es hatte einen schweren Start, da ich nach dem Abbruch von zwei eher mittelmäßigen Büchern fast schon in einer Leseflaute war. Doch bereits das erste Kapitel war so überraschend witzig und spannend zu lesen, dass ich Eberhart und Aurelia sofort in mein Herz schloss und bereit war, mit ihnen jedes Abenteuer zu meistern. Enttäuscht wurde ich nicht, da der Mix aus verschiedenen Plotelementen und Klischeebrüchen immer wieder für Überraschungen sorgt und ich neben der interessanten Handlung vor allem vom Weltenaufbau und den vielschichtigen Charakteren begeistert war.

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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