Florence Fanning und die Steampirates

Lesezeit: 5 Minuten

Seit einigen Jahren ist es so leicht wie nie, seine eigenen Geschichten zu veröffentlichen. Immer mehr Autorinnen und Autoren gehen den Weg des Selfpublishing, um sich ihren Traum, das eigene Buch in den Händen zu halten, zu erfüllen. Bei Jo Romics Debütroman Florence Fanning und die Steampirates hat es ein wenig länger gedauert, bis dieser Weg eingeschlagen wurde. 2012 ursprünglich als Comic-Serie geplant wurde an der Idee so lange herumgewerkelt, bis sich der Autor merkte, dass er diese gewaltige Geschichte nicht in einen einzelnen Band packen konnte. Seit Januar 2018 kann man die endgültige Form der Geschichte, welche den Auftakt einer Trilogie bildet, bei Amazon als Roman oder eBook kaufen.

  

Vor 20 Jahren stürzte Mary Coleman zusammen mit ihren mechanischen Steampirates die Monarchie von Heavendawn. Danach verschwanden die Maschinen in die Dunkelheit und gerieten ins Vergessen. Eines Tages jedoch wird das Dorf der 24-jährigen Florence Fanning von den Piraten überfallen. Dabei wird ihre Mutter getötet und Florence beschließt, ihren verschollenen Vater zu suchen. Mit Hilfe von Zufall, mechanischem Verständnis und neuen Freunden beginnt für die junge Frau ein Abenteuer, bei dem sich ihre Wege nicht nur einmal mit dem Captain der Steampirates kreuzen.

Spannender Start

Originaltitel Florence Fanning und die Steampirates
Ursprungsland Deutschland
Jahr 2018
Typ Roman
Bände 1 / 3
Genre Abenteuer, Steampunk
Autor Jo Romic
Verlag Selfpublishing

Das erste Kapitel von Florence Fanning und die Steampirates, eher ein Prolog, beginnt rasant. Nach Einführung eines älteren Ehepaars tauchen die Steampirates auf und man erfährt etwas über ihre Intention. Vor allem wird angedeutet, warum sie aus der Versenkung auftauchen – sie sind auf der Suche nach einem Geheimnis. Nach einer guten Portion Action wird das Tempo ein wenig gedrosselt und wir lernen im zweiten Kapitel auch endlich die namensgebende Protagonistin für das Buch kennen: Florence Fanning ist eine ungewöhnliche junge Frau, die lieber an ihrem Flugzeug bastelt und fliegen möchte, als sich in das enge Korsett der Konventionen stecken zu lassen. Man bekommt den Aufbau der Welt gezeigt, welche teilweise rückständig ist. Viele sind zu arm, um sich Maschinen für die harte Arbeit auf den Feldern zu leisten und der wichtigste Besitz von Florences Dorf ist eine zu einem Automobil umgebaute Kutsche, die hilft, Waren zum großen Markt zu transportieren, um dort Nahrungsmittel und anderes Gut vom Gewinn zu erstehen. Dadurch sticht Florence noch mehr hervor: Sie gönnt sich den Luxus einer eigenen Erfindung und macht ihrer Mutter damit nur Sorgen.

Lasst die Reise beginnen

Schnell kommen wir zum eigentlichen Part der Geschichte: Das Dorf von Florence wird überfallen, ihre Mutter getötet und die einzige Familie, welche die junge Frau noch hat, ist ihr verschollener Vater. Vom Priester des Dorfes, der mehr über die Piraten und Florences Vergangenheit zu wissen scheint, bekommt sie Hinweise auf eine Spur, der sie bald folgt. Es wirkt manchmal etwas verwunderlich, wie gut sich die junge Frau in einer Welt auskennt, die sie noch nie bereist hat. Nach stundenlangem Flug erkennt sie auf Anhieb die Stadt vor ihr als Zielort. An der ein oder anderen Stelle in Florence Fanning und die Steampirates merkt man, dass die Welt so viele Möglichkeiten bietet, zum Beispiel wird die Folklore mit ihren verschiedenen Sagengestalten dem Leser anhand eines Kartenspieles beigebracht – und später in der Geschichte wieder aufgegriffen, was beim Lesen richtig viel Spaß macht.

Show me more, Baby!

Schon mal von “Show, don’t tell” gehört? Das ist einer der wichtigsten Sätze, die sich Autoren immer und immer wieder anhören dürfen. Wir wissen, wie sich die Szene entfaltet, haben die Bilder, Emotionen und Bewegungen ganz klar vor Augen. Leider ist es doppelt und dreifach so schwer, das dann auch genau so niederzuschreiben. Eine Schwäche des Romans ist leider, dass noch viel mehr hätte gezeigt werden können. Als Leser möchte man nicht nur gesagt bekommen, dass jemand offensichtlich Angst hat, man möchte beschrieben bekommen, wie die Angst die Figur überfällt, ihr kalte Schweißausbrüche beschert oder das Gefühl beschert, dass eine Eisenfaust ihre Eingeweide zusammen zu quetschen scheint. Auch gab es ein paar wenige Stellen, an denen die Denkweise von Florence nicht ganz zum Geschehen passte. So stürzt sie nach Ankunft ihres ersten Zieles auf der Suche nach ihrem Vater mit ihrem selbstgebauten Flugzeug in einen Fluss. Sie kann sich selbst, aber nicht das Flugzeug retten und tut dies mit dem Gedanken, dass es am Ende des Tages auch nur eine Maschine ist, mit einem Schulterzucken ab. Selbst für die pragmatische junge Frau war das etwas gefühllos, hat sie doch Monate für die Herstellung gebraucht und es zuletzt nach einer geliebten Person benannt.

Der Weg vom Comic zum Roman

In der Danksagung beschreibt Jo Romic, wie die Idee zum Roman ihm erstmals 2012 kam. Seine Begeisterung für die Comicreihe Steam Noir von Felix Mertikat, Benjamin Schreuders und Verena Klinke inspirierte den Autor, Steampunk auf seine Weise zu interpretieren. Aus der Zeit, als Florence Fanning und die Steampirates noch als Comic konzipiert war, ist nicht nur die wunderschöne Umschlaggestaltung geblieben. Oft sind die Sätze recht kurz und Beschreibungen zur Umgebung oder den Klamotten der Figuren wird ein eigener Satz gewidmet. Das lässt diese manchmal wie Anweisungen wirken und nicht wie ein natürlicher Teil der Geschichte. Ab und zu stolpert man deswegen auch über das Geschriebene. Jedoch gewöhnt man sich daran auch schnell und schnell ist die spannende Geschichte mit interessanten Ideen und der ein oder anderen überraschenden Wendung wichtiger.

Ich war positiv überrascht als anstatt nur der angefragten Leseproben auch das Buch in meinem Briefkasten landete. Die Freude war so groß, dass ich direkt mit dem Lesen anfing. Schnell hat mich die Welt in ihren Bann gezogen und ich hatte sehr viel Spaß dabei, Florence auf ihren Abenteuern zu verfolgen und die liebevollen Ideen des Autors zu entdecken. Einzig die recht kurzen Sätze haben mich manchmal aus dem Lesefluss gerissen und die ein oder andere Entwicklung hätte für meinen Geschmack besser ausgearbeitet sein dürfen. Am Ende des Romans küsst Florence ihre Begleiterin Quinn und das war, wenn auch im Prinzip richtig klasse, doch sehr überraschend. Es kam mir bis zu diesem Punkt eher als Freundschaft aus Florence Sicht vor. Deshalb hat das Buch für mich auch nur knapp die vier Sterne nicht erreicht, aber ich freue mich sehr auf die Fortsetzung, die nach Ende des ersten Bandes noch spannender und vielfältiger zu werden verspricht.

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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