Die Eule von Askir

Lesezeit: 5 Minuten

Viele Ermittler wie etwa Detektiv Conan lösen ihre kniffligen Fälle in einem modernen Setting. Andere wie der berühmte Sherlock Holmes arbeiten im viktorianischen London. Doch weitaus weniger Kriminalgeschichten spielen sich in einer Fantasy-Welt ab. In den Romanen rund um die Stadtwache von Ankh-Morpork in der Scheibenwelt ist dies der Fall. Doch auch Die Eule von Askir präsentiert einen rätselhaften Mord in einem solchen Setting – allerdings mit weniger Augenzwinkern und so verrückt wie in der Scheibenwelt ist es natürlich auch nicht. Aber es ist kein herkömmlicher Mord. Wo wird schon das Opfer von einem Nekromanten besessen und kann nur hilflos zusehen, wie es sich selbst richtet?

Kaum hat Desina die Prüfung erfolgreich abgelegt, die aus ihr eine vollwertige Eule (eine Art Kombination aus Magier und Gelehrtem) macht, wird sie zu ihrem ersten Auftrag gerufen: Im Hafen wurde ein Mann brutal ermordet und es sieht alles danach aus, als hätte ein Nekromant seine Finger im Spiel gehabt. Desina, die erste Eule seit vielen Jahrhunderten, beginnt ihre Ermittlungen.

Ein Mord und eine Verschwörung

Originaltitel Die Eule von Askir
Ursprungsland Deutschland
Jahr 2009
Typ Roman
Band 6 von 7
Genre Fantasy
Autor Richard Schwartz
Verlag Piper

Die Eule von Askir wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt. Im Mittelpunkt stehen hierbei Desina selbst, ihr diebischer Kindheitsfreund Wiesel und der aldanische Baronet von Freise. Jeder von ihnen stellt seine eigenen Nachforschungen an und erst mit den Erkenntnissen von allen fügt sich eine schlüssige Lösung für den Fall zusammen. Dabei spielt der tote Kammerdiener aber sogar eine eher untergeordnete Rolle, da er vor allem als Mitwisser der Verschwörung aus dem Weg geschafft wird. Schließlich wollte er den ganzen Plan des Nekromantenkaisers sabotieren und verhindern. Der ermordete Kammerdiener ist nicht das einzige Ereignis, das Askir in Atem hält. Seltsame Echsenmenschen greifen im Hafen an und Menschen verschwinden. All diese Ereignisse scheinen in Verbindung zu stehen und zu einem größeren Plan zu gehören. Erst kurz vor Schluss können Desina, Wiesel und von Freise ihre Erkenntnisse teilen und somit dem Rätsel auf den Grund gehen. Gerade noch rechtzeitig, denn das Ständefest steht bevor, bei dem der Feind zuschlagen und Askir durch einen Überraschungsangriff durch ein magisches Tor einnehmen will. Diese Auflösung ist aber leider fast schon zu einfach, denn genau genommen hat es nur noch wenig mit dem toten Kammerdiener zu tun. Der wird nur aus dem Weg geräumt, weil er zu viel weiß, ist aber an sich nur ein kleines Licht. Wirklich viel zu rätseln oder vorherzusehen gibt es hier also nicht wirklich.

Eine Eule, ein Wiesel und der ganze Rest

Nahezu jeder Charakter besitzt seine eigene Vorgeschichte und ist lebendig geschrieben. Es wird viel Bezug auf Ereignisse aus der Vergangenheit genommen, allerdings beschränkt man sich hierbei auf solche, die Relevanz für die Beziehungen zu anderen Charakteren besitzen. Vor allem Desina hat Verbindungen in allen Schichten, ob nun die Feder Orikes im Militär, einen einflussreichen Kaufmann im Rat oder ihre Kindheitsfreunde aus dem Hafenviertel. Aber auch Tarkan und seine sich entwickelnde Beziehung zur Sängerin Taride ist ein großes Thema. Hier wird auch deutlich, dass in Taride sehr viel mehr steckt als eine einfache (wenn auch begabte), attraktive Bardin. Wiesel tut, was Wiesel am besten kann: in fremde Häuser (oder auch Schiffe) einsteigen. So macht er nicht nur den Nekromanten einen Strich durch die Rechnung, sondern trifft auch vollkommen unerwartet eine alte Bekannte. Allerdings erfährt man über diese namenlose Schönheit aus Xiang recht wenig. Es gibt auch selten ellenlange Beschreibungen der Figuren. Stattdessen wird lediglich auf hervorstechende Merkmale wie etwa Desinas rotes Haar oder Santers Größe verwiesen. Vor allem letzteres entwickelt sich geradezu zu einer Art Running Gag, da Santer immer wieder damit aufgezogen wird und tatsächlich auch eingeschränkt ist. Für seine Größe hat das Militär nicht mal passende Rüstungen vorrätig.

Die Welt von Askir

Askir ist eine lebendige Stadt und vor allem zwischen den Zeilen wird hier viel Worldbuilding betrieben. Denn wozu Dinge lang und breit erklären, die für Desina, Wiesel oder Santer vollkommen normal und alltäglich sind? Der Leser wird hierbei nie von Informationen erschlagen, sie fließen viel eher in die Geschichte mit ein und das meiste erschließt sich aus dem Kontext. So wird schnell klar, dass die Marinesoldaten in Askir als Seeschlangen bekannt sind, Infanteristen Bullen genannt werden oder was die Aufgaben einer Feder sind (sie sind für die Verwaltung zuständig oder sind als Heiler tätig, auf jeden Fall schreiben sie viel, daher der Begriff Feder). Das Militär mit all seinen unterschiedlichen Abteilungen und Rangbezeichnungen steht natürlich im Mittelpunkt. Aber auch der Glaube an die drei Götter Boron, Soltar und Astarte kommt immer wieder zur Geltung, nicht nur in Form handelnder Priester sondern auch in vielen Flüchen, die ihre Namen verwenden. Vor allem Wiesel hat da ein sehr breit gefächertes Repertoire. Doch auch in vielen kleinen Details zeigt sich eine durchdachte Welt. Da es zwei Monde gibt, existieren in Askir nicht nur Ebbe und Flut, sondern auch Doppelebbe und Doppelflut.

Eine Geschichte ganz ohne Havald

Die Eule von Askir bildet ein Spin-off zu Richard Schwartz’ Hauptreihe Das Geheimnis von Askir. Dieses liegt zwischen dem sechsten Band Die Feuerinseln und dem siebten Finalband Der Kronrat. Doch hier begleitet der Leser nicht Havald und dessen Freunde auf ihrer langen Reise in die sagenumwobene kaiserliche Hauptstadt Askir. Stattdessen spielen sich die Ereignisse in genau dieser Stadt ab. Gerade mit dem Wissen aus den vorangegangenen Bänden ist das ein interessanter Ortswechsel und auch der Perspektivwechsel ist eine erfrischende Abwechslung. Denn der Rest der Reihe wird lediglich aus Sicht von Havald in erster Person erzählt. Auf Dauer kann das recht einseitig werden. Die Eule von Askir nutzt die dritte Person und mehrere sogenannte Point of Views, die sich ergänzen. Das funktioniert für diese Art von Geschichte wesentlich besser und führt den Leser in unterschiedliche Milieus von Askir. Das Spin-off kann problemlos ohne den Rest der Askir-Reihe gelesen werden. Wem aber die Ereignisse vor allem aus Die Feuerinseln bekannt sind, wird einige Querverbindungen zwischen diesen beiden Büchern erkennen. So taucht auch der große Haufen Vogelmist, den Leandra in Die Zweite Legion durch die magischen Tore beseitigt hat, hier zum zweiten Mal wieder auf. Damit ist auch klar, wohin die gegnerische Armee geschickt wird (die Tore funktionieren immer im Austausch): in das kleine Portal auf den Feuerinseln, das Havald und Co in Die Feuerinseln versperrt und mit Vogelmist gefüllt vorfanden.

Fazit

Die Eule von Askir bietet eine erfrischende Abwechslung zur Hauptreihe, vor allem da mir Havald mit der Zeit mehr und mehr auf die Nerven geht. Doch wie bei bisher allen Askir-Bänden gefällt mir vor allem das ganze Drumherum, das Worldbuilding, die Orte oder die Charaktere mit ihren Hintergrundgeschichten und Motivationen. Die meisten Figuren sind sehr liebenswert und dass fast jede eine Vorgeschichte hat, macht sie lebendig und greifbar. Vor allem Desina wirkt auf mich sehr sympathisch mit ihrer neugierigen, direkten Art. Auch mag ich es, wie sich am Ende alle Puzzleteile zusammenfügen und sich die Erkenntnisse der verschiedenen Figuren zur Lösung verbinden.

© Piper

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Drottning Katt

Als Studentin der Linguistik hat Drottning Katt ein Faible für Sprachen aller Art – reale oder fiktive. Sie ist ein großer Fantasy-Fan und kann in diesem Bereich immer mit detaillierten Worldbuilding, einem durchdachten Magiesystem oder vielschichtigen Charas geködert werden. Dabei ist es nebensächlich, in welcher Form die Geschichte erzählt wird, Hauptsache interessant. Zudem gehören zu ihren Hobbies das Schreiben eigener Geschichten, zeichnen und an eigenen fiktiven Sprachen basteln.

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