Der Dunkle Turm (Band 4): Glas

Lesezeit: 5 Minuten

Im vierten Band Glas des Dunklen Turm-Zyklus lässt Stephen King (Der Outsider) Roland endlich aus seiner Vergangenheit erzählen. Dabei kommen so einige Dinge ans Tageslicht, die im weiteren Verlauf der Reise für ihn und seine Gefährten noch wichtig sein werden. Doch zuerst einmal sollte ein durchgedrehter Zug mit Namen Blaine überlistet werden. Und was hat es überhaupt mit dem grünen Glaspalast auf sich, der auf dem Weg den Balken entlang auf sie zu warten scheint? Und was ist das mit der Supergrippe, die Leser doch aus The Stand – das letzte Gefecht kennen?

    

Blaine fährt mit rasender Geschwindigkeit auf die Endstation Topeka zu. Wenn Roland und seine Gefährten den Zug nicht in einem Rätselwettbewerb besiegen, droht ihnen der Tod. Die Situation wird immer aussichtsloser, denn selbst dem alten Revolvermann gehen die Ideen aus. Jedoch hat ein Mitglied des Ka-Tets ein Ass im Ärmel. Gerade in letzter Minute schaffen sie es, Blaines Schaltkreise zum Überkochen zu bringen und damit heil in Topeka anzukommen. Allerdings freut sich die Gruppe zu früh: Die Stadt ist menschenleer, was an einer gefährlichen Supergrippe namens Captain Trips liegt. Auch andere Dinge sind seltsam und nach einem genauen Umschauen stellt der Revolvermann fest, dass sie nicht mehr in seiner Welt sind. Die nahegelegene Schwachstelle im Gefüge der Welten, auf die die Gruppe zuläuft, lässt die Gedanken Rolands weit zurückfliegen. In eine Zeit, als Gilead noch stand, als seine ersten Gefährten noch lebten und als er sein Herz an die schöne Susan verloren hat.

Endlich eine Auflösung

Originaltitel The Dark Tower: Wizard and Glas
Ursprungsland USA
Jahr 1997
Typ Roman
Band 4 / 8
Genre Western, Fantasy
Autor Stephen King
Verlag Heyne

Ganze fünf Jahre ließ Stephen King seine Leser mit dem Cliffhanger-Ende von tot. zurück. In den Jahren bis zum Erscheinen von Glas schrieb der Autor zwar einige andere Romane, die dicht mit den Werken des Dunklen Turms verbunden sind, jedoch nicht als direkte Fortsetzungen gehandelt werden. Umso erfreulicher, dass es gleich auf den ersten Seiten mit dem Rätselwettbewerb weitergeht. Durch eine kleine Wiederholung der letzten Ereignisse aus dem Vorband ist jeder Leser sofort wieder drin und kann somit erneut anfangen, die Daumen zu drücken. So einfach ist es nämlich nicht, Blaine zu besiegen. Der sadistische Zug mit gespaltener Persönlichkeit ist kein gewöhnlicher Gegner und selbst Roland kommt ordentlich ins Schwitzen. Je mehr sich die Reise der Endstation nähert, desto mehr zieht die Spannungskurve an, um dann in einem überraschenden Ende zu münden. Das gerade Eddie Dean mit einem seiner idiotischen Witzrätsel Blaine aus der Fassung bringt und ihn dann auch noch reinlegt, gehört zu einer unvergesslichen Szene in diesem Band.

Willkommen in The Stand – Das letzte Gefecht

Dass der Dunkle Turm das Gefüge aller Welten und Zeiten zusammen hält, ist ein bekannter Fakt. Daher ist es keine allzu große Überraschung, dass es sich bei der Endstation Topeka nicht um die Stadt in Mittwelt handelt. Hier baut Stephen King dann auch eine weitere Verknüpfung zu einem seiner anderen Romane ein: Die Supergrippe, die hier gewütet hat, stammt aus The Stand – Das letzte Gefecht. Es ist daher — auch für das Finale des Bandes — von Vorteil, diesen Roman gelesen zu haben. Neben einer seiner eigenen Geschichten baute Stephen King hier auch Lyman Frank Baums Buch Der Zauberer von Oz mit ein. So laufen Roland und seine Mitreisenden auf einen grünen Glaspalast zu. Was sie nicht wissen: Da wartet jemand, der auf Vergeltung aus ist! Bevor sie jedoch dort ankommen, nimmt sich der Revolvermann die Zeit, eine Geschichte aus seiner Vergangenheit zu erzählen. Diese nimmt circa 80% der Handlung von Glas ein und beantwortet damit endlich Fragen, die seit dem ersten Band Schwarz offen sind.

Eine große Liebe, eine Hexe und eine unmögliche Aufgabe

In Rolands langem Rückblick erzählt er von einem Auftrag, den ihm sein Vater kurz nach seiner Revolvermannprüfung auferlegt hat. Daher erwartet den Leser ein freudiges Wiedersehen mit Cuthbert und dem oft erwähnten Alain. Beides sind sympathische junge Männer, die ihre Fähigkeiten haben und damit ein interessantes Team mit dem noch jungen Revolvermann bilden. Wen der Leser schließlich auch nach all den Bänden kennen lernt, ist Susan: Die eine Frau, die Roland nicht vergisst. Dass ihr ein schreckliches Schicksal widerfahren ist, steht seit dem ersten Roman fest, doch was genau passiert ist, wird hier endlich aufgeschlüsselt. Damit die Handlung nicht zu einseitig wird, wandert der Blickwinkel zwischen verschiedenen Figuren hin und her. So mangelt es keinem an Charaktertiefe, jedoch geht es mit der eigentlichen Handlung nur sehr träge voran. Vor allem sind nicht alle Figuren sympathisch, sodass der Leser bei manchen eher ungern verweilt. Gerade die Hexe Rea ist von Anfang an nicht geheuer und auch die großen Sargjäger sind alles andere als die netten Herren von nebenan.

Eine Runde Schachpartie

Die dunkle Hexe Rea, die Rache an Susan und an einigen anderen nehmen will. Junge Revolvermänner, die eine Aufgabe haben, die sie nicht offen zeigen dürfen. Eldred Jonas, der einen Auftrag für den großen Revolutionär John Farson erledigt und seine Rachsucht an Roland befriedigen will. Susan, die als Geliebte an den Bürgermeister verkauft wird ihr Herz aber an den jungen Revolvermann verliert. Und über allem schwebt Maerlyns grausame Glaskugel, die sich von Lebensenergie ernährt und ihre eigenen Pläne hat. Alles interessante Zutaten, die sich aber nur sehr langsam entfalten. Was Eldred und Roland angeht, so hat der Leser regelrecht das Gefühl eine geschickte Schachpartie zu beobachten. Jedoch zerrt es an den Nerven, dass Letzterer seine Aufgabe schleifen lässt, weil er wie ein verliebter Trottel herumreitet. Es ist daher nicht nur Cuthbert, dem der Geduldsfaden irgendwann zu reißen droht. Schafft der Leser diese Buchseiten, wird er mit einem packenden Finale belohnt, bei dem dann auch die eine oder andere Träne fließt. Susans tragisches Schicksal geht an keinem spurlos vorbei und die Szene, als sie in den Flammen steht, brennt sich ins Gedächtnis.

Fazit

Der Anfang und das Ende von Glas sind für mich packend und lesenswert. Womit ich jedoch meine Probleme habe, ist der Rückblick von Roland. Ich empfinde diesen als zu langatmig und es ist für mich ein Kampf durch die Seiten. Viele Ereignisse bauen sich viel zu gemächlich auf, dabei sind die Zutaten interessant und ergeben zusammen eine spannende Kombination. Emotional wird hier viel geboten, denn es geht um Liebe, Ehre, Verrat, Rache, Betrug, Familie, Freundschaft und das blanke Überleben. Doch es dauert gefühlt ewig, bis die Steine richtig ins Rollen kommen. Ist es soweit, dann geht hier wirklich die Post ab, wobei es wie immer nicht so läuft wie ich es gerne hätte. Stephen King weiß einfach, wie er seine Leser emotional foltern kann! Trotz, dass ich den vierten Band der Dunklen Turm-Reihe als schlechtesten ansehe, hat er ein paar unvergessliche Ereignisse: Das Finale um Blaine, Susans Tod, Reas Rache an Roland, der seine eigene Mutter erschießt und natürlich das Wiedersehen mit Walter, der sich nun Randall Flagg nennt.  Am Ende wünsche ich allen eines: Lange Tage und angenehme Nächte.

©Heyne

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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