Um ein Schnurrhaar

Habt ihr schon einmal davon geträumt, eine Katze zu sein und als niedliches Fellknäuel mit Zuneigung überschüttet zu werden? Seit dem 18. Juni 2020 ist auf Netflix der Animefilm Um ein Schnurrhaar verfügbar, in dem dieser Traum für die junge Mugi Realität wird: Sie kann sich mithilfe einer Maske in eine Katze verwandeln und so ihrem Schwarm und Klassenkameraden Kento Hinode näher kommen. Die klare Trennlinie zwischen ihrem Leben als Katze und Mensch beginnt jedoch bald zu bröckeln – schließlich scheint das Leben als Katze ja sowieso viel einfacher!

   

Miyo “Mugi” Sasaki ist in ihren Mitschüler Hinode verliebt, doch dieser zeigt ihr die kalte Schulter. Als Mugi einem mysteriösen Maskenhändler begegnet, erhält sie eine Kitsune-Maske, die sie in eine Katze verwandelt. Als Katze kann Mugi ihrem Schwarm näherkommen, doch dieses Maskenspiel bleibt nicht ohne Konsequenzen …

Eine schwierige Familiensituation

Originaltitel Nakitai watashi wa neko wo kaburu
Jahr 2020
Laufzeit 104 Minuten
Genre Romanze, Fantasy
Regie Junichi Sato, Tomotaka Shibayama
Studio Colorido
Seit dem 18. Juni 2020 auf Netflix verfügbar

In einer solchen Geschichte könnte man womöglich erwarten, eine schüchterne Protagonistin präsentiert zu bekommen, jedoch ist das Gegenteil der Fall: Mugi ist extrovertiert, überdreht und geht offensiv mit ihrer Zuneigung zu Hinode um. Ihre Mitschüler nehmen sie als seltsam wahr und Hinode reagiert auf ihre Annäherungsversuche nicht besonders positiv, doch augenscheinlich macht Mugi das nichts aus. Dazu kommt noch, dass Mugi als Kind von ihrer Mutter verlassen wurde und sie bei ihrem Vater lebt, jedoch dessen Freundin Kaoru vor Kurzem eingezogen ist. Mugi präsentiert ihrem Umfeld zwar immer ein Lächeln, doch ihre wahren Gefühle zeigt sie selten. Das ist auch ein Grund, warum sie nicht lange zögert, die Maske, die sie zu einer Katze macht, zu nehmen. Dabei ist es nicht so, als würde ihre Familie sie nicht lieben, so ist ihre Stiefmutter freundlich und hilfsbereit, doch Mugi scheint das nicht zu sehen. Durch diesen Aspekt wird deutlich, dass die Verwandlung in eine Katze auch eine Art Realitätsflucht für Mugi darstellt. Ihre gleichgültige Wahrnehmung auf ihre Familie, die dem Zuschauer doch so liebevoll erscheint, sorgt dafür, dass Mugi vielleicht den ein oder anderen an die eigene Teenagerzeit erinnert.

Flucht vor den eigenen Problemen

Mugi nutzt nun ihre neue Fähigkeit, um sich in ein niedliches Kätzchen zu verwandeln. Als solches kann sie Hinode nahe kommen, denn er schließt die scheinbar herrenlose Katze in sein Herz und gibt ihr den Namen “Taro”. Mugi wechselt munter zwischen ihrer Rolle als Mensch und als Katze, jedoch wird ihr dadurch auch immer wieder schmerzlich bewusst, dass Hinode an ihr als Mensch kein Interesse zu haben scheint, geschweige denn ihre Gefühle erwidert. Hinode ist das Verhalten von Mugi peinlich, sodass er nach einem Liebesbrief, der öffentlich vorgelesen wird, einfach nur wütend auf das Mädchen ist. Aber letzten Endes nutzt auch Hinode das Kätzchen, um sich von seinen eigenen Sorgen abzulenken, denn das Töpferstudio seines Großvaters soll verkauft werden, doch er traut sich nicht, seiner Mutter zu sagen, dass er es gerne weiterführen würde.

Wenn die Welten der Katzen und Menschen kollidieren

Dass der Maskenverkäufer zu Beginn wohl nichts Gutes im Schilde führt, kann der Zuschauer sofort erahnen, Mugi jedoch scheint sich gar keine Gedanken darum zu machen – dabei sollte klar sein, dass der Maskenverkäufer Mugi nicht aus Gutmütigkeit diese Maske gegeben hat. Er versucht, sie davon zu überzeugen, dass ein dauerhaftes Leben als Katze doch viel besser und gemütlicher wäre als das vergleichsweise anstrengende Leben als Mensch. Als ihm dies gelingt, verliert Mugi ihre Menschenmaske. Daraufhin nimmt Kaorus Katze das Aussehen von Mugi an, denn sie ist schon zwölf Jahre alt und hat Angst, dass sie ihre Halterin bald verlassen muss.  Der Film steuert auf ein fantastisches Finale zu, bei dem die Welten von Menschen und Katzen aufeinandertreffen. Um ein Schnurrhaar erinnert auf den ersten Blick ein wenig an Das Königreich der Katzen (2002), was jedoch nur oberflächlich der Fall ist, denn die Geschichten selbst gestalten sich sehr unterschiedlich.

Ein Glücksfall für internationale Animefans

Ursprünglich sollte Um ein Schnurrhaar am 5. Juni 2020 in den japanischen Kinos anlaufen, aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Kinostart jedoch abgesagt und anstatt einer Verschiebung hat Netflix den Titel nun international veröffentlicht. Zum Zeitpunkt unseres Reviews gibt es den Film nur im Originalton mit Untertiteln, aber die deutsche Synchronisation soll noch nachgereicht werden. Was an dem Film direkt ins Auge sticht, ist das ausgesprochen niedliche Charakterdesign sowie die schönen, flüssigen Animationen. Mugis Gefühlswelt gegenüber Hinode wird mit glitzernden Hintergründen unterstrichen und die musikalischen Einlagen fügen sich stets gut ins Geschehen ein.

Fazit

Um ein Schnurrhaar gefällt mir sehr. Ich hatte mich schon seit der Ankündigung auf den Film gefreut, noch lange bevor Netflix bekannt gab, den Titel zu veröffentlichen. Zwar ist Mugi am Anfang etwas nervig, aber mit der Zeit ist sie mir dann doch sympathisch geworden und ihre leicht obsessive Verliebtheit in Hinode ist mit ihrem jungen Alter zu erklären. Die Thematik mit der Maske finde ich besonders gelungen, da sie als Symbol der Flucht vor dem komplizierten Leben fungiert. Besonders gut gefällt mir der kleine Twist um Kaorus Katze. Dass sie Kaoru nicht verlassen möchte, ist rührend, aber auch sie muss erkennen, dass sie Kaoru mit ihrem Verschwinden als Katze vermutlich mehr wehgetan als geholfen hat. Wer Katzen mag oder einfach Lust auf eine liebenswürdige Geschichte hat, sollte sich den Titel nicht entgehen lassen.

© Netflix

 

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Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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4 Comments
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Alva Sangai
20. Juni 2020 17:07

Was hat sich Netflix bei dem komischen deutschen Titel gedacht? xD Aber sonst, klingt das nach einem Anime für mich. Manchmal wäre ich auch lieber eine Katze…

Alva Sangai
Antwort an  Ayla
20. Juni 2020 21:45

Ja klingt auf dem ersten Blick etwas komisch, aber verstehe den Grund dafür. 😀 Eine Katze hat ein gutes Leben. Vorausgesetzt sie hat einen guten Besitzer.

Aki
Aki
23. Juni 2020 21:02

Der Titel steht noch auf meiner Netflix-Watchliste. Ich warte aber aktuell noch auf die deutsche Sprachfassung. Habe in letzter Zeit so viel gute Erfahrungen gemacht (Carole & Tuesday, Queen Zaza und Dorohedoro) das ich noch warten kann.

Bin aber auch sehr gespannt, denn irgendwie erinnert mich der Trailer schon sehr an den Ghibli Film “Das Königreich der Katzen”. Also gerade als es heißt, sie kann sich nicht mehr zurück verwandeln. Daher bin ich gespannt, ob “Um ein Schnurrhaar” eigenständig genug ist.