Tsuki Ga Kirei

Lesezeit: 5 Minuten

Die Schulzeit ist eine turbulente Zeit für junge Menschen. Zwischen Schulaufgaben muss man sich langsam Gedanken um die Zukunft machen. Und da ist da auch noch der erste Frühling der Gefühle, der sich über sie hermacht. Tsuki ga Kirei beschreibt das Aufblühen einer kleinen Romanze zweier schüchterner Mittelschüler. Nach dem Simulcast auf Crunchyroll brachte KSM Anime im Dezember 2019 die bodenständige Geschichte ums Erwachsenwerden auch in deutschsprachige Gefilde.

     

Die Kirschblüten blühen, das Grün erstrahlt und die Tage werden heller. Es ist April und das neue japanische Schuljahr beginnt, bei dem die Klassen neu durchgemischt werden. So kommen Kotaro Azumi und Akane Mizuno in die gleiche Klasse. Kotaro ist Mittelschüler und großer Fan des Schriftstellers Osamu Dazai. Selbst möchte er ebenfalls einmal Schriftsteller werden. Seine Freizeit verbringt er, zum Leidwesen seiner Mutter, hauptsächlich mit dem Schreiben. Akane ist Teil des Leichtathletik-Klubs und bemüht, ihre Laufzeiten zu verbessern. In der Schule haben beide öfters Augenkontakt, doch dann kommt es zu einem unerwartetem Treffen, als sie mit ihren Eltern zufällig im gleichen Ort auswärts essen.

Tsuki ga kirei – as the moon, so beautiful

Originaltitel Tsuki ga kirei
Jahr 2017
Episoden 12
Genre Romanze, Slice of Life, Drama
Regisseur Seiji Kishi
Studio Feel

Titel wie Untertitel legen Wert auf die Erwähnung des Mondes; doch wird sich der geneigte Zuschauer fragen, warum er selbst keinesfalls sonderlich zum Thema wird. Der Untertitel “as the moon, so beautiful liest sich wie eine etwas unbeholfene Übersetzung des Haupttitels “Tsuki ga Kirei. Direkt übersetzt bedeutet letzteres nicht mehr als “Der Mond ist schön”; doch für Japan, einem Posterkind für indirekte Sprache, ist der Satz auch eine Umschreibung für “Ich liebe dich”. Diese poetische Indirektheit – auf den Schriftsteller und Lehrer Souseki Natsume zurückgehend – ist exemplarisch für den Tenor der Serie. Passend dazu ist auch so gut wieder jeder Episodentitel eine Referenz berühmter literarischer oder musikalischer Werken.

Zwei Introvertierte finden sich

Kotaro ist sehr in sich gekehrt. Im Alltag zieht es ihn in die Bibliothek, um in Büchern zu schwelgen. Daheim zieht er sich in sein Zimmer zurück und schreibt, um seinen Idolen geradezu  nachzueifern. Was seine Mutter gar nicht gerne sieht, denn er sollte langsam an seine Zukunft denken. Dazai nimmt in seinem Alltag fast die Rolle eines Ratgebers fürs Leben ein. Akane derweil ist sozialer: Sie meidet andere Menschen nicht. Sie ist aktiv und sportlich. Aber sie ist nicht minder schüchtern und hat ständig mit Ängstlichkeit zu kämpfen. Um sich zu beruhigen, hat sie stets einen Knetsack, in Form eines niedlichen Maskottchens, bei sich. Beide sprechen nicht gerne. Vor ihren Freunden wollen sie nicht nur ihr erstes Treffen geheim halten, sondern gar ihre ganze Beziehung, damit es es keine Wellen schlägt. Während sich andere Serien schnell in gekünstelten Konflikten verlieren, entwickelt Tsuki ga kirei eine große Stärke: Es ist ungemein nachvollziehbar. Mit Entscheidungen der Figuren mag man nicht einverstanden sein, aber es klar, woher sie kommen.

Charakterfokussierte realistische Präsentation

Die Serie besitzt unzählige kleine humane Momente. Seien es physikalische Interaktionen miteinander, tatsächliche Aussprachen oder die vielen Chats über LINE (quasi das japanische WhatsApp). Gekonnt beherrscht die Serie vor allem den Kunstgriff der Stille zwischen den Akteuren: Beklemmend, peinlich, unsicher oder es fehlen einfach die richtigen Worte – Gefühlslagen dieser Art sind bei zwei Introvertierten als Hauptfiguren keine Überraschung, aber keinesfalls nur ihnen vorbehalten. Statt Worten wartet das Sound-Design mit einer Breite an Surrogaten auf: Die Natur, kleine Seufzer, Grunzen, oder Kotaros Trommelproben für das später in der Serie stattfindende Herbstfestival. Für einen Anime mit Schulsetting fast schon erstaunlich ist auch die lebensnahe Präsenz verschiedener Altersklassen. Akane hat eine ältere Schwester, die sie um Rat bitten kann. Doch auch abseits dieser Rolle führt sie ihr eigenes Leben. Kotaros älterer Freund arbeitet in einem Buchladen. Eltern sind nicht nur vorhanden, sondern spielen eine natürliche Rolle im Alltag ihrer Zöglinge. Kotaro kommt sogar nach seinem Vater, der genauso introvertierte Züge an den Tag legt, wie er selbst.

Sanfte Optik, einfühlsame Töne

Direkt ins Auge sticht Farbpalette: Nicht grell und doch farbenfroh. Auf den ersten Blick wirken sie etwas verwaschen, doch holen die gesättigten Farben das Ganze wieder in die Realität zurück. Kontrastiert wird mit klaren schwarzen Umrisslinien, die zusätzlich mit den dicken weißen noch verstärkt werden (Wandering Son lässt grüßen). Dies gestaltet einen Effekt von einem klarem Vorhandensein, während die Substanz gleichzeitig doch nicht ganz so greifbar erscheint. Die Handlung besucht verschiedene Locations, die für illustre Schauplätze sorgen. Musikalisch prominent sind vor allem langsame Klaviermelodien und diverse romantische Insert-Songs platziert. In gute Hände gelegt wurde in aller Deutlichkeit auch das Layout-Design der Szenen: Oft haben sie sehr interessante Einstellungen zu bieten – selbst für einfache Dialogszenen. In Schlüsselmomenten verstärken sie die Stimmung nicht unerheblich. Das unübersehbare schwarze Schaf in der kunstvollen Präsentation ist dabei leider die sehr stiefmütterliche Behandlung von Statisten und Menschenmengen. Sie kommen wie übermalte Proportionspuppen daher und ihre Bewegungen bestehen aus hölzernem CGI. Da einige Sequenzen diese Bewegungen nicht einmal großartig gebraucht hätten – Standbilder hätten es auch getan – und sie sich häufiger auch in den Vordergrund drängen, fallen sie umso mehr leidig ins Auge.

Fazit

Tsuki ga kirei wartet mit einem hervorragendem Screenplay auf und kann ohne weiteres als eine Genreperle gewertet werden. Wer von Osamu Dazai vor allem via Ningen Shikkaku bzw. Gezeichnet gehört hat: So düster ist die Serie bei aller Vorliebe zu Kotaros Dazai-Zitaten definitiv nicht. Für Introvertierte bietet die Serie enormes Identikationspotenzial und für alle anderen hervorragendes Referenzmaterial an. Die Serie ist einfach so unmittelbar aus dem Leben gegriffen (wie das humorvolle Schmuggeln der Handys auf den Schulausflug), aber für die Figuren in ihrem persönlichem Rahmen ist alles doch etwas Besonderes. Eines muss zu dieser Serie aber doch klar gesagt werden: Tsuki ga kirei ist langsam. Sehr langsam. Die Serie nimmt sich die Zeit, die sie braucht und das Ende belohnt mit einer schönen Rundheit. Es sind kleine feine Momente, die auf einander aufbauen und mit der Zeit reifen. Dafür sollte man definitiv Interesse mitbringen. Andernfalls bewaffne man sich vermutlich besser mit einem bequemen Kissen.

© KSM Anime

 

Sharing is caring / Artikel teilen:

Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: