The Promised Neverland (Staffel 2)

Es kann manchmal so tragisch sein: Da verkauft sich ein Manga-Titel so gut, dass er zum Bestseller wird. Es folgt die Anime-Adaption, die sich ebenfalls als vom Erfolg gekrönt entpuppt. Und dann steht Staffel 2 vor der Türe und es zeigt sich, dass keiner der Beteiligten je vorhatte, den Titel vollständig zu adaptieren, weshalb man die Serie in der letzten Folge rasch zu einem Original-Ende führt. Das Schicksal von The Promised Neverland lässt sich exakt so beschreiben und zählt zu den größten Aufregern 2021 der Anime-Szene. Nach Staffel 1 waren wir auch bei der zweiten Staffel, die Ende März 2021 endete, mit von der Partie.

Nach Normans großem Opfer und der Hilfestellung, die die Kinder von Schwester Krone erhielten, gelang es ihnen, Isabella lange genug zu beschäftigen, um ihnen die Flucht zu ermöglichen. Ihre Zukunft ist damit jedoch mehr als unsicher: Nicht nur fliehen sie in eine ihnen völlig unbekannte Welt, die von den Dämonen beherrscht wird, sondern sie mussten auch die jüngeren Kinder im »Grace Field House« zurücklassen. Auch das Wissen, dass sie auf nur einer von vielen Plantagen lebten und die Kinder auf den übrigen Plantagen weiterhin der Ernte zum Opfer fallen werden, plagt ihre jungen Gemüter. Was kann eine Gruppe Kinder in einer Welt, die ihnen nicht nur unbekannt, sondern sehr wahrscheinlich auch noch feindselig gesinnt ist, tun, um das eigene Überleben zu sichern? Was können sie tun, um das bösartige System, das ihre Freunde zu Delikatessen machte, und die Herrschaft der Dämonen zu stürzen?

Wenn ein Fan-Liebling zum Fan-Alptraum wird

Originaltitel Yakusoku no Neverland
Jahr 2021
Episoden 11
Genre Mystery, Psychological
Regie Mamoru Kanbe
Studio CloverWorks
Seit 25. März 2021 vollständig auf Wakanim

Staffel 2 von The Promised Neverland hat es von Natur aus schwer: Die erste Staffel zehrt wie der erste Abschnitt des zu Grunde liegenden Mangas davon, dass die Kinder gefangen auf ihrer Plantage sind. Das Katz- und Mausspiel zwischen Emma, Norman, Ray und Isabella birgt etliche Paranoia-Momente und bringt in seinen stärksten Momenten Gänsehaut-Feeling hervor. Wenn man einer Serie also ihr stärkstes Element, in diesem Fall das Szenario, nimmt, was bleibt dann? Mit dieser Frage mussten sich auch Manga-Leser*innen nach dem ersten Handlungsbogen auseinandersetzen, denn plötzlich erfolgte ein heftiger Bruch. Das überschaubare Setting musste einer offenen Welt weichen und das, was den Plot bislang ausmachte, war aufgelöst. War das einfach nur ein Epilog? Mitnichten, denn die Manga-Vorlage hatte nach dem Ausbruch der Kinder aus dem Grace Field House noch vieles vor sich. Dementsprechend stellten sich auch Zuschauer*innen im Januar 2021 darauf ein, dass der neue Erzählabschnitt lediglich der Aufbruch war.

Fortführung ohne Mehrwert

Ohne die Katz- und Maus-Grundprämisse weiß The Promised Neverland nur bedingt zu überzeugen. Zwar gibt es hier und dort kleine Charaktermomente, die zu Emmas Entwicklung beitragen, doch darüber hinaus bieten die elf Folgen allenfalls eine Fantasy-Story der Marke Grundgerüst. Hier ein Monster, dort ein abgeschiedenes Völkchen, ein geheimnisvolles Mädchen und ein sagenumwobener Mann, der mehr Wissen über diese Welt zu besitzen scheint. Fantasy-Ware von der Stange ohne wirklichen Mehrwert. Noch schlimmer ist aber, dass die als Genies eingeführten Kinder kaum noch etwas von ihrer Brillanz beweisen können. Abgesehen von den actionreichen Szenen sind Emma und Co. schlichtweg unterfordert, denn es geht nur noch um den physischen Überlebenskampf in den Wäldern. Das alles wäre noch zu verkraften, wüsste man denn, dass die Handlung irgendwann wieder einen Richtungswechsel einschlägt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, weshalb an dieser Stelle auch gewarnt werden muss: Besser wird es nicht mehr. Die zweite Staffel ist in keiner Szene besser oder kratzt annähernd am Niveau des Vorgängers. Auch wenn lediglich Ursprungsmaterial des Mangas adaptiert wird, fällt die Erzählgeschwindigkeit zu schnell auf, wodurch lediglich die wichtigsten Checkpoints abgehakt werden. Die emotionale Achterbahnfahrt, die sich eigentlich abspielt, bleibt Anime-Zuschauern verwährt.

Fazit

Für Staffel 2 von The Promised Neverland möchte man das Fazit direkt vorwegnehmen: Nicht zu Unrecht wurde das Ende emotional aufgenommen. Die extreme Abkürzung und Vereinfachung der Geschichte stellen einen Schlag ins Gesicht eines jeden Fans dar, der mit der ersten Staffel einen soliden bis stark Auftakt erleben durfte. Noch schlimmer ist, dass das Ende ersten Staffel bereits ein zufriedenstellendes gewesen wäre. Das wäre eine Gelegenheit gewesen, die Handlung einfach abzuschneiden. Denn Staffel 2 bietet nichts Ganzes und nichts Halbes. Es wird ein neues Fass eröffnet, nur um es bei der nächstbesten Gelegenheit aufs Abstellgleis zu schieben. Damit bleibt der fade Eindruck zurück, dass die Serie ausschließlich um eine zweite Staffel verlängert wurde, um die parallel zu ihr laufende Manga-Veröffentlichung in ihren letzten Zügen zu begleiten und die Verkäufe anzukurbeln.

© CloverWorks

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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