Saint Seiya: The Lost Canvas

Lesezeit: 7 Minuten

Seit 1985 gehört das Saint Seiya-Franchise zu den festen Bestandteilen der Anime- und Mangawelt Japans. Alle paar Jahre kommen neue Ableger hinzu, sodass es nie zu Ende geht— wie der Kampf zwischen den griechischen Göttern scheinbar nie einen Abschluss findet. 2006 startete die Manga-Vorgeschichte Saint Seiya: The Lost Canvas vom Saint Seiya-Erfinder Masami Kurumada (B’t X) und Shiori Teshirogi (Kiiri), die Ereignisse aus einem 250 Jahre zurückliegenden Krieg erzählt, bei dem drei Freunde durch das Schicksal grausam getrennt werden. Die Reihe schaffte es auf insgesamt 25 Bände und wurde 2009 von TSM Entertainment (D.Gray-man) in eine 13-teilige OVA-Reihe umgesetzt. Erst zwei Jahre später ging es mit den nächsten Folgen weiter, sodass die Serie beendet wurde. Dank Netflix feierte das Franchise im Mai 2018 seinen Einstand in Deutschland, allerdings nur mit deutschen Untertiteln.

    

In einem kleinen italienischen Dorf im 18. Jahrhundert leben drei Waisenkinder unter armen Bedingungen: der sanfte Alone, der wilde Tenma und die freundliche Sasha. Ihre Freundschaft hilft ihnen durch alle Probleme, doch die drei werden voneinander getrennt. Sasha, die adoptiert wird, muss den Ort verlassen, bastelt aber für sich und ihre Freunde Blumenarmbänder zur Erinnerung. Einige Zeit später rettet Tenma das Dorf vor einer Überschwemmung, bei der sich herausstellt, dass der Junge zum Krieger Athenas geboren ist. Daher muss er ins weit entfernte Griechenland und lässt damit Alone zurück, jedoch mit dem Versprechen, zurückzukommen.

Jahre sind ins Land gezogen und Tenma hat es geschafft, sich eine der Rüstungen der Sternenkrieger der Göttin Athena — hinter dem sich niemand geringeres als seine Kindheitsfreundin Sasha verbirgt — erarbeitet, wodurch er ein vollwertiger Soldat geworden ist. Damit hat er sein Ziel erreicht, was gerade rechtzeitig ist, denn der Gott Hades hat sich ein menschliches Gefäß ausgesucht und erklärt seiner Widersacherin damit den Krieg. Athena schickt einen Aufklärungstrupp nach Italien, da sie dort die dunklen Mächte spürt und sicher gehen möchte, dass der Totengott in Erscheinung getreten ist. Unter den Kriegern befindet sich Tenma, der seinen Augen nicht trauen kann, denn Hades hat sich niemand Geringeres als seinen besten Freund Alone für seine Seele ausgesucht. Das Dorf in dem die drei Freunde zusammen glückliche Tage verbracht haben, ist zu einem Meer aus Flammen und Blut geworden. Für Sascha und Tenma beginnt der Kampf um die Seele ihres Freundes und der Rettung der Welt.

Kann ich als Neuling hier einsteigen?

Originaltitel Saint Seiya: The Lost Canvas – Meiou Shinwa
Jahr 2009
Episoden 26 (in 2 Staffeln)
Genre Action, Fantasy, Drama
Regisseur Osamu Nabeshima
Studio TMS Entertainment

Da die Ereignisse von Saint Seiya: The Lost Canvas 250 Jahre vor der Handlung der Hauptreihe Saint Seiya spielen, kann ohne Bedenken zugegriffen werden, da kein Vorwissen benötigt wird, um den Handlungsbogen zu verstehen. Wer hier gegen wen und warum kämpft, ist im Grunde eine einfache Sache, wofür schon ein wenig Mythologieunterricht ausreicht: Hades ist der Gott der Unterwelt, welcher irgendwann auf die Idee gekommen ist, der Menschheit die Erlösung zu bringen, indem er schlicht jeden umbringt. Das kann die Göttin des Krieges Athena natürlich nicht zulassen, weswegen sie eine Armee aufstellt, um dem Feind Einhalt zu gebieten. Diese besteht aus 88 Kriegern, die Rüstungen tragen, die einem jeweiligen Sternenbild entsprechen. Hades hingegen kontert mit seiner Armee aus Soldaten, die einem Stern entsprechen: Den 108 Specters. Während man also bei Sailor Moon die Planeten lernen konnte, gibt es hier Nachhilfe für den Sternenhimmel. Tenma trägt zum Beispiel die Pegasusrüstung und ist damit in der Rangfolge der Saints erst einmal ganz unten. Da der Hauptcharakter eines Saint Seiya-Ablegers immer diese Rüstung trägt, ist unser mutiger Held in bester Gesellschaft. Leider gibt es im Verlauf des Animes Kleinigkeiten, die nicht erklärt werden. So zum Beispiel, warum die weiblichen Krieger von Athena alle Masken tragen oder wie sich die Hierachie bei dem Specters genau zusammensetzt. Fans der Reihe werden hier die Nase vorne haben, während Neueinsteiger leider das Nachsehen haben.

Von Göttern und Kriegern

Der bei Fans mit Abstand beliebteste Handlungsbogen der Originalserie ist der Kampf zwischen Athena und Hades. Kein Wunder also, dass dieser Abschnitt für eine Prolog-Geschichte ausgesucht wurde. Ein Großteil der Fanliebe kommt daher, dass Athenas stärkste Kämpfer — die zwölf Krieger der Tierkreiszeichen — in den Ring steigen; auch bei Saint Seiya: The Lost Canvas ist dies der Fall. Regelrecht zelebriert werden die Männer in ihren goldenen Rüstungen, die allesamt ihre eigenen, oft tragischen, Geschichten haben. Leider fällt die Einführung von ein paar Figuren nicht immer sehr geschickt aus und es kommt auch vor, dass darauf gewartet wird, dass ein neuer Goldjunge das Spielfeld betritt. Worin der Titel jedoch punkten kann, sind die Ausgänge der Konfrontationen. Da hier auf beiden Seiten Figuren sterben, ist nicht immer klar, ob ein liebgewonnener Charakter das Zeitliche segnet oder noch eine weitere Runde mitmischen kann. Zu Beginn überrascht es nicht wirklich, dass Hades seine Spieler wieder zurückholt, denn schließlich ist er der Gott der Unterwelt. Doch wird sich dieses Problems auf kreative Art angenommen, was gerade Mythologie-Fans freuen wird. Leider überrascht nicht jede Handlungswendung im Laufe des Krieges, was daran liegen mag, dass die Reihe ihren Actionwurzeln treu bleibt. So versucht man es mit plötzlichen aus dem Hut gezauberten Elementen, die nicht immer zünden wollen. Alleine das erste Aufeinandertreffen des Sternzeichenkriegers Fisches und Minos, einem der drei Richter der Hölle, endet darin, dass immer wieder eine neue Trumpfkarte aus dem Ärmel gezogen werden. Da stellt sich einem eine Frage: warum nicht gleich so? Auch Athenas passives Verhalten wirft zu Beginn Fragen auf, die sich aber zum Glück klären. Wer sich übrigens wundert, was der eine oder andere griechische Gott in der Zwischenzeit macht: Im Verlauf der Story mischen sich noch andere Spieler in die Partie ein.

Zwei Jahre Unterschied

Die ersten 13 Folgen der Serie wurden 2009 nicht für das Fernsehen, sondern direkt für den heimischen Kauf produziert. Solche Serien weisen in der Regel ein höheres Niveau als TV-Produktionen hinsichtlich ihrer Animationen auf, was leider hier nur bedingt der Fall ist. Die ersten Folgen haben hier und da ein paar unsaubere Stellen, was gerade dann negativ auffällt, wenn es um die Gesichter der Figuren geht. Die 2011 entstandenen Folgen erstrahlen im Gegensatz in einem anderen Licht: Die Kämpfe sind flüssiger animiert, es gibt detailreichere Hintergründe und weniger Animationsfehler. Auch die Wünsche der Fans wurden berücksichtigt: So zum Beispiel wurden die Rüstungen in ihren Standbyzuständen eingefügt und auch wie die Krieger sich verwandeln. Was schade ist, dass von den fünf großen Handlungsabschnitten des Mangas nur zwei animiert wurden. Das daraus resultierende offene Ende ist leider sehr unbefriedigend, da das Gefühl entsteht, mitten in einer spannenden Schachpartie zurückgelassen zu werden. Vielleicht überlegt es sich Netflix, noch ein wenig Geld in diese Reihe zu investieren, da schon für Ende 2018 eine Remake-Serie des Originalmangas geplant ist, welches unter dem Namen Knights of the Zodiac: Saint Seiya laufen soll.

Japans große Sprecherriege

Jun Fukuyama (hier: Kagaho), Daisuke Ono (hier: Krebs Manigoldo), Takahiro Sakurai (hier: Minos), Akira Ishida (hier: Virgo Asmita) und Hiroshi Kamiya (hier: Pisces Albafica) sind nur ein kleiner Teil der Stimmen, die in der japanischen Version zu hören sind. Insbesondere Athenas stärkste Krieger sind prominent besetzt worden, was dafür sorgt, dass es stimmlich nichts zu bemängeln gibt. Selbst Nebenfiguren sind passend belegt, sodass man sich vielleicht nur daran stören könnte, dass einige Charaktere ein paar trashige Rüstungen abbekommen haben. Gerade auf Seiten der kleineren Bösewichte ist ein Lachen oft nur schwer zu verkneifen. Da halten Athenas hübsche Männer zwar dagegen, doch selbst die haben gerne das eine oder andere unschöne Designdetail an sich. So zum Beispiel die wirklich hässlichen Helme, die zum Glück gerne schon zu Anfang eines Kampfes vom Kopf fliegen. Das Original Charakter-Design von Shiori Teshirogi wurde bis ins kleinste Detail übernommen. Osamu Nabeshima (Yowamushi Pedal Glory Line), der hier auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, achtete darauf, dass auch bei den anderen Dingen die Serie seiner Vorlage gerecht wird. Ein stimmungsvoller Soundtrack rundet den Anime ab, den wir Kaoru Wada (Inu Yasha) zu verdanken haben. Etwas ungewohnt ist das in komplett Englisch gesungene Opening “The Realm of Athena” von EUROX, welches seine Hörer in zwei Lager spalten wird: Love it or hate it! Maki Ikuno und Marina del Ray hat das sanfte Ending eingesungen, mit dem Titel “Hana no Kusari”. Schade ist, dass das Lied mit einem sehr einfach gestrickten Bilderwerk präsentiert wird.

Saint Seiya: The Lost Canvas war vor einigen Jahren mein Einstieg in das Franchise. Noch heute ist es mein Lieblingstitel von Saint Seiya, da es viele sympathische Figuren gibt. Angefangen bei den drei Hauptcharakteren bis hin zu einigen der dunklen Spieler auf dem Schachbrett: Ich kann mich nicht beklagen. Schade ist es nur, dass von vielen zu schnell Abschied genommen werden muss. Gerade bei Manigoldo schmerzt es doch sehr, da er meiner Meinung nach eine sehr traurige Geschichte zu erzählen hat. Immerhin, er kann dem Gott Thanatos ordentlich in den Hinter treten!  Als Fangirl von Actiongeschichten, stören mich die oft einfachen Wendungen nicht so sehr. Vor allem deswegen nicht, weil es immer wieder welche gibt, die doch eher unerwartet um die Ecke kommen. So zum Beispiel, dass Sagittarius Sisyphus seine golden Rüstung verliert, weil seine inneren Zweifel ihn vom Licht wegführen. Mir gefällt es, dass hier dann auch Athena selbst aktiv eingreift und den Mann auf den rechten Weg zurückbringt.  Ein wenig eintönig finde ich nur einige Kämpfe, da manche Attacken überstrapaziert oft angewandt werden; so zum Beispiel The Great Horn des Taurus Kämpfers. Besonders gut gefällt mir das Charakter-Design, was eh schuld daran ist, dass ich vor Jahren in die erste Folgen reingeschaut habe. Zwar sind einige Rüstungen echt seltsam, aber vor allem die schwarze Rüstung von Kagaho ist sehr schick. Wirklich schade ist es, dass es keine Aussicht darauf gibt, dass die restliche Geschichte vom Manga jemals umgesetzt wird. Das ist besonders deswegen ärgerlich, weil meine persönlichen Lieblingsstellen der Vorlage so nicht dabei sind und Animefans nicht erfahren werden, wie der Krieg ausgehen wird.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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Ayres
Redakteur

Die Serie beginnt eigentlich ganz ansprechend (besonders die erste Episode habe ich noch positiv in Erinnerung), aber schon nach Folge 5 hat die Serie mich verloren, sodass ich dann auch nach der Hälfte (das wurde ja damals noch als zwei Staffeln verkauft) abgesprungen bin. Eigentlich schade, ich stehe sonst ja auf so riesige Universen. Vielleicht versuche ich mein Glück irgendwann nochmal, wenn meine Netflix-Liste abgearbeitet ist.