Psycho-Pass 2

Lesezeit: 4 Minuten

Dass es nach der erfolgreichen ersten Staffel von Psycho-Pass irgendwann weitergeht, war nur eine Frage der Zeit. Ließ doch gerade das Ende viele Wege offen, um die Geschichte des angeblich perfekten Überwachungssystems Sibyl fortzuführen. Lange mussten Zuschauer nicht warten, doch gab es einige größere Änderungen, die auf sie zukamen: ein anderes produzierendes Animationsstudio, andere Mitarbeiter und weniger Folgen. Konnte dennoch das hohe Niveau gehalten werden? Leider nein. Trotz einigen guten Zutaten wie Bombenanschlägen, unsichtbaren Menschen sowie privaten Gefahren für Hauptermittlerin Akane Tsunemori, wirkt Psycho-Pass 2 wie ein schaler Aufguss. Warum genau, besprechen wir ausführlich in unsere Review, denn dank Kazé Anime liegt der Titel hierzulande auf Disk vor.

Obwohl Akane Tsunemori herausgefunden hat, was das Sibl-System wirklich ist, arbeitet sie weiter als Inspektorin für das Amt für öffentliche Sicherheit. Aktuell ermittelt sie und ihr frisch zusammengestelltes neues Team an einer Serie von Bombenanschlägen. Nach einer neuen Explosion gibt es endlich mehr Hinweise, die die Ermittlerin auf eine interessante Spur führen. Als plötzlich eine andere Inspektorin verschwindet und immer wieder an verschiedenen Stellen die Buchstaben ‘WC’ erscheinen, begreift Akane, dass es sich hierbei nicht um einen normalen Fall handelt. Da sich zudem ihr eigenes Umfeld auf einmal in auf einmal in Gefahr befindet, droht sich selbst der Psycho-Pass der Unerschütterlichen zu wandeln.

Er ist kein neuer Shogo Makishima

Originaltitel Psycho-Pass 2
Jahr 2014
Episoden 11 (in Staffel 2)
Genre Action, Thriller, Drama
Regisseur Kiyotaka Suzuki, Naoyoshi Shiotani
Studio Tatsunoko Production

Dass für viele Zuschauer die zweite Staffel von Psycho-Pass nicht an ihre erste heranreicht, liegt maßgeblich daran, dass das interessante Setting und seine Konzepte sowie die etablierten Probleme nicht weitergedacht werden. So geht es beispielsweise nicht darum, welche Alternativen es für das staatliche Überwachungssystem gibt. Stattdessen steht eine weitere Schwäche des Systems im Fokus, die dank des neuen Gegenspielers ans Tageslicht kommt. Schnell findet Akane Tsunemori nämlich heraus, dass ein gewisser Kamui hinter den Anschlägen, der Entführung der Inspektorin und der seltsamen „WC“-Botschaft steckt. Dieser scheint einen perfiden Plan zu verfolgen, der sich uns und der Ermittlerin nur langsam offenbart und dabei ein paar interessante Wendungen nimmt. Unglücklicherweise bleibt Kamui selbst hinter seinem grandiosen Vorgänger zurück; denn im Gegensatz zu Shogo Makishima, der durch seinen ganz eigenen Charisma, die Leute in den Bann zog, fehlt dem Neuen einfach etwas. Daher wirkt das Katz- und Mausspiel zwischen ihm und Akane nicht so packend wie das zwischen Kougami und seinem Kontrahenten in der ersten Staffel. Immerhin Kamuis Hintergrundgeschichte ist gelungen, da hier wirklich eine kreative Note im der Story zu finden ist.

Akanes neues Team

Durch den Wegfall des Superermittlers Kougami musste seine Lücke durch neue Figuren von Skriptschreiber Jun Kumagai (Hamatora The Animation) für Psycho-Pass 2 gefüllt werden. Das gelang ihm jedoch nur bedingt, denn der schüchterne Shou Hinakawa, die pedantische Mika Shimotsuki und der psychopathische Sakuya Tougane reichen dafür einfach nicht aus. Gerade letzterer verhält sich von Anfang an sehr auffällig, sodass klar ist, dass dieser seine eigenen düsteren Pläne hat. Zum Glück hat sich Akane aber weiterentwickelt und macht mittlerweile eine sehr gute Figur als Ermittlerin. Sehr sympathisch ist ihre Macke, eine Zigarette neben sich abbrennen zu lassen, um Kougamis Geruch in der Nase zu haben, um dadurch auf schlaue Ideen zu kommen. Das zeigt, dass sie nicht perfekt ist, zweifelt und auf Eingebungen wartet. Besonders gefällig ist, dass sie keine Einzelkämpferin ist, sondern ihr Team benötigt. Dabei stellt sie sich geschickt an, denn sie vertraut auf dessen Fähigkeiten und Erfahrungeswerte. So holt sie sich unter anderem den scharfsinnigen Ex-Professor Jouji Saiga ins Team, der schon in der ersten Staffel zu einigen anregenden Diskussionen beitrug.

Fehlende Optische Reize

Studio Tatsunoko Production übernahm die Herstellung von Psycho-Pass 2, während das bekannte Studio Production I.G., welches für die erste Staffel verantwortlich war, nur noch die Rolle des Produzenten inne hat. Mit diesem Wechsel gab es zudem einige Änderungen beim Personal, wovon sich gerade das Fehlen von Skriptschreiber Gen Urobuchi (Fate/Zero) bemerkbar macht. Vor allem optisch müssen sich Zuschauer auf einiges einstellen: die CGI-Szenen fallen merkbar auf, es gibt immer wieder schlecht animierte Sequenzen und selbst das Aussehen der Figuren hat gelitten. Immerhin gibt es bei der musikalischen Begleitung keine Abzüge, denn Yugo Kanno, bekannt für seine Soundtracks der JoJo’s Bizarre Adventure-Animes, war weiterhin mit dieser Aufgabe betraut, wodurch es keine Unterschiede zur vorangegangen Staffel gibt. Das psychodelische Opening fügt sich nahtlos zu denen der ersten Season ein, da es ebenso optisch ausgefallen ist. Nur musikalisch ist der Song „Enigmatic Feeling“ von Ling Tosite Sigure eine Frage des persönlichen Geschmacks. „Fallen“ von EGOIST ist hingegen ein Segen für die Ohren, aber wenig ansprechend für die Augen.

Fazit

Psycho-Pass ist eine dieser Animeserien bei der ich wirklich jeder Folge entgegenfieberte. Für mich persönlich konnte Psycho-Pass 2 dieses hohe Niveau nicht halten, denn im Grunde führt Akanes neuer Fall uns nicht wirklich viel weiter als es Makishimas schon tat. Sibyl ist nicht perfekt, das wissen wir schon und dank Kamuis Plan erfahren wir, dass es ein weiteres Leck im System gibt. Welches das ist, ist schon interessant und führt vor allem zu anregenden Diskussionen über Gesellschaften, aber es hätte mehr drin sein können. Immerhin kann Akane wirklich punkten, denn sie ist zu einer starken Frau herangewachsen. Ich finde es toll, wie sie sich auf ihr Team verlässt, Kritik annimmt und dadurch klar wird, warum ihr Psycho-Pass immer diese helle Farbe behält. Dass es teilweise um diese Färbung geht, finde ich sogar sehr spannend, nur ging mir Sakuya Tougane dabei etwas auf die Nerven. Kamui hingegen finde ich ganz in Ordnung, denn seine Hintergrundgeschichte ist schon nicht ohne. Sein Verhalten finde ich nur nicht ganz nachvollziehbar, selbst nachdem ich den Anime ein zweites Mal angeschaut habe, wirkt seine Brutalität nicht stimmig. Was ich persönlich zudem sehr schade finde ist, dass Psycho-Pass 2 optisch schlechter als seine erste Staffel ausfällt. Insgesamt betrachtet schneidet daher diese Staffel schlechter ab als die erste, weiß aber dank des interessanten Falls doch zu unterhalten und überzeugt mit einer taffen Akane.

© Kazé Anime

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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