Planetarian: Storyteller of the Stars

„Wie wäre es mit einem Besuch im Planetarium? Werden Sie Zeuge des wunderschönen Glanzes der Ewigkeit.“ Mit diesen Worten begrüßt die Protagonistin Yumemi Hoshino die Zuschauenden in Planetarian: Storyteller of the Stars und der beigefügten OVA-Folge Planetarian: Snow Globe. Dank KSM Anime sind sowohl die Blu-ray als auch die DVD seit dem 17. März 2022 im Handel erhältlich. Die Geschichte basiert auf der Visual Novel Planetarian: The Reverie of a Little Planet des Entwicklungsstudios Key (Kanon) und der Kurzgeschichte Man of the Stars aus einer Light Novel, die von Yuichi Suzumoto (Clannad) geschrieben wurde. Eine fünfteilige Webserie (ONA) ist ebenfalls aus der Vorlage entstanden. Lassen wir uns nun von Yumemi in die eindrucksvolle Welt der Galaxie entführen und begleiten den letzten Menschen der Sterne, der versucht, den Überlebenden einer verlassenen und zerstörten Welt einen Funken Hoffnung zu schenken.

   

Die Erde wurde durch einen nuklearen Weltkrieg verwüstet. Eine neue Eiszeit hat dafür gesorgt, dass kaum ein Leben mehr möglich ist. Ein junger Plünderer, auch als Junker bekannt, erkundet den verlassenen Ort Siegelstadt auf der Suche nach Nahrungsmitteln. Auf der Flucht vor einem Roboter-Wachposten, der ihn beschießt, gelangt er in ein verlassenes Einkaufszentrum. Auf dem Dach wird er vom weiblichen Androiden Yumemi Hoshino als 2.500.000. Besucher des Planetariums begrüßt und zu einer Sondervorstellung eingeladen. Beinahe 30 Jahre nach der zerstörenden Katastrophe wartet sie noch immer freudestrahlend auf Kundschaft. Es gibt nur ein Problem: Der Projektor ist nach all den Jahren defekt. Trotz anfänglicher Ablehnung beschließt der Kunde dem Mädchen zu helfen und gemeinsam gelingt ihnen die Reparatur. Diese Aktion wird ihm nicht nur einen Blick in die Sterne erlauben, sondern sein Leben für immer verändern.

Werfen wir einen Blick in den Himmel

Originaltitel Planetarian: Hoshi no Hito
Jahr 2016
Genre Drama
Regie Shunsuke Machitani
Studio David Production
Laufzeit 117 Minuten
Veröffentlichung: 17. März 2022

Ein Schleier, der sich quer über den Nachthimmel zieht, ist unsere Galaxie. Die Menschen der Antike waren der Meinung, dass am Himmel Milch fließe, so entstand der Begriff Milchstraße. Sterne und ihre Bedeutung spielen im Leben eine wichtige Rolle. Nicht nur in der Seefahrt wurden sie neben der Sonne und dem Mond als Hilfsmittel zur Navigation genutzt, sondern sie weisen auch vielen Personen ihren Weg. Sternzeichen, auch als Tierkreiszeichen bekannt geben vielen Rat, schenken Hoffnung und spielen auf spiritueller Ebene große Rollen. Im Disney-Film König der Löwen erklärt Mufasa anschaulich, dass die großen Könige der Vergangenheit von da oben auf uns herabblicken. So besagt die Legende, dass jeder Stern die Seele eines Menschen enthält, der die Erde verlassen hat. Die Entstehung von Sternbildern, die in Planetarian: Storyteller of the Stars an der Geschichte von Andromeda und Perseus erklärt wird, macht neugierig und lädt dazu ein, ein Planetarium zu besuchen oder selbst zum Teleskop zu greifen. Der Himmel ist unendlich und so gibt es immer wieder Neues zu entdecken und zu lernen. Sterne zeigen vieles und legen so offen dar, das es sich um mehr handelt als funkelnde Punkte am Nachthimmel.

Hoffnung oder Tatsache

Eine dystopische Welt, in der unser Planet durch einen Krieg unter Einsatz von nuklearen und biologischen Waffen beinahe vollständig zerstört wurde. Dies bildet das Grundgerüst der Handlung. Die Geschichte ist in zwei Zeiteinheiten unterteilt. Größtenteils befinden sich die Zuschauenden im Ort Siegelstadt etwa 30 Jahre nach Ende des besagten Krieges. Der Rest des Films geht noch weiter in die Zukunft, in der die Handlung beginnt. Hier finden drei Kinder einen alten Mann, der im Schnee zusammengebrochen ist. Im Dorf wird er versorgt. Hinter ihm verbirgt sich ein sogenannter Mensch der Sterne, der anderen von den funkelnden Punkten am Himmel berichtet, die seit dem Krieg nicht mehr zu sehen sind. Sein Weggefährte ist ein kleiner Projektor, mit dem er den drei Kindern als letzter seiner Art nun die Wunder des Himmels zeigen möchte. Wenn es Bevölkerungsgruppen in einer zerstörten Welt gibt, die noch nie einen Sternenhimmel sehen konnten, ist es schwer, als Vermittler Zuhörer zu finden. Vereinzelt gibt es Menschen, die das Wissen des alten Mannes teilen, doch was ist aktuell wichtiger: die Sterne oder Nahrungsmittel zum Überleben?

Ein kleiner Funken Strom

Zurück in der Gegenwart versucht ein junger Junker zu überleben und flüchtet ins Planetarium auf dem Einkaufszentrum. Als „werter Herr Kunde“ wird er von Yumemi begrüßt. Beinahe 30 Jahre war das Androiden-Mädchen alleine, hat sich regelmäßig hochgefahren, um zu arbeiten, doch ohne Kundschaft. Sie lebt im Glauben, dass sich nichts verändert hat, scheint die Wahrheit allerdings zu kennen und bezeichnet sie als Fehlfunktion. Zu Beginn ist der Kunde, dessen wahrer Name im Verlauf der Handlung nicht genannt wird, sehr vorsichtig und hat seine Waffe stets schussbereit. Die vielen Kämpfe gegen Roboter aller Art rechtfertigen seine feindselige Art gegenüber künstlichen Intelligenzen. Er ist zudem verwundert, dass die Einrichtung nach all der Zeit noch immer mit kleinen Mengen Strom versorgt wird. Zunächst ist er von Yumemis aufdringlicher und sturer Art genervt und reagiert abweisend. Nach und nach beginnt er dennoch ihre Andeutungen zu verstehen. Auch sie fängt damit an, ihre Programmierung in Frage zu stellen. Es entwickelt sich eine immer stärker werdende Bindung der Hauptfiguren, die sich auch auf die Zuschauenden überträgt. Die Zeitsprünge passen sich nahtlos an und vermitteln glaubwürdig, was aus Figuren werden kann und wie selbst ein kleiner Funken Hoffnung die Zukunft verändern kann.

Ein Zeitsprung

Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit: Dank der 25-minütigen OVA-Folge (Original Video Animation) Planetarian: Snow Globe ist dies möglich, welche die Vorgeschichte des lebensfrohen Mädchens darstellt. Zum 15. Jubiläum des Franchises wurde 2021 das Prequel produziert. Obwohl die Geschichte erst fünf Jahre nach dem Film entstand, bietet es sich an, diese zuerst zu schauen. Es werden Einblicke in eine Welt vor der Katastrophe geboten, als Yumemi noch eine Stadt voller Menschen erkunden konnte und mit ihrer Werbung Besuchende ins Planetarium lockte. Entwickler und Mitarbeitende des Planetariums verdeutlichen von Anfang an, dass sie in dem Roboter-Mädchen nie einen Nutzgegenstand gesehen haben. Deshalb auch der Name und keine Produktionsnummer. Diese Tatsachen können ein Indiz für Yumemis lockere und fröhliche Art sein und ihre eigenen Ideen, beispielsweise dem Projektor den Namen Frau Jena zu geben. Die aufgelockerte Handlung rundet das Gesamtbild des Planetarian-Universums ab.

Zwei im Einklang

Ein Film, eine OVA-Folge und zwei Animationsstudios, ein ungewöhnlicher Hintergrund. Die beiden Produktionen Planetarian: Storyteller of the Stars und Planetarian: Snow Globe haben fürs Auge einiges zu bieten, besonders Yumemis grüne Augen. Diese sind oft als Nahaufnahme zu sehen, zeigen zwar dabei klar, dass sie kein Mensch ist, vermitteln dennoch Emotionen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt dabei die Verarbeitung der aufgenommenen Daten. Das ist nur ein Detail, bei dem 2016 das Studio David Production (Cells at Work!) ganze Arbeit leistete, denn auch die wenigen Action-Szenen sind gelungen umgesetzt. Studio Okuruto Noboru (The Hidden Dungeon Only I Can Enter) übernahm 2021 dann das Prequel. Ein Produktionswechsel fällt hier allerdings kaum auf. Es gelingt dem Studio, das Niveau und den Fokus zu bewahren, sodass die Zuschauenden kaum einen Unterschied bemerken werden.

Mehr als nur Stimme

Nicht nur bildtechnisch weiß die Produktion zu überzeugen, sondern auch die unter KSM Anime entstandene Synchronisation. Im Originalton und der Übersetzung leisten die Synchronsprecher ganze Arbeit. Vor allem David Schulze (Promare) als Kunde und Christina Ann Zalamea (Raya und der letzte Drache) in der Rolle von Yumemi hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Letztgenannte sticht dabei besonders hervor, denn ein Roboter ist nicht einfach umzusetzen. Zalamea schafft es, eine Verbindung zwischen Menschlichkeit und künstlicher Intelligenz zu erschaffen. Sie lässt die Zuschauenden erkennen, dass es sich bei Yumemi um einen Androiden handelt, der aber auch Gefühle zeigen und zulassen kann. Diese Umsetzung unterstreicht die deutsche Version eindrucksvoll. Rolf Berg (Summer Wars) verkörpert den Menschen der Sterne und fügt sich dabei gekonnt in die Geschichte ein, auch wenn er stellenweise zu verständnisvoll und sanft klingt, wenn man ihn mit der ruppigen Art seiner früheren Zeit vergleicht.

Was es noch gibt

Es ist nicht einzig die OVA-Episode, die dem Film als Extra beiliegt. KSM Anime schenkt allen Fans ein umfassendes Paket voller Zusatzmaterial, das glücklich macht. Eine stabile Box, die passend zum Thema Sterne einen leichten Glanzeffekt mitbringt, beinhaltet fünf Artcards, auf denen hauptsächlich Yumemi zu sehen ist. Das 72-seitige Booklet liefert zudem Bilder, Erklärungen der einzelnen Kapitel, Zitate und Charakterbeschreibungen. Weitere Zeichnungen und Vorlagen von Figuren, ihrer Kleidung, Maschinen und Orten zeigen, wie viel Arbeit hinter so einem Projekt steckt und sorgen so für ein wundervolles Gesamtwerk, das in jedes Regal passt.

Fazit

Planetarian: Storyteller of the Stars
erzählt eine gefühlvolle emotionale Geschichte, die sich in einer zerstörten Zukunft abspielt. Die dargestellte Welt ist durch Themen wie Klimawandel, Überbevölkerung, Lebensmittelknappheit und Territorialkriege erschreckend realitätsnah. Einziger Lichtblick scheint zunächst die freudestrahlende Yumemi Hoshino zu sein, deren liebenswürdige Art einen Funken Hoffnung in sich trägt. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, einem Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und ihn in die Welt der Sterne mitzunehmen. Die Sprünge zwischen den einzelnen Zeitebenen gelingen fließend, ohne dass es zu aufgesetzt wirkt. Planetarian: Snow Globe zeigt unterdessen die Anfänge des Krieges und viele Dinge, die im Film wichtige Rollen einnehmen. Daher bietet es sich an, zuerst das Extra zu sehen, um auch ein bisschen Freude mitzunehmen. Besonders Christina Ann Zalamea liefert die perfekte Vertonung von Yumemi, denn die glaubwürdige Mischung aus Androiden-Verhaltung und menschlichen Emotionen gelingt ihr. Wer ruhige Geschichten voller Gefühl, lebensfroher Charaktere, tiefgründigen Emotionen und Charakterentwicklung mag, findet hier gefallen.

© KSM Anime


Veröffentlichung: 17. März 2022

Sapamo

Sapamo liebt Geschichten aller Art. Für die nah am Wasser gebaute Romantikerin steht das Thema Liebe in Erzählungen ganz weit oben. Seien es Romane, Manga oder Anime. Nachdem sie tagsüber jede Menge Bücher der unterschiedlichsten Art in Regale oder auf Bücherwagen gelegt hat, entspannt sie sich abends gerne mit einer guten Lektüre. Gerne lässt sie auch einen kleinen weißen Ball über die Platte hüpfen und genießt den Besuch eines Musicals.

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